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Alfons Forstner: Die Tormaschine aus Röttenbach

Rückblick

Der ehemalige Röttenbacher Torjäger Alfons Forstner feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Der langjährige Grundschul-Hausmeister war bei seinem Heimatverein zudem als Spielertrainer, Jugendtrainer, Vereinsvorsitzender und Sportheimwirt im Einsatz.

Das Jubeln konnte er besonders gut: Alfons Forstner, der kürzlich seinen 60. Geburtstag feierte.

 / © TSV Röttenbach / privat

Wenn ein Fußball-Nostalgiker an Max Morlock denkt, hat er gleichzeitig den 1. FC Nürnberg im Blick. Mit Uwe Seeler und dem Hamburger SV oder Fritz Walter und dem 1. FC Kaiserslautern verhält es sich nicht anders. Herausragende Fußballer, die zudem ein ganzes Sportlerleben lang ihrem Heimatverein treu blieben, wurden zu Idolen beziehungsweise zum Gesicht eines Fußballklubs.

Ein Phänomen, das sich nicht nur auf die große Bühne des Fußballs beschränkt. Auch im Amateurfußball gab es überragende Spieler, für die die Vereinstreue weit mehr zählte, als einige Mark, die es möglicherweise in der Fremde zu verdienen gab. Fast jeder Verein hatte sein sportliches Aushängeschild. In Büchenbach beispielsweise wird man den Fußball vergangener Tage in der Regel mit Matthias Heyder in Verbindung bringen. In Georgensgmünd war es Paul Schmidl, um den sich das Spiel drehte. Spalt hatte einen Max Ammon, der SV Pfaffenhofen Günther Vogel und die SpVgg Roth Otto Schart. Der TSV Rittersbach wiederum wurde lange Jahre geprägt von der Schusskraft eines Horst "Kickers" Hilbert. Eine Liste, die sich beliebig fortsetzen ließe.

Ein Paradebeispiel für sportliche Klasse in Verbindung mit Vereinstreue lieferten in den Siebziger- und Achtzigerjahren mit Alfons Forstner der Torjäger des TSV Röttenbach. In seiner aktiven Zeit zwischen 1972 und 1994 erzielte Alfons Forstner in rund 800 Spielen nicht weniger als 1100 Tore. Der Durchschnitt pro Saison lag bei rund 50 Treffern. Klar, dass Forstner die Angebote, den Verein zu wechseln, nur so ins Haus flatterten. "Klubs von Nürnberg bis Treuchtlingen standen bei mir auf der Matte", erinnert sich Forstner. "Doch die Kameradschaft in Röttenbach wog für mich mehr." Beruflich hatte sich der gebürtige Röttenbacher ebenfalls an seine Heimatgemeinde gebunden. Seit 33 Jahren bereits fungiert er an der Grundschule als Hausmeister. Dass ihm der Umgang mit jungen Menschen Spaß macht, zeigt er nach seiner aktiven Zeit auch als Nachwuchstrainer im TSV, bei dem er zuvor das Herrenteam auf Vordermann gebracht hatte. Wie sehr Forstner nach wie vor mit seinem Stammverein verwurzelt ist, verdeutlicht sein 16-jähriges Engagement als 2. Vorsitzender und die Zeit als Vereinswirt im Sportheim. Am Montag durfte er sich auf viele Gratulanten freuen, denen wie ihm der Verein am Herzen liegt. Der wohl erfolgreichste Torjäger im ehemaligen Fußballkreis Jura wurde 60.

Bester Torschütze im Abstiegsjahr

In seiner aktiven Zeit hatte Alfons Forstner die bislang beste Phase der Röttenbacher Fußballer geprägt. Von 1983 bis 1990, und damit sieben Spielzeiten lang, zog die Forstner-Elf im Jura-Oberhaus ihre Kreise. In dieser Zeit ging die Torjäger-Krone der Kreisliga Jura (die damals noch als A-Klasse firmierte) stets an den gleichen Spieler: Alfons Forstner. Selbst in jener Saison, in der die Röttenbacher unter dramatischen Umständen absteigen mussten, traf kein Spieler im Kreis Jura öfter ins Schwarze als Alfons Forstner.

"Die Jahre im Kreis-Oberhaus waren unsere schönste Zeit in Röttenbach", schwärmt Alfons Forstner heute noch von den sieben Kreisliga-Jahren. "Die Kameradschaft hätte nicht besser sein können." Aber auch die Umstände der Aufstiegs- und Abstiegsentscheidung mit Röttenbach waren außergewöhnlich. Mehr Dramatik ging kaum.

