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SC Feucht geht mit Zuversicht in die Bayernliga

Bayernliga Nord

Geschichten rund um den Fußball kann Manfred Kreuzer viele erzählen. Der 74-Jährige hat mit dem SC Feucht gute wie schlechte Zeiten erlebt. Ohne ihn gäbe es den Verein wahrscheinlich schon nicht mehr. Nun ist der Sportclub nach einem recht souveränen Landesliga-Jahr zurück in der Bayernliga. Wir sprachen mit dem in Österreich geborenen Fußballfachmann über den Aufstieg auf dem Papier, was Kontinuität im Sport wert sein kann, und wagen einen Ausblick auf die neue Spielzeit.

Schon seit 1985 in verschiedenen Tätigkeiten in Diensten des Sportclubs in Feucht: Für Manfred Kreuzer ist das Waldstadion längst so etwas wie seine zweite Heimat. 

 / © Sportfoto Zink

Hallo Herr Kreuzer, stören wir gerade, oder sind die Vorbereitungen auf die neue Bayernliga-Saison bereits abgeschlossen?

Wir haben schon die ersten drei Wochen hinter uns, am 25.Mai haben wir ja begonnen. Die Vorbereitungen sind so gut wie abgeschlossen.

Nicht wenige Vereinsvertreter rümpfen ob der Entscheidung in Sachen Auf- und Abstieg über die Quotienten-Regel die Nase. Verstehen Sie die Vorbehalte, und ist Feucht für Sie uneingeschränkt ein würdiger Meister?

Das sind wir. Wir hatten ja noch ein Spiel weniger als die Konkurrenten, aber selbst ohne diese drei Punkte hätten wir dann Minimum zehn Punkte Vorsprung gehabt. An unserer Meisterschaft wäre nicht mehr gerüttelt worden.

Aber fühlt sich so ein Aufstieg auf dem Papier nicht doch irgendwie komisch an? Ohne Bierdusche, ohne sich in den Armen zu liegen?

Mit Emotion hat das nichts mehr zu tun, stimmt. Aber es ist eben jetzt so. Wir hatten auch schon andere Aufstiege, bei denen du in den letzten fünf Minuten im Heimspiel den unbedingt nötigen Punkt noch holst. Da ist eine Aufstiegsfeier natürlich ganz etwas anderes (lacht). Wir hatten uns schon auf den Aufstieg eingestellt. Ein kurze Ansprache gab es, das war es dann.

Irgendwie traurig ...

Wir werden schon ein klein bisschen nachfeiern. Am 10. Juli bei unserem Heimspiel werden wir das Hundert-Jahr-Jubiläum des Vereins kurz streifen und den Aufstieg noch etwas feiern. Aber sonst ist da nichts mehr, der Aufstieg ist ja schon Geschichte.

Den vier Abgängen stehen mit Max Hering aus Stadeln und Gabriel Jessen von Eintracht Bamberg lediglich zwei neue Gesichter gegenüber. Warum herrscht so wenig Bewegung im Kader?

Wir hatten schon einen guten Kader mit Bayernliga-Niveau, und jetzt haben wir um zwei Mann reduziert. Die beiden Neuzugänge decken Positionen ab, auf denen wir gemeint haben, das wir uns verbessern können.

18 Feldspieler plus drei Torhüter, reicht das, um in der Bayernliga zu bestehen?

Die Planung ist mit 18 Mann eigentlich abgeschlossen. Aber man soll nie nie sagen, wenn ein, zwei starke Spieler zu haben wären, könnten wir nochmal nachdenken. Meiner Erfahrung nach funktioniert alles umso besser, je kleiner der Kader ist. Wir haben Wert darauf gelegt, dass alle 18 Feldspieler ausnahmslos bayernligatauglich sind. Da nützt es nichts, wenn man 25 Spieler hat, und die Hälfte kommt nicht zum Spielen. Das sorgt nur für Unruhe und ist in so einer Aufstiegssaison nicht förderlich.

Vorsitzender, Sponsor, Teammanager – bis auf Trainer waren Sie quasi schon alles in Feucht. Wie könnte man Ihre Rolle beim SC Feucht beschreiben?

Meine Rolle? Ich will mich nicht rausstellen, ich war immer Teil der Mannschaft und der Belegschaft. Die letzten 35 Jahre habe ich dem SC Feucht schon sehr geholfen, sagen wir mal so. Im kleinen Kreis haben wir den Verein gut durch die Zeit gebracht.

Wie viel Mitbestimmungsrecht hat Trainer Florian Schlicker bei der Kaderplanung?

Da wird alles besprochen, grundsätzlich alles. Es wird nichts ohne seine Zustimmung gemacht. Wir haben uns zuvor darüber unterhalten, wer in der Bayernliga wohl auf wenig Spielpraxis kommen wird oder nicht mehr so steigerungsfähig ist, und danach haben wir entschieden.

Kontinuität ist also ein großes Thema. Ist das Ihren Erfahrungen geschuldet, oder hat es sich gerade angeboten?

