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Pascal Schärtel: Der Abwehrfels von Absberg

Kreisliga Süd

Innenverteidiger und Trainer des TSV Absberg: Pascal Schärtel hat viel Verantwortung. Seine Erfahrungen beim 1. FC Nürnberg helfen ihm dabei.

Macht auch abseits des Fußballplatzes eine gute Figur: Pascal Schärtel nach seinem Gespräch mit dem Altmühl-Boten. Aktuell konzentriert sich der 22-Jährige auf sein Studium – für die Zukunft kann er sich aber durchaus vorstellen, wieder höherklassig zu spielen.

 / © Dominik Mayer

An eine Szene erinnert sich Pascal Schärtel noch genau. Sie ereignete sich wenige Minuten vor dem Anpfiff eines Spiels der U19 des 1. FC Nürnberg. Club-Legende Marek Mintal, damals Trainer des Nachwuchsteams, tritt aus dem Kabinentrakt. Eine Frau kommt auf ihn zu, bietet ihm lächelnd ein Stück Kuchen an. Doch Mintal lehnt höflich ab – und fügt mit ernster Miene hinzu: „Erst die Arbeit, dann der Spaß.“ Für Schärtel, der zu dieser Zeit das FCN-Trikot trug, charakterisiert diese Begegnung den einstigen Torjäger perfekt. „Mintal hat mich geprägt,“ sagt der junge Absberger. „Vor allem sein Ehrgeiz und seine Disziplin haben mich beeindruckt.“ 

Schärtel ist erst 22, hat aber trotzdem schon so viel zu erzählen, dass er kaum dazu kommt, an seiner Kaffeetasse zu nippen. Vom TSV Absberg hat er es in die Jugendabteilung des 1. FC Nürnberg geschafft – ein Schritt, von dem viele junge Kicker in der Region träumen. Inzwischen ist er zurück in der kleinen Gemeinde am Brombachsee, ist Spielertrainer der ersten Mannschaft in der Kreisliga West. Schärtel spricht in klaren, gewählten Worten über sich und seinen Werdegang, antwortet präzise und ausführlich. Und hebt sich damit wohltuend von manchem Altersgenossen ab, der in einem Profiteam für viel Geld dem Ball hinterherjagen darf.

Anruf von Dieter Nüssing

„Angefangen habe ich in Absberg, später bin ich dann zum TSV 1860 Weißenburg gewechselt“, sagt Schärtel. Der Verein ist für eine gute Jugendarbeit bekannt und diente schon zahlreichen hoffnungsvollen Talenten als Sprungbrett in höherklassige Teams. Schärtel konnte auch dort überzeugen, schaffte es mit seinen Leistungen in die Regionalauswahl West des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und damit aufs Radar der Scouts einiger Profi-Clubs.

Kurz nach einem Turnier in der Sportschule Oberhaching klingelte das Telefon des damals 15-Jährigen. „Ich war nicht einmal eine Stunde wieder zu Hause, da hat mich Dieter Nüssing angerufen.“ Das Club-Urgestein hatte Schärtel beobachtet und ihn für gut befunden. Wenig später spielte der im rot-schwarzen Dress in der U16 des fränkischen Altmeisters. Es folgten vier Jahre an der Schwelle zum Profifußball. Vier Jahre auf Tuchfühlung mit dem Traum von der großen Karriere. Der Innenverteidiger erinnert sich gerne an die Zeit beim Club. An gemeinsame Mannschaftsabende mit den Profis, an die Anreisezu Auswärtsspielen im Mannschaftsbus, an das Gefühl, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.

Als Jugendspieler war Schärtel zwar Teil des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), auf dem Gelände am Valznerweiher gewohnt hat er aber nicht. „Ich wollte einfach die Realschule in Weißenburg fertigmachen. Und mit der S-Bahn war es ja nicht so weit“, sagt er. Viermal pro Woche stand er mindestens auf dem Trainingsplatz, ab der U17 dann praktisch jeden Tag. Nach seinem letzten Jahr in der U19 wurde er trotzdem aussortiert – so wie fast alle Spieler seines Jahrgangs. „Im ersten Jahr in der U19 war ich auch oft verletzt. In der Vorbereitung hatte ich eine Lungenentzündung, später war die Schleimhaut unter dem Kreuzband gerissen und danach habe ich mir bei einem Pressschlag einen Innenbandanriss geholt“, referiert er seine Verletzungshistorie.

