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Höhenbergs Daniel Tempcke: "Nun haben wir die zweitbeste Lösung"

Kreisklasse Ost

Zwar ruht der Spielbetrieb noch bis mindestens September, aber neue Beschlüsse und Verordnungen sorgen dennoch immer wieder für tagesaktuelle Ereignisse und Veränderungen. Zuletzt waren dies die Beschlüsse zur Regelung von Vereinswechseln und die Entscheidung des BFV, die Spielzeit 2020/21 komplett ausfallen zu lassen. Wir haben uns zu diesen Themen stellvertretend bei drei Vereinen der Kreisklasse Ost umgehört.

Hätte sich vom BFV mehr Mut gewünscht: Daniel Tempcke (links), Spielertrainer beim SV Höhenberg

 / © Edgar Pfrogner

"Aus der Saison 2020/2021 wird nun eben die Saison 2019/21", so Daniel Tempcke, Spielertrainer des SV Höhenberg. Er selbst hätte einen klaren Cut, sprich Saisonabbruch favorisiert. Der BFV hätte aus seiner Sicht "weniger ängstlich im Umgang mit möglichen Einsprüchen oder Klagen seitens der Vereine sein sollen. Aber so haben wir eben nun die zweitbeste Lösung", führt Tempcke weiter aus. Auf jeden Fall "jucke" es die Spieler schon wieder in den Beinen. Zu Beginn der Coronakrise versuchten die Höhenberger mit eine Challenge die Motivation hochzuhalten – was laut den Worten des Spielertrainers auch gelang: "Wir hatten uns ursprünglich als Team ein Ziel von 1.400 gelaufenen Kilometern gesetzt. Am Ende kamen zwischen dem 15. März und dem Ostersonntag sogar 1.800 km zusammen." Nicht ganz unerheblich dürfte dabei wohl der ausgelobte Anreiz in Form von "Getränken und Essen" gewesen sein.

In der Phase der ersten Lockerungen für die Trainingsmaßnahmen hatte man in Höhenberg allerdings dann auf ein "Cybertraining" einmal pro Woche gesetzt: Spieler Lars Battke, der als Sportphysiotherapeut tätig ist, zeigte dabei circa eine Stunde lang online Übungen zur Stabilisation sowie für Kraft und Ausdauer. Mit den erneuten Lockerungen wird Spielertrainer Tempcke nun einmal wöchentlich am Dienstag wieder zum kontaktlosen Training mit maximal 20 Beteiligten bitten. "Hierfür hatten wir ja schon vorher ein Komzept vorgelegt und auch bewilligt bekommen", so Tempcke weiter. Richtig wieder in die Vorbereitung einsteigen wolle man aber im August, sofern dann klar sei, ob es wirklich im September weiter geht.

Zustimmung für den sportlichen Gedanken

Apropos September: Auch Höhenbergs Abteilungsleiter Andreas Beck ist gespannt, ob es bis dahin mit der Fortsetzung des Spielbetriebs klappen wird. Zur Entscheidung über Fortsetzung und Ausfall erläutert Beck weiter, dass man in Höhenberg mit der Lösung leben könne. Er sehe es jedenfalls positiv, dass nun im Endeffekt die sportlichen Leistungen über Meisterschaft und Auf- und Abstieg entscheiden werden: "Das sehe ich grundsätzlich positiv." Zur Entscheidung hinsichtlich der Regelungen für Vereinswechsel hat Beck eine differenziertere Meinung: "Sicher haben sich alle intensiver mit der Frage beschäftigt, ob und wie es weitergeht und weniger mit Vereinswechseln. Da hätte es meiner Meinung nach auch die ganz normale Regelung für Transfers zum Saisonende getan, aber immerhin herrscht nun auch in diesem Punkt Klarheit."

Eine ähnliche Sicht der Dinge vertritt der Vorstand der SpVgg FB Reichertshofen Matthias Waldmüller: "Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der BFV dazu extra eine Arbeitsgruppe einsetzen und einen Beschluss fassen musste. Wenn in der aktuellen Situation jemand an einen Vereinswechsel denkt, dann würden wir ihm natürlich keine Steine in den Weg legen", so Waldmüller weiter. "Da muss es ja dann schon länger irgendwo nicht passen, wenn jetzt einer wechseln will." Seiner Meinung nach spielen die allermeisten einfach "nur gern Fußball" und da sei es derzeit egal in welchem Verein.

Reichertshofens Spielertrainer Michael Lohse hält das Wechselmodell ein Stück weit für "Wettbewerbsverzerrung". Er sagt: "Es kann sein, dass wir die laufende Saison nun nach eigentlich beendeter Wechselfrist mit unterschiedlichen Spielern zu Ende spielen." Lohses Meinung nach hat der BFV hier keine optimale Entscheidung getroffen.

