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Weißenburger Talent Johannes Fiedler arbeitet beim FC Ingolstadt am Traum vom Profifußball

U19-Bundesliga

Der Weißenburger Johannes Fiedler ist beim FC Ingolstadt in der U19-Bundesliga am Ball und will es in den Profifußball schaffen. In der Corona-Zeit fehlen ihm das Wichtigste auf diesem Weg, nämlich Spiele. Das ist ärgerlich, dennoch arbeitet der 18-jährige Innenverteidiger weiter intensiv für sein großes Ziel.

Lauter reizvolle Duelle: Mit dem FC Ingolstadt hat der Weißenburger Johannes Fiedler (rotes Trikot) unter anderem schon gegen Borussia Dortmund und den FC Bayern München gespielt.

 / © privat

Man stelle sich vor: Du hast gerade dein Abitur in der Tasche, gehörst zu den besten Nachwuchsfußballern in Bayern und willst dich ab sofort zumindest ein Jahr lang komplett auf den Sport konzentrieren, um den Sprung in den Profibereich zu schaffen. Ja und dann, genau dann kommt Corona. Das Virus und die Pandemie bremsen dich samt dem Fußballbetrieb über weite Strecken aus.

Just in dieser Situation befindet sich Johannes Fiedler. Der 18-jährige Weißenburger ist seit 2016 beim FC Ingolstadt, hat ab der U15 alle Nachwuchsteams der Schanzer durchlaufen und spielt aktuell in der U19-Bundesliga Süd/Südwest. Die vergangene Spielzeit, als er auch schon zum Kader der U19 gehörte, musste im März 2020 abgebrochen werden. Nach dem lang ersehnten Neustart im September 2020 folgte nach wenigen Wochen eine erneute Unterbrechung.

Fokus auf Fußball

"Ich wollte in dieser Saison den Hauptfokus auf den Fußball legen", sagt "Jo" Fiedler, der nebenbei noch einen kleinen Job an einer Schule in Ingolstadt hat. Wenn kaum Spiele stattfinden, ist das mit dem Fokus allerdings ein Problem.

Zwar hielt sich der Innenverteidiger auch während der Zwangspause mit individuellen Lauf- und Krafteinheiten fit und trainierte fleißig nach den Plänen seiner Coachs beim FCI. Fiedler weiß aber auch: "Letztlich wird man an den Spielen gemessen." Insofern kommen die Corona-Beschränkungen und -Pausen zur Unzeit.

"Das ist natürlich sehr ärgerlich", stellt Johannes Fiedler fest. "Es ist keine leichte Situation." Dennoch hält er an seinen Zielen und Plänen fest und ist froh, "dass wir überhaupt wieder trainieren dürfen". Der Sprung in den Profifußball ist und bleibt sein großes Ziel – gerade nach all dem Aufwand der vergangenen Jahre und auch in der laufenden Saison.

Seit viereinhalb Jahren pendelt er mehrmals die Woche in die rund 50 Kilometer entfernte Donaustadt. Möglich wurde das einerseits durch die Unterstützung und Fahrdienste seiner Eltern Christina und Thomas, denen Johannes dafür sehr dankbar ist. Ein Umzug in die Audi-Sportakademie des FCI kam nicht infrage, dafür wohnt Fiedler zu nah an Ingolstadt. Und auch zur Schule wollte er auch weiterhin in Weißenburg gehen.

Das Traumziel Profifußball würde Johannes Fiedler natürlich gerne beim FC Ingolstadt 04 erreichen, dessen Herren in der 3. Liga derzeit auf Rang zwei stehen und bei dem er noch bis Sommer einen sogenannten Fördervertrag hat. Wenn es bei den Schanzern nicht klappen sollte, hofft das Nachwuchstalent auf einen anderen Verein. Im Fußball kann so etwas bekanntlich sehr schnell gehen.

Die Ambitionen Richtung höherklassigem Fußball haben sich bei Johannes Fiedler schon früh herauskristallisiert. Bereits als kleiner Junge fing er bei seinem Heimatverein, dem TSV 1860 Weißenburg an. Sein Vater Thomas hat dort gespielt und war auch Jugendtrainer; sein älterer Bruder Max ist ebenfalls bei den TSV-Sechzigern am Ball. Verein, DFB-Stützpunkt, Auswahlteams – "Jo" ging seinen Weg.

