Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

"Tag des Ehrenamts": Harte Zeiten für Ikonen

Ehrungen

Ohne ehrenamtlich Tätige würden die Fußballfelder der Vereine mit Sicherheit ziemlich leer aussehen. Egal ob Trainer, Schiedsrichter oder Pressesprecher – viele dieser freiwilligen Ämter tragen dazu bei, dass die Sportler ordentlich kicken können. Auch das Waschen der Trikots und die Mannschaftsversorgung müssen sichergestellt sein. Dieses Engagement wurde nun vom Bayerischen Fußball-Verband beim „Tag des Ehrenamts im BFV“ mit allerhand Auszeichnungen gewürdigt. Dabei hagelte es viel Lob aber auch die eine oder andere Kritik.

Opfern viel Freizeit, um den Fußball-Betrieb aufrecht zu erhalten: Die Geehrten aus dem Landkreis Roth. 

 / © Yevheniia Frömter

Der Rother Landrat Herbert Eckstein attestierte beispielsweise, dass Vereinstreue und die klassische Vereinsbindung immer mehr an Bedeutung verlieren würden. Zwar finde man immer wieder Menschen, die sich diversen Projekten verschreiben würden, „doch es mangelt an Dauerhaftigkeit“. Die Zeiten, in denen man Ikonen wie Franz Beckenbauer auf der Straße begegnete, seien endgültig vorbei. Vielmehr würden sich Fußball- Profis immer mehr von der Öffentlichkeit distanzieren und nur noch an ihr „Millioneneinkommen“ denken.

Auf der anderen Seite habe der Landrat auch beobachtet, dass viele Fans das „Produkt Fußball“ lieber vor dem Fernseher konsumieren, als beim Verein um die Ecke vorbeizusehen. Diese Entwicklung bedauert Eckstein sehr: „Es fehlt heutzutage an Idolen. Spieler aus der Region genießen Seltenheitswert.“ Sich über diesen Trend in der Gesellschaft zu beklagen, nütze allerdings nichts: „Wer jammert, bekommt keinen Besuch.“ Als Schirmherr des Ehrenabends lobte er deshalb besonders den Einsatz der Ehrenamtlichen: „Danke für diese Verantwortung. Die Auszeichnungen sind wohl verdient.“ Robert Hoiten vom Bayerischen Fußballverband beklagte darüber hinaus, dass in vielen Vereinen zu wenig für freiwillige Helfer getan werde. Es fehle an Würdigung des Ehrenamts, wodurch es an Nachwuchs mangeln würde. Teilweise seien die Vereine daran „selbst schuld“, da es nicht einmal Ehrenamtsbeauftragte gebe: „Das muss unbedingt angeschoben werden.“

 „Das Ehrenamt wird nicht so klein geschrieben, wie es scheint“, räumte Dieter Habermann ein: „Das Ehrenamt macht Spaß, nehmt daran teil und packt mit an“, motivierte der Bezirksvorsitzende. Dennoch suche man händeringend nach neuen Mitgliedern für den BFV. Derzeit beschäftige er 123 Verbandsmitglieder: „Alle sind motiviert und leisten ihren Beitrag. Wir sind stolz, dass alles so gut funktioniert.“ Dank hierfür gab es auch vom Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer: „Es ist großartig, dass sich das große Rad dreht.“ Bezirksehrenamtsreferent Stefan Merkel schlug in die gleiche Kerbe: „Ohne Ehrenamt geht es in den Vereinen nicht.“ Dem Wandel in der Gesellschaft müsse man sich aktiv stellen – allerdings werde es nie wieder so werden, wie noch vor 20 Jahren. Merkel ist der Meinung: „Ehrenamt lohnt sich.“ Diese Aussage kann Kreis-Ehrenamtsbeauftragter Mike Schrödel-Imhof nur bestätigen: „Mein Ehrenamt hat mir sehr viel gebracht, nicht zuletzt in meinem Berufsleben.“ In seiner sechsjährigen Amtszeit als Ehrenamtsbeauftragter besuchte er weit über 250 Veranstaltungen – dabei habe er eine Menge mitbekommen: „Eine solche Arbeit stärkt Selbstbewusstsein, Wirken und Auftreten. Eine schöne Sache.“

Nach einem reichhaltigen Buffet nahmen zahlreiche Männer und Frauen unter großem Beifall Urkunden, Dankschreiben und Preise entgegen. Allen voran Admir Viden vom TSV Berching, der sowohl als Kreis- sowie Bayernsieger den Ehrenamtspreis vom Deutschen Fußballbund überreicht bekam. Für Bürgermeister Ludwig Eisenreich ist Viden eine Bereicherung und große Hilfe für die Gesellschaft in Berching: „Admir lebt für das Ehrenamt.“ Die höchste Auszeichnung, die an Vereinsfunktionäre verliehen werden kann, ging an Heidemarie Böhme vom SV Penzendorf. Bereits seit 1973 sei der Sportplatz ihre zweite Heimat, erklärte Dieter Habermann vom BFV: „Eine richtige Persönlichkeit und Institution für den SV Penzendorf.“ Auch jüngere Aktive durften sich über Aufmerksamkeit freuen. Der 29-jährige Patrick Blank vom SC Pollanten ist beispielsweise zum „DFB-Fußballhelden“ gekürt worden. Dieser Preis soll junge Menschen dazu animieren, sich mehr in Vereinen zu integrieren: „Patrick ist ein junger und engagierter Mensch, der das Vereinsleben vorantreibt“, so BFV-Mitglied Felix Böck.

Langjährige Vereinsarbeit ist ebenfalls belohnt worden – und zwar mit dem „Gütesiegel des BFV“. Die goldene Raute mit Ähre ziert fortan die Vereinsheime des SC Pollanten und dem FSV Berngau. Für „besonderes Engagement in der Vereinskultur“ erhielten Christian Fitzner (FC Altenmuhr), Norbert Klarer (SV Unterreichenbach), Bernd Schrödel (SV Pfaffenhofen) und Jessica Plätzold (TSV Wolfstein) jeweils ein Dankschreiben des BFV.

Unter großem Applaus durfte sich Hans Jäger aus Dietfurt über eine DFBUhr nebst „Urkunde für einen Funktionär“ freuen. Seit 51 Jahren zeige Jäger unermüdlichen Einsatz im Ehrenamt. Für den BFV sei er bei der Verbandsgründung eine treibende Kraft gewesen und würde auch heute noch zu keiner Aufgabe „Nein“ sagen.


Mit DFB-Uhren mit Urkunden wurden darüber hinaus geehrt: Andreas Gast (DJK Pilsach), Reinhold Höppler (DJK Fiegenstall), Jürgen Walter (TSV Wolfstein), Sven Kieslich (1. FC Gunzenhauen), Hans Böhm (SC Pollanten), Jens Schmeißer (TSV Röttenbach, St. Wolfgang), Thomas Banik (SV Leerstetten), Georg Beil (FC Kalbensteinberg), Dieter Siol (TSV 1860 Weißenburg), Harald Grollmisch (DJK Schwabach), Albert Kerl (TSV Meckenhausen), Werner Schmid (Berngau), Ernst Leimböck (TSV Eysölden), Andreas Stigler (1. FC Neumarkt- Süd), Christine Zwickel (TSV Mörsdorf), Kerstin Wurm (SpVgg Reichertshofen), Christa Spachmüller (SV Kammerstein), Gisela Vogel (SV Pfaffenhofen), Helga Weichselbaum (Eintracht Kattenhochstatt).