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Luca und Philipp Metz: Brüder im Schmerz

Bezirksliga Süd

Luca und Philipp Metz galten als Talente im Trikot des FV Dittenheim. Nach Kreuzbandrissen können sie vielleicht nie wieder Fußball spielen.

Was aussieht wie ein normaler Torschuss, wird ein paar Zehntelsekunden später zu einem schicksalhaften Moment für Luca Metz (gelbes Trikot). In dieser Szene gegen die Sportfreunde Dinkelsbühl gibt sein rechtes Knie nach – der zweite Kreuzbandriss.

 / © Uli Gruber

Beim dritten Mal waren die Schmerzen am schlimmsten. Obwohl er alles schon kannte: das plötzliche Wegknicken des Kniegelenks, das Geräusch der reißenden Bänder, die Schwellung. Und die Gewissheit, von nun an viele Monate nicht mehr den Sport ausüben zu können, für den er lebt: Fußball. Drei Kreuzbandrisse hat Luca Metz inzwischen hinter sich, der bisher letzte datiert vom Juni 2020. Nach mehr als 18 Monaten, die von Operationen, Physiotherapie und behutsamem Aufbautraining geprägt waren, wagt sich der junge Fußballer damals wieder ins Mannschaftstraining seines FV Dittenheim. Sein rechtes Knie, um dessen Heilung er sich zuvor so intensiv gekümmert hat, hält nicht mal eine Trainingseinheit durch. Ohne Fremdeinwirkung verdreht er sich das Kniegelenk. Kreuzbandriss, schon wieder. Es ist der Tiefpunkt, körperlich und emotional.

Für Luca Metz ist Fußball nicht einfach ein Hobby. Der Sport ist sein Lebensinhalt, von Kindesbeinen an. Dasselbe gilt für seinen Zwillingsbruder Philipp, mit dem er gemeinsam dem Ball hinterherjagt seit sie laufen können. Zur Freude von Vater Harald, der früher ebenfalls für den Bezirksligisten FV Dittenheim auf den Platz stand. Lange spielen die Söhne in der Jugend für den FV, dann zieht es sie zum DFB-Stützpunkt nach Solnhofen. Die beiden Mittelfeldspieler haben Talent, verschreiben sich ganz dem Sport. „Eigentlich habe ich mein ganzes Leben nichts anderes gemacht, als Fußball zu spielen“, sagt Luca rückblickend.

Verletzung ohne Grund

Doch schon mit 16 deutet sich an, dass sein Knie den Belastungen womöglich nicht standhalten könnte. Im Trikot des TSV 1860 Weißenburg zieht er sich einen Haarriss in der Kniescheibe zu. Nicht einmal zwei Jahre später, mittlerweile spielt er wieder in Dittenheim, folgt bei einem Vorbereitungsspiel der erste Kreuzbandriss. „Das war in Meitingen“, erinnert er sich. „Die waren deutlich besser als wir und wir wollten körperlich dagegenhalten.“

In einem Zweikampf passiert es dann, ohne klar ersichtlichen Grund. Es folgen eine Operation, eine lange Pause und nach dem Comeback exakt neun Ligaspiele. Dann geben die Kreuzbänder zum zweiten Mal nach. Im Heimspiel gegen die Sportfreunde Dinkelsbühl knickt ihm bei einem Torschuss das Standbein weg (siehe Foto). Diesmal dauert es noch länger bis er wieder auf dem Rasen steht. Für diese eine verhängnisvolle Einheit im Juni 2020. „Die Ärzte wussten auch nicht mehr genau, was man noch machen kann“, sagt Metz. Auffällig ist aber, dass Bruder Philipp, ebenfalls im gelb-schwarzen Trikot des FV unterwegs, fast zeitgleich dasselbe Schicksal ereilt. Und auch die Mutter hat bereits zwei Kreuzbandrisse hinter sich. Von seinem ehemaligen Stützpunkt-Trainer Franz Wokon bekommt Luca den Tipp, sich an den Straubinger Chirurgen Michael Strobel zu wenden. Der Mediziner gilt als Kniespezialist mit internationalem Renommee. Und er präsentiert eine mögliche Erklärung für die mangelnde Stabilität im Knie: eine Fehlstellung, die operativ behoben werden muss. Das ist inzwischen passiert, am Klinikum der Sozialstiftung in Bamberg. „Es fühlt sich jetzt schon alles stabiler an, obwohl ich noch kein neues Kreuzband habe“, erzählt der 21-Jährige. Gegen Ende des Jahres wird sein Weg nach Straubing führen, wo Strobel neue Bänder einsetzen will. Die Hoffnung, irgendwann doch wieder Fußball spielen zu können – noch ist sie nicht ganz zerstört.