Mittelfränkischer Meister mit dem TSV 1860 Weißenburg

Er zählt zum starken Geburtsjahrgang 2002 des TSV 1860. Viele talentierte Jungs tummeln sich da und feierten auch schon frühe Erfolge. Mit der U13 holten sie den Titel in der Bezirksoberliga und wurden damit trotz starker Konkurrenz – unter anderem von den Zweitliga-Vereinen 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth – Mittelfränkischer Meister. "Das war sicherlich mein größter Erfolg, den ich in Weißenburg hatte. Das größte Erlebnis war aber das Turnier in der gleichen Saison in der Schwabacher Soccer-Halle", erzählt Johannes. In einem mit vielen Topteams von Profivereinen besetzten Teilnehmerfeld unterlagen die TSV-Jungs erst im Endspiel gegen den VfB Stuttgart.

Inzwischen sind bei den Gegnern viele weitere große Namen hinzugekommen. Ob Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, SC Freiburg, FSV Mainz 05, FC Augsburg oder TSG Hoffenheim – "Jo" Fiedler tritt mit Ingolstadt permanent gegen die Nachwuchsteams zahlreicher Erstligisten an. Das ist es auch, was für ihn die Faszination am Fußball ausmacht, nämlich:"„mich laufend mit den besten Spielern meines Jahrgangs vor allem aus Süddeutschland zu messen." Ebenfalls ein großer Anreiz ist es für den jungen Fußballer "jeden Tag auf Topniveau zu trainieren und sich durchzubeißen". Das ist ihm bislang hervorragend gelungen. Quer durch die Altersklassen gehörte Johannes Fiedler immer zu den Führungsspielern der Schanzer. In der U17 war er Kapitän und absolvierte 20 Bundesliga-Partien, derzeit ist er in der U19 stellvertretender Spielführer.

In seiner ersten Saison in der U19-Mannschaft der Schanzer kam Johannes Fiedler 2019/2020 eher selten zum Einsatz. Dennoch hatte er die Gelegenheit, sich an das nächsthöhere Niveau, vor allem auch in körperlicher Hinsicht, heranzutasten. Gleichzeitig wollte er sich auf die Schule und das Abitur am Weißenburger Werner-von-Siemens-Gymnasium konzentrieren – mit Erfolg.

Als es langsam in die Prüfungsphase fürs Abi ging, kam Mitte März der erste Lockdown verbunden mit dem vorzeitigen Saisonende. Der FC Ingolstadt schloss auf Rang acht im gesicherten Mittelfeld ab, somit war für Johannes Fiedler klar, dass er auch in der neuen Saison wieder in der Bundesliga spielen kann. Im Frühjahr und Sommer gab es zunächst viele sportliche Hausaufgaben, dann folgte die schrittweise Rückkehr ins normale Training und schließlich im September nach langer Vorbereitung der Start in die neue Saison.

Platz drei in der Bundesliga

Die A-Junioren des FCI legten mit zwei Unentschieden und zwei Siegen vielversprechend los und stehen als derzeit bester bayerischer Verein auf Rang drei hinter dem VfB Stuttgart und dem FSV Mainz 05. Johannes Fiedler spielte zweimal durch, musste aber auch zweimal verletzungsbedingt passen.

Mit Beginn des zweiten Lockdowns ab November kam eine erneute Zwangspause für die U19-Bundesliga Süd/Südwest, zumindest das Training lief bis Mitte Dezember weiter. Nach der Weihnachtspause war nun Mitte Januar wieder Trainingsauftakt im Audi-Sportpark in Ingolstadt. Fiedler und Co. können auf dem Platz normal trainieren, außerhalb gelten allerdings Maskenpflicht, Kabinenteilung und etliche weitere Vorsichtsmaßnahmen. Auch regelmäßige Corona-Tests stehen im Terminplan. Trainiert wird täglich einmal. Mitte/Ende Februar soll der Spielbetrieb mit einer Einfachrunde in der Bundesliga weitergehen.

Auf Johannes Fiedler und die anderen Jung-Schanzer warten dann wieder viele interessante Aufgaben gegen die Münchner Bayern, die Frankfurter Eintracht oder das Fürther Kleeblatt – genau die Spiele, auf die das aus Weißenburg stammende Fußball-Toptalent brennt.

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