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SpVgg Jahn Forchheim
TSV Aubstadt
15.
30.
45.
60.
75.
90.

Der 6:1-Derbyerfolg beim ATSV Erlangen soll für die Fußballer der SpVgg Jahn in der Bayernliga den Anfang eines Aufschwungs markieren, um die hinteren Plätze zu verlassen. Vor dem Kräftemessen am Samstag (15 Uhr) zu Hause mit dem drittplatzierten TSV Aubstadt speist sich die neue Zuversicht auch aus der Rückkehr von Stürmer David Mai. Die Partie ist beim Stand von 4:1 und einer Überzahl quasi entschieden, als ein weiterer Treffer außergewöhnliche Emotionen auf Forchheimer Seite freisetzt. Weit bemerkenswerter als die kurze Zeitspanne von 300 Sekunden, die David Mai nach seiner Einwechslung und einem Querpass von Kollege Jens Wartenfelser zum Treffer benötigt, erzählt sich die persönliche Geschichte des Spielers. Über ein Jahr musste der 23-Jährige aufgrund einer Herzmuskelerkrankung pausieren, die vermutlich nach einer verschleppten Erkältung in der Saisonvorbereitung 2017 auftrat. Das leicht mit der Innenseite erzielte Tor zum Comeback lässt die Gefühle überschäumen, Mai sinkt auf die Knie, ehe die gesamte Mannschaft eine Jubeltraube um ihn bildet. „Einfach pure Erleichterung. Nicht zu beschreiben. Gänsehaut pur. So erträumt man sich das“, sprudeln auch ein paar Tage später noch die adrenalingeschwängerten Gedanken aus dem Stürmer heraus. „Schon 30 Meter vor dem Tor habe ich geschrien, damit Jens mich sieht.“ Dabei kam der Einsatz „eigentlich ziemlich ungeplant“, verrät David Mai, der nach einem dreiwöchigen Urlaub erst wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert hatte. Bei der überraschenden Nominierung für den Kader gegen den ATSV Erlangen versprach sich der 23-Jährige zunächst gar keine Spielpraxis. Kurz bevor er dann doch den Platz betreten durfte, verspürte er „einfach Freude und Dankbarkeit, wieder mit den Jungs zusammen auf dem Feld zu stehen.“ Denn die Zeit der Genesung zuvor war mit Rückschlägen verbunden. Erst seit April geht es körperlich und vor allem mental aufwärts, wobei manche Schwindelattacke zum neuen Alltag gehört. Aus diesen Erfahrungen heraus will der Erlanger, der vom Arzt grünes Licht für die Fußballbelastung bekommen hat, trotzdem in nächster Zeit nichts überstürzen. „Klar habe ich nach dem geilen Einstand Blut geleckt. Aber es dauert, bis ich wieder voll auf einem Top-Level bin.“ Der schmerzlich antrainierten Geduld seines Schützlings muss sich auch Trainer Christian Springer fügen, der die Qualitäten eines David Mai lieber früher als später gebrauchen könnte. Beim Jahn hofften sie noch vor dem Ende der abgelaufenen Runde auf die Rückkehr. „Mir fällt es schwer, ihm zu widersprechen. Ich versuche stets ehrlich damit umzugehen, wie weit ich mich sehe“, gibt Mai Einblick in den Austausch mit Springer. Der wiederum ergänzt: „Für ihn ist es wichtig, seinem Körper zu vertrauen. Das Tempo bestimmt er allein, so war es von Beginn an ausgemacht.“ Während bei David Mai bis zur Winterpause von Woche zu Woche entschieden wird, dürfte für die gesamte Mannschaft ein ähnlicher Kurs gelten. „Dass der Derby-Sieg uns einen Schub gibt“, hofft der Offensivmann, der am Wochenende zum zweiten Mal im Kader steht. Derweil fällt André Jerundow, der nach einem Foul durch die Einwechslung Mais ersetzt wurde, mit einer Knochenabsplitterung im Knöchel länger aus. Für Jerundow rückt wohl David Mais Bruder Patrick wieder in die Innenverteidigung neben Daniel Uttinger. Statt sich bei der Suche nach stabilisierenden Maßnahmen einer anfälligen Defensive aufzureiben, plädiert David Mai für einen platonischeren Ansatz. „Wir spielen in der Regel gerne offensiv. Deswegen kracht es hinten bei zu vielen individuellen Fehlern momentan. Was uns aber in den vergangenen Spielen auch etwas gefehlt und eben in den letzten zwei Jahren stark gemacht hat, war die mannschaftliche Geschlossenheit.“ Darauf komme es vor allem in den anstehenden Partien gegen die direkte Konkurrenz aus dem Tabellenkeller an. „Aubstadt ist momentan nicht der Maßstab“, sagt David Mai. Dass sich Maßstäbe jedoch bisweilen verschieben lassen, beweist sein vorzeitiges Comeback vielleicht am besten. KEVIN GUDD