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Christian Eigler: "Fußball ist Fußball, Bundesliga oder Kreisliga"

Kreisliga West

Was ist der Amateurfußball? Spaß? Bewegung? Freizeitbeschäftigung? Oder ist er noch viel mehr? In unserer Reihe "Typen, Themen, Temperamente" sprechen wir mit Menschen, die den Fußball lieben. Über Fußball, aber auch Themen abseits davon. Christian Eigler (37) war viele Jahre lang Profi, war bei der SpVgg Greuther Fürth Torschützenkönig, spielte für Arminia Bielefeld und den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga und stieg zuletzt mit dem FC Ingolstadt in die Beletage auf. Inzwischen ist der gebürtige Rother bei seinem Heimatverein aktiv: den SV Unterreichenbach, den Eigler nur "Reicherbach" nennt, hat er auf Erfolg getrimmt.

"Früher waren es noch ein paar mehr Augen, die auf mich gerichtet waren". Bei den "Roten Teufeln" aus Unterreichenbach ist der Ex-Profi Christian Eigler Teil eines starken Teams.

 / © Uwe Mühling

Hallo Herr Eigler, mit dem Hund Gassi gehen oder für die Tochter Lehrer spielen? Wo erwischen wir Sie gerade?

Gassi gehen kommt jetzt dann gleich und Lehrer spielen hab’ ich heute schon hinter mir. Mit vier Kindern ist aber schon immer was zu tun.

Wie groß ist die Sehnsucht nach Fußball?

Auf alle Fälle groß. Klar hätten wir in der Liga sowieso noch Winterpause, alles regulär. Aber so wie es gerade ausschaut, werden wir nicht regulär anfangen dürfen.

Was ersetzt den Fußball in der Zwangspause für Sie, gibt es da etwas?

Wir hatten von Anfang Dezember bis Weihnachten dreimal in der Woche Online-Training, das war schön die Jungs zu sehen. Dann sind ein paar Läufe dazugekommen, so dass sich jeder ein bisschen fit hält.

Und Sie persönlich?

Krafttraining und Joggen gehören für mich einfach dazu. Ich brauche das. Vielleicht hängt das ja mit der Vergangenheit zusammen, wenn Du immer viel Sport gemacht hast – das lässt dich nicht los. Und ich bin jetzt auch schon 37, da merkt man es schneller, wenn man nichts macht.

Was vermissen Sie am Fußball am meisten – den Geruch frisch geschnittenen Rasens, die Späße, die Bewegung?

(lacht) Mit dem Geruch hat es für mich nichts zu tun. Aber der Kontakt mit den Jungs, zu sehen, wie sie sich entwickeln, das Kicken, die Siege, die man zusammen feiert und danach im Sportheim zu sitzen – das fehlt alles. Schade, aber momentan leider nicht zu ändern.

Wie gehen Sie mit der Ungewissheit um? Glauben Sie an den Re-Start? Wird diese Saison 2019/21 zu Ende gespielt?

Schwierig, keiner was, wann es weitergeht. Wann beginnst du wieder? Ich gehe davon aus, dass wir ab April, Mai wieder etwas machen dürfen. Ähnlich wie letztes Jahr, als man mit kleinen Gruppen begonnen hat.

Der BFV hat zuletzt ja etwas geschaffen, das man als auch als Lex Unterreichenbach interpretieren könnte...

(Lex Corona: Die Sonderregelung des Bayerischen Fußball-Verbandes BFV regelt den Spielbetrieb bei einem notwendigen Abbruch des Spieljahrs "aufgrund staatlicher oder kommunaler Verfügungslage auf Grund höherer Gewalt". Demnach wird eine Saison trotz Abbruch gewertet – wenn bei 75 Prozent der Mannschaften mindestens 50 Prozent der Verbandsspiele gewertet worden sind, sei es durch Entscheidung auf dem Rasen oder per Sportgericht. Die Feststellung der Tabelle erfolgt dabei anhand der Quotientenregelung (Anzahl der Punkte geteilt durch die Anzahl der absolvierten Spiele).)

