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Toni Schärtel: Laufend durch den Lockdown

Kreisliga West

Eigentlich zieht Toni Schärtel im Mittelfeld des TSV Absberg die Fäden. Doch auch als Läufer erzielt er beachtliche Leistungen.

Toni Schärtel überzeugt während des Lockdowns mit seiner Laufleistung.

 / © Max Schärtel

Es ist Toni Schärtel fast ein bisschen unangenehm, auf sein läuferisches Talent angesprochen zu werden. Dinge wie „Eisenlunge“ oder „der beste Läufer der Kreisliga“ hört er gar nicht so gerne. Nicht, weil ihm nicht bewusst wäre, dass es in Sachen Ausdauer nicht viele Gegenspieler gibt, die sich auf seinem Niveau bewegen. Sondern, weil er von Angeberei nichts hält, sich nicht mit seinen Fähigkeiten rühmen will. „Da spielen auch die Gene vom Vater eine Rolle“, sagt er bescheiden. Franz Schärtel dreht heute noch regelmäßig seine Runden im Seenland, als Sohn Toni 16 Jahre alt war, hat er ihn immer öfter dazu motiviert, mitzukommen. „Das erste Mal hatte ich danach eine Woche Muskelkater“, erinnert sich der Sohn.

Heute ist Toni Schärtel einer der Leistungsträger beim TSV Absberg. Vier Jahre war der Mittelfeldspieler Kapitän der Mannschaft, vor der laufenden Saison hat er das Amt an Torwart Daniel Baumann abgegeben. „Ich bin jetzt auch noch in der Vorstandschaft aktiv und dort für das Vereinsleben zuständig“, berichtet der 26-Jährige. „Da wäre es jetzt ein bisschen zu viel geworden, gleichzeitig noch Kapitän zu sein.“ Schon als ganz kleiner Junge ist Schärtel auf Absberger Rasen dem Ball hinterhergelaufen. Doch weil der TSV damals einige Lücken in seiner Fußballjugend hatte, wechselte er dann zum TSV 1860 Weißenburg. Und schließlich trug er gemeinsam mit der Dittenheimer Sturmspitze Thomas Selz für das Trikot des TSV 1890 Spalt. Bis er in der B-Jugend wieder zurück zu seinem Heimat- und Herzensverein wechselte. Seit er 17 ist, kennt man Schärtel nun endgültig nur noch als Absberger.

Und als ziemlich unangenehmen Gegenspieler. Nicht, weil er ein überragender Techniker, ein eiskalter Vollstrecker oder ein übler Treter wäre. Sondern, weil es nicht viele gibt, die seinen Laufwegen über 90 Minuten folgen können. Natürlich gibt es dazu keine offizielle Statistik, allzu viele Spieler dürfte es in der Kreisliga Jura West aber nicht geben, die es in Sachen Kondition mit Schärtel aufnehmen können. „Es kommt schon mal vor, dass ein Gegenspieler ruft: ,Ey, jetzt bleib‘ halt mal stehen‘“, erzählt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Oft dauert es nach der Halbzeit noch ungefähr zehn Minuten – und er hat plötzlich ziemlich viel Bewegungsfreiheit. Weil der Gegner hauptsächlich mit Luftholen beschäftigt ist.

„Die Schärtels sind eben Läufer“

Fünfmal die Woche schnürt Schärtel momentan die Laufschuhe. Fast so, als könne er auf diese Weise der bleiernen Schwere des Lockdowns davonlaufen. „Ich brauche das einfach, um abzuschalten. Ich fühle mich danach besser“, sagt er. Rund zehn Kilometer sind es auf seiner Hausrunde um den Kleinen Brombachsee. An guten Tagen braucht er dafür unter 40 Minuten. Eine Zeit, die selbst bei den großen Laufveranstaltungen in der Region meistens für einen Platz unter den ersten 20 der Gesamtwertung reichen würde. Oft begleitet ihn sein Cousin Pascal, manchmal auch sein Bruder Max. „Die Schärtels sind eben Läufer“, stellt er nüchtern fest.

Seine bislang beste Zeit ist er bislang im Duell gegen seinen Vater Franz gelaufen, der lange Jahre als Trainer des TSV an der Seitenlinie stand. Knapp zwei Kilometer Vorsprung hat Schärtel dem Papa gegeben. „Er wollte, dass ich ihn einhole. Es hat aber ewig gedauert, bis ich ihn überhaupt wieder gesehen habe. Ganz kurz vor dem Ziel habe ich ihn aber tatsächlich überholt“, berichtet er. Fix und fertig war er danach. Aber glücklich. 3:44 Minuten pro Kilometer hat er auf der Jagd nach seinem Vater um den See gebraucht. Ein sehr starker Wert für einen Hobbyläufer. Genauso wie die knapp unter vier Minuten pro Kilometer, die er über die Halbmarathon-Distanz läuft. Während des Lockdowns gibt es innerhalb des Vereins eine Challenge: fünf verschiedene Gruppen mit je fünf Spielern kämpfen darum, möglichst viel und möglichst schnell zu laufen. Ein schöner Wettkampf in einer Zeit, in der nicht nur die Absberger ansonsten ohne sportliches Kräftemessen auskommen müssen. „Und die Mannschaft bleibt dadurch fit in Sachen Ausdauer. Wenn es mal wieder mit der Vorbereitung losgeht, kann man den Fokus dann auf andere Dinge lenken“, sagt Schärtel.

Dass die Pandemie die Saison schon Ende Oktober wieder unterbrochen hat, war für Absberg besonders unglücklich. Das Team präsentierte sich im Herbst in bestechender Form, arbeitete sich aus dem Abstiegskampf hoch ins Mittelfeld der Tabelle. „Nach der Auftaktniederlage gegen Weißenburg II war allen klar, wenn wir jetzt nicht anfangen, besser zu spielen, dann steigen wir wirklich ab“, erinnert sich Schärtel. Die Mannschaft schaffte es, aus dieser Situation Kraft zu schöpfen, die Angst vor dem Abstieg umzuwandeln in Freude am Gewinnen.

Fünf Siege in Folge gelangen dann, bis zum zweiten Lockdown. Wann der enden wird, ist weiter unklar. Wann und wie der Amateurfußball wieder auf den Rasen zurückkehren kann ebenfalls. Deswegen bleiben Schärtel nur seine Joggingrunden um den Kleinen Brombachsee. Damit er das mit dem Fußballspielen nicht ganz verlernt, dribbelt er auch mal mit dem Ball am Fuß um den See. „Das ist ganz schön anstrengend, man muss ja den Kopf oben haben, damit man sieht, wenn Leute entgegen kommen“, klärt Schärtel über die Tücken dieser ganz besonderen Laufeinheiten auf. Vielleicht fühlt es sich ja sogar ein bisschen nach Fußball an, staunende Spaziergänger zu umdribbeln. So lange haben zumindest Schärtels Gegenspieler Zeit zum Durchatmen. Sie werden es genießen.

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