Nein, das hat schon die Erfahrung mitgebracht. Man kann es nie ganz steuern. Im Regelfall hast du immer eine Fluktuation von sechs, sieben, acht Spielern von der Nummer 14 an. Die letzten zwei Jahre haben wir eine extrem gute Mannschaft mit einem starken Kern zusammenbekommen. Das ist auch dem Trainer geschuldet und seiner vorherigen Tätigkeit in Seligenporten.

Wie wichtig ist denn dann Kontinuität?

Ganz, ganz wichtig. Es ist ein Unterschied, ob ich mit einer neuen Mannschaft in die Saison starte in einer Liga, die sowieso 20, 30 Prozent stärker ist als die Landesliga. Wenn ich eingespielt bin, darf man die Hoffnung haben, gleich von Anfang an Punkte zu machen und sich nicht erst einspielen zu müssen. Startest du mit einer Negativserie, verlierst vier-, fünfmal, bist du gleich hinten drin – das wollen wir vermeiden.

Wie viel Kredit hätte Florian Schlicker bei einem Fehlstart in die neue Liga?

Mit Dieter Nüssing als Trainer (1997/98, Anmerkung der Redaktion) haben wir elf Spiele am Stück nicht gewonnen, und wir haben nichts verändert und die Liga dennoch gehalten. Wenn ich merke, dass etwas nichts mit dem Trainer zu tun hat, zieht man eine Saison durch. Ich habe noch nie einen Trainer vorzeitig entlassen. Selbst bei Abstiegen nicht. Da geht man durch dick und dünn.

Nach langer Pause hat der Trainingsbetrieb begonnen – musste jeder Spieler wieder bei Null anfangen, oder war die Mannschaft fleißig?

Ich bin völlig überrascht, wie gut die Jungs schon drauf sind. Wir trainieren jetzt seit 25. Mai, zehn Einheiten, die Spieler haben immer etwas gearbeitet. Dank der Laufprogramme haben sie eine super Grundfitness. Jetzt geht es um die fußballerischen Geschichten. Aber das ist wie Radfahren, das ist schnell wieder da.

Wie haben Sie die Rolle des Verbandes in der Pandemie wahrgenommen?

(Lacht) Der war so abgetaucht wie wir und war ganz solidarisch mit uns.

Hätten Sie mehr Druck auf die Regierungsstellen erwartet?

Das hätte nicht schaden können. Aber man weiß doch, wie es ist mit München. Der BFV wird einen Teufel tun und es sich mit der Regierung verscherzen.

Auf die Bayernliga-Vertreter hätte ein neuer Modus zukommen können. Für welche Spielform haben Sie sich ausgesprochen, klassisch oder zweigeteilt mit Auf- und Abstiegsrunde?

Die klassische Variante mit 18 Teams, Hin- und Rückrunde. Eben so, wie wir bisher gespielt haben. Ohne die Aufteilung in zwei Gruppen. Die Alternativen haben schon etwas Charme, haben sich mir aber nicht ganz erschlossen. Die Reform ist doch eine Doktorarbeit, das musst du den Zuschauern erst einmal erklären. Den Durchschnittszuschauer interessieren doch keine Bonuspunkte, der muss mitrechnen und erkennen können, was Sache ist. Man muss den Fußball nicht unnötig komplizieren.

Die ersten Testspiele sind bereits vereinbart. Am 20. Juni gegen die U19 des 1. FC Nürnberg, am 26. Juni gegen Landesliga-Favorit TSV Kornburg. Ist das ein Mix aus Aufwärmprogramm und Härtetest?

Wir wollen gegen gute Mannschaften spielen. Auch unsere eingespielte Mannschaft braucht Gradmesser.

2005 zog sich Feucht nach zwei Jahren aus der damals drittklassigen Regionalliga zurück. Denken Sie mit Wehmut zurück, und ist das Kapitel professioneller Fußball in Feucht abgeschlossen?

Das ist abgeschlossen, selbstverständlich. Sportlich wären wir locker drin geblieben, wir haben zurückgezogen, weil es keinen Sinn macht, wenn du so wenig Zuschauer hast – trotz guter Leistungen. Andere Teams wie Offenbach oder Erfurt hatten 6000 Zuschauer im Schnitt. Wir 180 in der Rückrunde. Da hat es mir gereicht.

Nach drei Jahren in der Landesliga geht es nun zurück in die Bayernliga. Zuletzt blieb man da von 2015 bis 2017. Muss man sich Gedanken um eine Fahrstuhlmannschaft machen?

Das ist ganz weit weg, würde aber nichts ausmachen. Wer nicht absteigt, kann auch nicht mehr aufsteigen. Wir leben nicht davon, wir machen das aus Spaß.

Wo sehen Sie Ihr Team am Ende der bevorstehenden Saison?

Ich hoffe, wir landen unter den ersten Zehn, damit wären wir zufrieden.

TopTen klingt stark nach Understatement ...

Soll ich jetzt vom Aufstieg reden?

Herr Kreuzer, hauen Sie doch mal einen raus ...

Ein bissl Luft nach oben braucht man doch noch für später.

Sie sind jetzt 74 und seit mehr als drei Jahrzehnten im Fußball tätig. Golfspielen reizt Sie nicht?

Na, na (lacht). So viel Talent habe ich nicht. So, wie es ist, ist es schon richtig.

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