Anders bei Bruder Philipp. Nach zwei Kreuzbandrissen ist bei ihm auch der Meniskus massiv geschädigt. „Ich muss froh sein, wenn der überhaupt hält“, sagt er. „Die Ärzte haben gemeint, wenn ich nicht schon mit 30 ein künstliches Kniegelenk will, soll ich das mit dem Fußball lieber lassen.“ Daran hält er sich. Auch wenn es nicht leicht ist. Erst vergangene Woche hat er im Training der U13 ganz vorsichtig ein paar Bälle gespielt. „Da fängt das Vermissen wieder an“, sagt er. Nicht mehr Fußball spielen zu können, das sei für ihn und seinen Bruder eigentlich das Schlimmste, das ihnen passieren konnte. Es hat ihren gemeinsamen Lebenstraum zerstört: zusammen für die erste Mannschaft des FV Dittenheim aufzulaufen. Nur ein einziges Mal hat das geklappt. In einem Freundschaftsspiel.

In Zukunft Tennis?

Der Gedanke daran, dass das nie wieder passieren wird, hat Philipp lange verfolgt. Manchmal tut er es noch immer. „Das geht einem schon auch mal nachts nach.“ Weil Fußball für die beiden Brüder eben weit mehr ist als nur Sport. Die Verbundenheit mit der Mannschaft, die Siegesfeiern, der Applaus der Zuschauer – das löst Emotionen aus, die man abseits des Platzes kaum durchleben kann.

Die Brüder haben ein enges Verhältnis, sind einander die besten Freunde. Ihre Interessen, ihre Gefühle, ihre Sicht auf den Sport waren schon immer sehr ähnlich. „Das hilft natürlich“, sagt Luca. „Wir konnten uns gegenseitig aus dem Loch ziehen.“ Trotzdem stellt sich Luca, der als Verwaltungsangestellter im Landratsamt arbeitet, oft die Frage, wie es ohne die Verletzungen gelaufen wäre. Ob er einen Stammplatz hätte? Vielleicht sogar zusammen mit Philipp? „Meinem Bruder und mir ist es sehr schwergefallen zu akzeptieren, dass wir eigentlich nie eine Chance hatten, uns im Herrenbereich zu beweisen.“ Zumindest für Luca könnte es aber doch noch klappen – bei optimalem Heilungsverlauf. Aber die vielen Rückschläge haben ihn vorsichtig werden lassen. „Wenn es den kleinsten Zweifel an der Stabilität des Knies gibt, werde ich es lassen“, legt er sich fest.

Vielleicht ist dann Tennis eine Alternative. Schon jetzt spielt er manchmal ein paar Bälle übers Netz, so schonend wie möglich. Bankkaufmann Philipp macht das seit längerem regelmäßig. Sein Knie toleriert den Bewegungsablauf im Tennis besser. Der Boden ist eben, es gibt keine Stollenschuhe, die sich im Erdreich verfangen können. Es scheint, als habe er einen neuen Sport für sich gefunden. Natürlich kann er das mit dem Fußball trotzdem nicht ganz lassen. Inzwischen ist er Teammanager in Dittenheim, kümmert sich um Kaderplanung, Vorbereitungsspiele und die Organisation der Heimspiele. Am Spielfeldrand wird man ihn also auch in Zukunft sehen. Sicher auch zusammen mit Luca. Obwohl das Zuschauen schmerzt. Das Knie tut zwar nicht weh dabei, die Seele aber schon ein bisschen.

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