Und was sagt der Spielertrainer zur Fortsetzung der unterbrochenen Saison und Absage der Spielzeit 2020/21? "Hier hat der BFV mit der Aussage von Herrn Koch, dass die laufende Saison auf jeden Fall zu Ende gespielt wird, zu früh jegliche Optionen verbaut, und so konnte schlussendlich auch gar nicht anders entschieden werden." Seiner Einschätzung nach sei die Gefahr, im September den Spielbetrieb immer noch nicht wieder aufnehmen zu können, weiterhin gegeben, und klar gäbe es dann immer noch die Option, diese Saison im Frühjahr 2021 zu Ende zu bringen. "Mir persönlich fehlt jedoch die Motivation ein für November 2019 angesetztes Spiel im April 2021 zu spielen", so Lohse weiter.

Ein Abbruch wäre "zu kurz gegriffen"

Vorstand Waldmüller vertritt hier eine andere Meinung: "Ich finde es gut, dass die aktuelle Saison zu Ende gespielt wird und somit sportliche Aspekte zählen. Wie und wann das genau geschieht, ist völlig zweitrangig – im Vordergrund steht die Gesundheit." Ein reiner Saisonabbruch wäre aus Sicht des Vorstands "zu kurz gegriffen". Darüberhinaus könnten ganz allgemein gesehen weder der BFV noch die Vereine die Verantwortung für eine weitere Verbreitung des Virus übernehmen.

Auch beim FC Trautmannshofen spricht der zweite Vorstand und Abteilungsleiter Florian Stigler - ähnlich wie Reichertshofens Michael Lohse - von der Gefahr einer Verzerrung des sportlichen Wettbewerbs durch das Transferfenster im Juli und August: "Dieser Beschluss ermöglich es zwar, mögliche Wechsel durchzuführen, aber faktisch befinden wir uns immernoch in der Saison 2019/20."

Alexander Baumer, der als neuer Spielertrainer eigentlich für die Saison 2020/21 beim FCT vorgestellt wurde, schlägt einen ähnlichen Ton an: "Durch die geplante Wechselperiode ist eine faire Fortführung der Saison nicht gewährleistet." Natürlich stehe es aber außer Frage, dass es diese Wechselperiode aber wegen berufs- und studienbedingter Wohnortwechsel geben müsse. "Gerade in der normalen Winterpause werden ja sonst Entscheidungen getroffen, die Auswirkungen auf die kommende neue Spielzeit haben – nicht zuletzt in Sachen Motivation", so Baumer weiter. Wenn aber jetzt noch das Vetorecht des abgebenden Vereins hinzukomme, mache das die Situation nicht einfacher.

Eine Katastrophe für die Spieler

Zur Absage der Saison 2020/2021 äußert sich wiederum Abteilungsleiter Stigler wie folgt: "Die Absage ist der logische Schritt nach dem Beschluss, die Saison 2019/20 ab September fertig zu spielen. Wenn man jetzt schon liest, dass ein Restart ab September sehr unwahrscheinlich ist, lässt dies vermuten, dass der BFV von Anfang an das Ziel verfolgt hat, die Rückrunde 2019/20 erst im Frühjahr 2021 zu beenden. So hat man genug Spielraum und kann die politischen Entwicklungen in Ruhe verfolgen. Für den Amateurfußballer ist dies natürlich eine Katastrophe, im schlimmsten Fall findet ein Jahr lang kein Fußballspiel statt. Sollte es doch im September losgehen und alles gut über die Bühne gehen, ist man Mitte November mit der Saison fertig und muss dann erneut acht Monate überbrücken, in denen kein wettkampforientierter Fußball stattfinden kann."

Recht machen könne man es natürlich nie allen gleichzeitig, und unstrittig sei auch, dass die Gesundheit aller an erster Stelle stehe. "Wir hätten uns allerdings an dieser Stelle etwas mehr Mut vom BFV gewünscht", erläutert Stigler weiter. Mit Mut bezeichnet er dann konkret folgendes: In anderen Bundesländern oder europäischen Ländern ist die Saison schon längst abgebrochen, das gibt zumindest Planungssicherheit für die neue Saison. Wann immer diese auch losgehen wird, aber es wäre zumindest ein Ende und ein Neuanfang.

So vermischten sich durch das Transferfenster und dem Zuende-Spielen der Saison 2019/20 zwei Punkte, die einen sportlich fairen Wettkampf der laufenden Saison nicht mehr möglich machen. Der FC Trautmannshofen unterstützt aus diesem Grund auch die Onlinepetition von Dirk Schaefer vom FC Stein, die einen Abbruch der Saison zum Ziel hat.

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