Dann wieder ein Anruf von einem, der allen Fans, Sympathisanten und Beobachtern des FCN ein Begriff ist: Roger Prinzen, der einstige Coach der zweiten Mannschaft des Club, der gleich zweimal interimsmäßig an der Seitenlinie der Profis stand. Prinzen war in der Spielzeit 2017/2018 Cheftrainer beim Regionalligisten SV Seligenporten und erinnerte sich an Schärtel. Der sagte zu und spielte ein Jahr in der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Seine Leistungen waren gut. „Ich hätte meinen Vertrag verlängern können, es gab auch Angebote von der SpVgg Ansbach und dem ATSV Erlangen“, berichtet er. Am Ende entschied er sich für den TSV Absberg, seinen Heimatverein. Kreisliga West statt Regionalliga. „Das ist mir nicht leicht gefallen, aber ich wollte so gut und so schnell wie möglich mein Studium abschließen“, sagt Schärtel. Er studiert Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg, bald steht die Bachelorarbeit an.

„Überzeugt von der Mannschaft“

Als er im Sommer 2018 zurück an den Brombachsee kam, stand Onkel Franz noch als Trainer am Spielfeldrand. Der installierte seinen Neffen kurzerhand als Co-Trainer, nun betreut Schärtel zusammen mit Marco Schmidt die Mannschaft. Natürlich lässt er es sich deswegen nicht nehmen, als Spieler die Innenverteidigung des abstiegsbedrohten Kreisligisten zu stabilisieren. „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität für den Klassenerhalt hat“, betont er. Das hätte das Team eigentlich schon ab März beweisen wollen, doch dann kam Corona. Ein paar Tage nach einem Testspiel gegen den TSV Meckenhausen war klar, dass die Fußballfelder im Freistaat vorerst verwaist bleiben würden. „Aber dass sich das so lange hinzieht, das konnte keiner ahnen“, sagt Schärtel.

Seit 4. Juli befindet sich seine Mannschaft wieder in der Vorbereitung, fünf Testspiele sind bislang absolviert. Drei Siege und zwei Unentschieden hat es da gegeben – das stimmt optimistisch für den zweiten Teil der Saison, wann immer er kommen mag. „Richtig geil“ war das, endlich mal wieder gegen echte Gegner zu spielen, findet der 22-Jährige. Er ordnet die Situation des Fußballs in Corona-Zeiten aber zurückhaltend ein: „Ich sehe das alles eher kritisch. Wenn man sieht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, kann ich mir schwer vorstellen, dass es bald weitergeht. Freuen würde es mich aber natürlich.“ Kurz darauf kommt sie dann doch, die Freigabe der Staatsregierung. „Riesige Vorfreude“ hat das ausgelöst bei dem jungen Trainer, der schon befürchtet hatte, im Jahr 2020 gar kein Pflichtspiel mehr zu bestreiten. Jetzt darf er seine Elf aber doch bei der Umsetzung seiner Spielphilosophie beobachten. Schärtel will den Gegner schon in dessen Hälfte unter Druck setzen, will Ballverluste provozieren. „Der erste Blick nach der Balleroberung geht dann immer Richtung gegnerisches Tor,“ macht er klar. Seine Entscheidung, sich zurück zu seinen Wurzeln in die Niederungen des Amateurfußballs zu begeben, hat er nie bereut. Sein Bruder und seine beiden Cousins spielen ebenfalls in Absberg. Insgesamt viermal taucht der Name Schärtel also auf dem Spielberichtsbogen auf.

Ob sich Pascal trotzdem vorstellen kann, irgendwann wieder höherklassig zu spielen? In einer Liga, in der er nicht den meisten Gegenspielern technisch und taktisch weit überlegen ist? „Auf jeden Fall“, platzt es aus ihm heraus. „Da wäre ich nicht abgeneigt.“ Von wem er diesen Ehrgeiz hat, wissen wir jetzt ja.

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