Wir hatten letztes Jahr mit der Ungewissheit mehr Probleme, keiner wusste, was passiert, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Das ist jetzt mit der neuen Regelung glücklicherweise vom Tisch. Sollte es nicht weitergehen, werden wir in der nächsten Saison Bezirksliga spielen. Aber schöner ist es trotzdem, die Erfolge auf dem Platz zu feiern. Das ist nicht zu ersetzen.

"Eine Bierdusche ist wesentlich schöner"

Bei 17 Punkten Vorsprung und keiner Niederlage in 19 Spielen könnte man sich vorstellen, dass sportlich lösen zu wollen?

Auf alle Fälle. Wir sind schon so überzeugt von uns, dass wir das sportlich schaffen. Die Tabelle ist deutlich, wir haben gute Jungs, keiner ist weggegangen – das möchten wir dann gerne durchziehen. Und eine Bierdusche auf dem Platz ist doch wesentlich schöner als wenn du praktisch daheim auf dem Sofa aufsteigst.

Haben Sie eine Antwort, wenn es darum geht, wie Sie Unterreichenbach auf Erfolg getrimmt haben?

Das bin ja nicht nur ich. Die Jungs sind die Jahre vorher ohne mich auch zweimal aufgestiegen. Letztes Jahr haben es wir dann in der Relegation leider verpasst, in die Bezirksliga aufzusteigen. Wir haben viele gute Jungs, die höher spielen könnten, aber mit "Reicherbach" eng verbunden sind. Das ist auch für mich der Grund, warum ich diese Aufgabe übernommen habe. Das ist mein Heimatverein, das ist eine Herzensangelegenheit. Und ich habe das Potenzial gesehen – die Perspektive ist sehr gut. Da habe ich auch einen Anteil, den ich aber nicht zu hoch hängen mag. Die Basis ist gut, der Stab ebenfalls – da stimmt alles.

Sie sind mit großen Ambitionen angetreten. Was ist mit dem Verein möglich, soll die Bezirksliga nur Zwischenstation sein?

Ich sage nicht, dass wir nach einem Aufstieg dann durchmarschieren werden, nein. Mein Ziel ist es, in der Bezirksliga oben anzugreifen. Ob das in zwei oder drei Jahren ist, egal. Grundsätzlich wollen wir schon mal Landesliga spielen mit "Reicherbach". Möglich ist das auf alle Fälle.

Wie ist Christian Eigler als Spielertrainer?

Ich bin auch nicht immer ganz einfach und mit der Leidenschaft dabei, die ich auch als Profi hatte. Ich will unbedingt jedes Spiel gewinnen. Da verlange ich den Jungs einiges ab. Am Anfang war das schwieriger, weil auch ich mich neu auf das einstellen musste, was gefragt war. Aber die Jungs wollen das, sie wollen auf einem guten Niveau kicken und nicht nur rumhampeln. Wenn wir am Platz sind, möchte ich, dass jeder hundert Prozent den Fokus auf Sieg hat. Wenn die 90 Minuten um sind, können wir wieder Spaß haben.

Werden Sie dann in der Bezirksliga und dann 38 noch auf Torejagd gehen?

Ich habe ja schon in dieser Saison nicht jedes Spiel von Anfang an gemacht und bin auch nicht immer reingekommen. Ich habe ja wegen einem Knorpelschaden aufhören müssen und hab’ da immer noch ab und an Probleme. Wenn ich den Jungs helfen kann, werde ich auch noch in der Bezirksliga meine Spiele machen. Aber sobald ich merke, dass ich nicht mehr helfen kann, nehme ich mich mit Sicherheit raus.

Wie groß war die Umstellung von der Profizeit zum SV Unterreichenbach?

Natürlich war das eine Umstellung. Ich war nach der aktiven Zeit zwei Jahre krankgeschrieben, vielleicht hat der Abstand geholfen. Vor dem Engagement als Trainer hab ich ein halbes Jahr in der zweiten Mannschaft gespielt und da sind wir in die B-Klasse aufgestiegen. Da musste ich mich nicht quälen, jetzt ist das Niveau höher, und da muss auch ich schauen, dass ich fit bin. Fußball ist Fußball, ob Bundesliga oder Kreisliga. Es geht immer um das Gleiche.

