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Familie Schlicker beim SV Cronheim: "König Fußball" als Teil eines erfüllten Lebens

Kreisliga West

Beate, Manfred, Simon und Jens: Die Familie Schlicker bereichert den SV Cronheim in vielfältiger Weise. Ein schrecklicher Unfall warf "Mannis" Pläne vom einen auf den anderen Tag über den Haufen.

Eine Familie ganz im Zeichen des Fußballs beim SV Cronheim: Beate Schlicker mit ihren Männern Simon, Manfred und Jens (von links) im Sportheim des rührigen Vereins. 

 / © Uli Gruber

Simon ist der einzige "Cluberer" im Familienverbund Schlicker. Sein älterer Bruder Jens sowie die Eltern Beate und Manfred halten es eher mit dem übermächtigen FC Bayern. Doch gibt es deswegen Streit? "Keineswegs", versichert das fußballbegeisterte Quartett aus dem beschaulichen Cronheim übereinstimmend. Sport auf großer Bühne werde zwar interessiert verfolgt, das Hauptaugenmerk richte sich jedoch auf das Geschehen einige Etagen tiefer.

Nur etwa fünf Gehminuten vom schmucken Eigenheim der Schlickers entfernt, kämpfen die Kicker des SVC in der Kreisliga Neumarkt/ Jura West um Tore und Punkte - normalerweise. Von Corona heuer bereits doppelt ausgebremst herrscht auch in "Croa" Ratlosigkeit darüber, wie und vor allem wann es mit dem Spielbetrieb weitergehen könnte. Aktuell steht die lange Winterpause voraussichtlich bis März 2021 vor der Tür. Grund genug, um einmal hinter die Kulissen zu blicken. Wer sind jene Enthusiasten, die sich mit Herzblut in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen und ehrenamtlich einen beträchtlichen Teil ihres Lebens "König Fußball" widmen?

Der Ursprung liegt Jahrzehnte zurück. Manfred Schlicker, aufgewachsen in Oberschwaningen, schloss sich relativ spät mit 13 Lenzen dem SVC-Schülerteam an. Von der Magie des Spiels beseelt, entwickelte er sich in der Folgezeit auf und neben dem Platz zu einem echten Cronheimer. Dies sollte sich auch nicht ändern, als "Manni" seine aus Wolframs-Eschenbach stammende Beate kennen und lieben lernte. Fortan wurde der Weg sprichwörtlich Hand in Hand beschritten, das Hobby Fußball stellte kein Hindernis dar. Im Gegenteil: Auch Beate bereicherte schnell die Vereinsstrukturen.

So fungierte sie ab Mitte der 1980er-Jahre als Sparten- und Übungsleiterin der Gymnastikgruppe. Des Weiteren erwarb sich das Organisationstalent innerhalb des SVC-Gefüges mit Fleiß, Kompetenz, Weitsicht und Sorgfalt mehr und mehr das Vertrauen der inzwischen rund 380 Mitglieder. Ob Weihnachtsfeier, Faschingsball, Sommerfest, Fischessen, Schafkopfturnier, Maibaum aufstellen oder Kirchweihauftakt - Beate Schlicker trug mit Unterstützung ihrer Familie stets maßgeblich zum Gelingen bei. Die Schlickers sind ebenso präsent, wenn es um Instandsetzungs- und Erweiterungsarbeiten der SVC-Infrastruktur geht (Sportheim und -gelände).

Funktionierendes Wir-Gefühl

Seit 2004 steht Beate Schlicker als Vorsitzende an der Spitze des 1962 aus der Taufe gehobenen SV Cronheim. Vor acht Jahren wurde unter ihrer Federführung das Jubiläum zum 50. Geburtstag in entsprechendem Rahmen gefeiert. Als Cronheimer Ortssprecherin kann die gute Seele des Vereins ihre vielfältigen Kontakte bisweilen zum Wohl der Rot-Weißen nutzen. Das Ehepaar Schlicker hebt im persönlichen Gespräch immer wieder das funktionierende Wir-Gefühl innerhalb der SVC-Familie hervor. Nur mit diesem Selbstverständnis könne das Fundament für eine gedeihliche Zukunft geschaffen werden. Manfred Schlicker sieht darin Parallelen zu einer erfolgreichen Fußballmannschaft.

Zwischen 1977 und 2000 absolvierte der technisch beschlagene Offensivspieler mehr als 1000 Einsätze für Cronheim, zehn Jahre davon führte Schlicker seine Männer als Kapitän auf das Feld. Erfolge blieben nicht aus. In der Saison 1986/87 gelang dem SVC über den Umweg Relegation erstmals der Sprung in die damalige A-Klasse (heute Kreisliga). Das Ende der Fahnenstange war damit noch nicht erreicht. 1991 zog die"eingefleischte Truppe" als A-Klassen-Meister sogar in die Bezirksliga ein. Auch wenn es gleich wieder runter ging, sammelten Aktive, Schlachtenbummler und Funktionäre wertvolle Erfahrungen.

Weiter ging es trotz des Abstiegs auch für "Manni" Schlicker. Erst mit 41 Jahren hängte er als Spieler der "Ersten" die Fußballschuhe an den Nagel. Aktiv stand nur noch die Ausbildung des Nachwuchses zur Disposition. Es war ein Schicksalsschlag, der seinen individuellen Plänen einen Riegel vorschob und den gesamten Verein erschütterte. Trainer Hans Abel kam auf der B 466 zwischen Schwabach und Gunzenhausen bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben. Wer sprang in die Bresche? Manfred Schlicker!

Mit den Füßen, aber auch mit Kopf und Herz

In zwei Phasen, von 2000 bis 2004 und von 2006 bis 2014, gab er sein Wissen insbesondere an viele ehemalige Schützlinge weiter. Nicht nur seine Buben Jens und Simon (beide gehören zum Stammpersonal der von Werner Rank trainierten Kreisligamannschaft) profitierten von dem Umstand, dass Schlicker schon seit 1997 nahezu alle Altersklassen von der U9 bis zur U19 gecoacht hatte. Ferner koordinierte er ebenfalls ab 2000 in leitender Funktion den Nachwuchsbereich. Die Entwicklung trug Früchte. Ein vor allem aus sehr jungen Akteuren bestehendes SVC-Team schaffte im Juni 2011 nach dem denkwürdigen Unwetter- und Elfmeterdrama im Gnotzheimer Relegationsduell gegen Oberhochstatt die Rückkehr in die Kreisliga. "Es gibt nur einen Manfred Schlicker!", huldigten die Gipfelstürmer damals im spontanen Freudentaumel ihren Erfolgscoach.

Ab 2012 betreute Schlicker verschiedene SG-Formationen mit Unterwurmbach, Aha und Lellenfeld. Den Bambinis zeigt er als Mann mit gut 60 Jahren heute noch, wie Fußball spielen geht. Nicht nur mit den Füßen, auch der Kopf und das Herz müssen dabei sein, um ein Großer zu werden. Diese Botschaft will Manfred Schlicker den Kindern und Jugendlichen vermitteln - selbstverständlich mit Herzblut!

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