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Woffenbach, Neumarkt, Seligenporten: Rufe nach Saisonabbruch werden lauter

Reguläres bzw. sportliches Ende nicht in Sicht

Am Horizont zeichnet sich die Rückkehr in den Trainingsbetrieb ab. Doch an eine Fortsetzung der Runde glauben die Neumarkter Klubs im höherklassigen Amateurfußball nicht mehr.

Da hilft auch kein Desinfektions-Gel. Der alten Fußball-Saison läuft die Zeit davon.

 / © Sportfoto Zink

Andreas Nigl: "Das zeitliche Fenster bis zum 30. Juni ist extrem eng"

Andreas Nigl ist gefangen zwischen zwei Welten. Schon seit Juni 2020 steht fest, dass der 36-Jährige seinen Heimatverein zur kommenden Spielzeit gen Berching verlässt. Doch die Verbundenheit mit seinem BSC Woffenbach ließ ihn das Versprechen abgeben, die im Sommer 2019 angebrochene Saison zu Ende zu bringen. Dem einstigen Defensivstrategen geht es nicht um die persönliche Ehre einer finalen Einwechselung, sondern um den Klassenverbleib in der Landesliga. Auf regulärem Weg erscheint ihm dieses Ziel trotz der jüngsten Öffnungsschritte für den Breitensport kaum noch erreichbar.

„Wir wollen sobald möglich in Zehner-Gruppen ins kontaktlose Training einsteigen“, erklärt Nigl, „aber das zeitliche Fenster bis zum 30. Juni ist extrem eng. Wir haben im abgelaufenen Jahr nur in drei Monaten auf den Platz gedurft und bräuchten eine entsprechende Vorbereitung.“ Bereits in dieser Phase allerdings drohe die Abhängigkeit von regional unterschiedlichen Inzidenzwerten den späteren Wettbewerb zu beeinträchtigen. „Für mich sind das keine fairen Verhältnisse“, sagt Nigl, dessen Schützlinge noch sieben Partien austragen müssten und aktuell auf einem Abstiegs-Relegationsplatz rangieren. Die unbefriedigende Situation erfordere seiner Meinung nach konkrete Entscheidungen des Bayerischen Fußballverbandes, der sich zu sehr hinter der Politik verstecke. „Noch nicht einmal der Ligapokal ist offiziell abgesagt.“

Nigl spricht sich denn für den Abbruch der Meisterschaft aus, obwohl er ahnt, dass sein BSC zu den von ihm erwarteten Härtefällen gehören könnte. Falls mehr als zwei direkte Absteiger per Quotientenregel bestimmt werden, sieht es ungünstig aus für Woffenbach. „Gegen zwei direkte Konkurrenten hätten wir noch gespielt“, weiß Andreas Nigl, „umso ärgerlicher sind die vier schwachen Spiele 2020. Davor standen wir immer über dem Strich.“ Im Zweifel „kann der Verein genauso gut mit der Bezirksliga leben“, Hauptsache es kommt überhaupt ein Neuanfang zu Stande.

Michael Delikahya: Saison sportlich beenden? "Wird momentan kaum klappen"

Beim Landesliga- und Stadtrivalen ASV Neumarkt überwiegt inzwischen ebenfalls die Skepsis an der Rundenfortsetzung. „Wir waren bislang ein Verfechter der Position, die Saison sportlich zu beschließen“, betont Teammanager Michael Delikahya, „aber das wird unter den momentanen Rahmenbedingungen kaum klappen. Wir hängen weiter in der Luft.“ Ausgerechnet in der Heimat des schärfsten Verfolgers aus Weiden liegen die Infektionszahlen aktuell auf einem Niveau, das an eine Freigabe für den Kontaktsport nicht denken lässt.

Immerhin kann der ASV aus tabellarischer Sicht einem eventuellen Abbruch gelassen entgegenblicken. Der reale Vorsprung des Spitzenreiters beträgt sieben Zähler bei zwei mehr absolvierten Spielen. „Wir haben sämtliche Varianten durchgerechnet“, berichtet Delikahya. Egal ob Quotientenregel, Hinrunden-Wertung oder direkter Vergleich, die Neumarkter behaupten den ersten Platz und planen ihre Zukunft in der Bayernliga. Personell steht Übungsleiter Jürgen Schmid, der Benedikt Thier ablösen wird, dank der hohen Quote an Eigengewächsen mit längerfristigen Verträgen eine nahezu unveränderte Auswahl zur Verfügung. Auch ohne Wettkampf-Perspektive bis Mai „werden die Jungs motiviert sein“, weiß Delikahya.

Gerd Klaus: Reguläres Ende "schwer vorstellbar"

Von derlei Enthusiasmus kann beim Landkreis-Aushängeschild SV Seligenporten keine Rede sein. Eine Rückkehr in Kleingruppen auf den Trainingsplatz ist nicht vorgesehen, verrät Coach Gerd Klaus. Als Bayernliga-Tabellendritter mit sieben Punkten und einer Partie Rückstand auf Relegationsrang 2 würden die Klosterer gerne nochmals ins Aufstiegsrennen eingreifen, brauchen jedoch nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Belastung organisatorische Sicherheit. Die Hoffnungen schwinden von Tag zu Tag. „In zwei bis drei Wochen müssten wir ins Mannschaftstraining einsteigen“, sagt Klaus. Dass die Spielzeit noch zu einem regulären Ende kommt, ist für ihn „schwer vorstellbar“. Welche Konditionen der SVS bei einem Abbruch favorisiere? „Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir sind nur ein kleines Licht.“

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