Sie haben Unterreichenbach als Teenager verlassen und sind 14 Jahre später zurückgekehrt. In die Kreisliga. Warum? Gab es keine höherklassigen Angebote?

Ich habe zunächst meinen Trainerschein gemacht, da gab es dann schon Gespräche, etwa über Jugendarbeit beim Club. Da wollte ich aber im Herrenbereich arbeiten. Und ehrlich: Es hat mich gereizt, in Unterreichenbach etwas zu entwickeln.

Ein Glücksfall für beide Seiten

Ist ein Grund dafür auch der gute Draht zum SVU-Vorsitzende Erwin Söhlmann? Der nennt sie einen Glücksfall für den Verein. Können Sie das nachvollziehen?

(lacht) Ich will mich nicht selbst loben, aber wenn das der Erwin so sagt, wird schon was dran sein. Vielleicht ist es ja nicht selbstverständlich, dass ein Ex-Profi dann bei seinem Heimatverein landet, zumal der auch noch etwas niedrigklassiger ist. Ich wohne hier, hab zur aktiven Zeit bei Heimspielen zugeschaut, habe viele Kontakte. Es ist ein Glücksfall – auch für mich.

Sie haben als Profi ein Dutzend Trainer von Hecking bis Hasenhüttl erlebt. Wer hat am meisten Eindruck hinterlassen?

Dieter Hecking beim Club, einer der besten Trainer, die ich hatte. In einer erfolgreichen Zeit. Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt, obwohl er mich nicht hat spielen lassen, war ein sehr guter Trainer. Von allen kann man sich was rauspicken.

Klavier spielen vor der Mannschaft werden Sie nicht?

Ja, genau, der Oenning hat ja gerne Klavier gespielt (lacht). Aber das ist nicht so mein Ding.

Ihre schönste Erinnerung an die Profizeit?

Da gibt’s einiges. Aber einiges kann man nicht erzählen. An den Mannschaftsabend, als ich gerade neu aus Bielefeld zum Club gekommen bin, denke ich gerne zurück. Die Hütte am Berg, die Neuen mussten singen. Da haben wir einen Abend lang Gas gegeben, und am nächsten Tag ging es dann weiter mit der harten Arbeit.

Beim Club waren Sie nicht weniger als ein Relegationsheld...

Das stimmt, in der Relegation hab ich es ganz gut gemacht. da gab es ein paar Highlights, der Viererpack gegen Sankt Pauli, das Derbytor gegen Fürth kurz vor Schluss oder auch das Tor gegen die Bayern. Das vergisst du nicht.

"Ein besonderer Moment" seiner Laufbahn: Im März 2011 gelangen Christian Eigler im Trikot des 1.FC Nürnberg beim 5:0-Sieg über den FC St.Pauli vier Treffer.

 / © Sportfoto Zink

In Unterreichenbach konzentriert sich jetzt sicher alles auf Sie – spüren Sie eine besondere Verantwortung?

Beim Club haben ein paar mehr Leute auf einen geschaut, da war der Druck schon höher. Jetzt schauen auch die Schiedsrichter genauer hin. Viel sagen darf ich nicht. Und ich muss auf meine Vorbildfunktion achten. Auf dem Platz bin ich aber, um zu gewinnen. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das auch.

Und da kassiert man dann auch mal Rot wegen Meckerns?

Ja, mein Co-Trainer und ich sind da beide vom Platz gegangen. Der Schiedsrichter hat es aber auch darauf angelegt. Nach zwölf Minuten wurde ich schon ermahnt, dass ich bei der nächsten Bemerkung Rot sehe.Es gibt eben welche, die nur darauf warten. Damit kann ich schon umgehen.

Schlusswort: Hält die Serie? Wird Unterreichenbach ohne Niederlage Meister?

Ich bin überzeugt, dass wir aufsteigen. Und wenn es geht auch ungeschlagen.

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