Beispielsweise im Aufstiegsjahr 1983. Die Mannschaft von Spielleiter Hans Werzinger und Spielertrainer Peter Schmitzer hatte sich als Kreisklassen-Vizemeister für die Kreisliga-Relegation qualifiziert. Als Röttenbach in Stirn gegen den FC Pleinfeld ein wenig unglücklich mit 1:2 unterlag, schien alles verloren. Pleinfeld dagegen bekam zwei Chancen, den Sack zuzumachen. Verlor aber sowohl gegen Döckingen (1:2) als auch nach Elfmeterschießen gegen Geilsheim. Da aber gleichzeitig Dittenheim den Bezirksliga-Erhalt schaffte, war in der Kreisliga ein zusätzlicher Platz frei. Um den spielten vor gut 800 Zuschauern in Heideck der FC Pleinfeld und TSV Röttenbach. Am Ende bejubelte Röttenbach einen spektakulären 5:3-Sieg. Für das entscheidende fünfte Tor zeichnete Alfons Forstner verantwortlich. Die Fäden im Röttenbacher Spiel zog damals der bereits 37-jährige Peter Schmitzer, der als Spielertrainer vier Jahre zuvor schon den TSV in die Kreisklasse gehievt hatte.

Sechs Kreisliga-Jahre später hieß der Trainer Gerhard Regnet. Im letzten Pflichtspiel hatte sich Forstner beim 5:2 gegen die DJK Abenberg mit vier Toren doch noch die schon verloren geglaubte Torjäger-Krone gesichert und zudem seiner Mannschaft die Chance eröffnet, in der Relegation den drohenden Abstieg abzuwenden. Was in Wassermungenau mit einem 3:1 (1:1, 0:1)-Sieg nach Verlängerung gegen den FC Kalbensteinberg dann auch gelang. Eine Saison später machte es Röttenbach noch spannender. Im letzten Rundenspiel in Kornburg verhinderte ein Forstner-Tor in der 89. Minute zum 2:2-Ausgleich den Direktabstieg. Ein Entscheidungsspiel gegen den punktgleichen TSV Georgensgmünd um die Teilnahme an der Relegationsrunde war die Folge. 700 Zuschauer erlebten in Stirn einen Röttenbacher 5:3-Sieg nach Verlängerung und Elfmeterschießen.

Für Georgensgmünd, Gründungsmitglied der Jura-Kreisliga, bedeutete das 3:5 den ersten Abstieg überhaupt. Röttenbach musste gegen den FC Geilsheim ran, der sich in diesem Duell mit dem 2:2 in der dritten Nachspielminute in die Verlängerung rettete. Als Forstner per Elfmeter das 4:3-Siegtor gelang, standen nach drei Platzverweisen nur noch 17 Feldspieler auf dem Platz. Das nun alles entscheidende Spiel zwischen dem aufstrebenden FC Kammerstein und dem TSV Röttenbach lockte rund 900 Zuschauer nach Eckersmühlen, die einen 120-minütigen Fight (2:2) samt einem turbulenten Elfmeterschießen erlebten. Diesmal ließen die mit 4:5 besiegten Röttenbacher Kicker die Köpfe hängen. Immerhin: Der Absteiger aus Röttenbach stellte mit dem insgesamt 39-mal erfolgreichen Alfons Forstner ein weiteres Mal den Torschützenkönig der Kreisliga Jura.

Ein Abstecher nach Rothaurach

Erst als (Spieler-)Trainer wechselte der Röttenbacher das erste und einzige Mal die Farben. Die fünf ("schönen") Jahre in Rothaurach möchte er nicht missen, auch wenn er nach dem prompten Aufstieg in die Kreisklasse am möglichen Durchmarsch in die Kreisliga nur knapp gescheitert war.

Dass Alfons Forstner zu seinem Heimatverein zurückkehren würde, stand außer Frage. Als Trainer holte er den TSV Röttenbach, der zwischenzeitlich in der untersten Klasse bis auf den letzten Platz abgerutscht war, wieder aus der Versenkung. Mit ihm als Spielertrainer gelang auf Anhieb die Rückkehr in die Kreisklasse. Mit 44 bestritt er schließlich sein letztes Pflichtspiel. Als sein Sohn sich mit dem Fußball anfreundete, war Alfons Forstner als F-Jugend-Trainer mit von der Partie. Seine Aufbauarbeit zahlte sich aus. Als C-Jugend stieg sein Team mit einem Sieg im Entscheidungsspiel gegen den SC Schwabach in die Kreisliga auf. Und in der aufgrund der Corona-Krise unterbrochenen Saison steht genau diese Generation vor dem Aufstieg in die Kreisliga. Wenn sich womöglich jetzt ein Kreis schließt, wäre dies für Alfons Forstner ein weiter Beleg dafür, dass er in seinem Sportlerleben alles richtig gemacht hat.