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FC/DJK Weißenburg: Der Klassenerhalt "wäre ein mittleres Fußballwunder"

Kreisliga West

Das Dauer-Schlusslicht der Kreisliga West: Bereits seit November 2019 steht der FC/DJK Weissenburg hinten und sieht nur noch geringe Chancen auf den Klassenerhalt. Für Trainer Philipp Naß und seine Mannschaft ist das „hart“. Vorzeitig in ihr Schicksal ergeben wollen sie sich allerdings auch nicht.

Beim FC/DJK Weißenburg rechnet man sich nur noch geringe Chancen auf den Klassenerhalt aus.

 / © Mühling

Die laufende Fußballsaison, die aufgrund der Corona-Krise auf zwei Jahre gestreckt wurde, zieht sich wie Kaugummi. Für die sportlich Erfolgreichen ist das noch halbwegs angenehm, denn sie können die Tabelle von oben betrachten. Anders sieht es für die Kellerkinder aus. Zum Beispiel für den FC/DJK Weißenburg, der in der Kreisliga West seit nunmehr eineinviertel Jahren das Tabellenende ziert. „Es ist schon hart, wenn man eine solch lange Zeit hinten steht“, sagt Trainer Philipp Naß, der im Verein auch als Fußball-Spartenleiter als erster Vorsitzender aktiv ist. Am 24. November 2019 mussten die Jungs vom Lehenwiesenweg nach einem 2:2 gegen die SG Ramsberg/St. Veit die rote Laterne des Schlusslichts übernehmen. Danach ging es in die Winter- und gleich im Anschluss fließend in die Corona-Zwangspause. Als dann im September 2020 der lang ersehnte Re-Start erfolgte, wollten die Weißenburger eigentlich Boden gutmachen und eine Aufholjagd beginnen. Doch weit gefehlt: Aus vier Spielen gab es nur einen Punkt durch ein 1:1 gegen Cronheim. Ansonsten setzte es Niederlagen gegen Stopfenheim (1:2), Unterreichenbach (1:8) und Absberg (1:3). Die Konkurrenten punkteten zum Teil recht fleißig, sodass der FC/DJK nach dem Herbst-Intermezzo ziemlich abgeschlagen dasteht. Anders würde es aussehen, wenn der Tabellenletzte vier bis sechs Punkte mehr geholt hätte, wie der Trainer sagt. So aber sind es insgesamt nur elf Zähler aus 18 Spielen. Den zweiten Abstiegsplatz nimmt der SV Kammerstein mit 16 Punkten ein. Davor belegen der TSV 1860 Weißenburg II (23) und die SG Ramsberg/St. Veit (24) die beiden Relegationsplätze. Sieben Partien bleiben Naß und Co. noch. Ob und wann sie gespielt werden, ist derzeit noch eine andere Frage.

In etwa wie bei Schalke

Angesichts der Ausgangslage wäre der Klassenerhalt „wie ein mittleres Fußballwunder“, findet Philipp Naß. „Das wäre in etwa so, als wenn Schalke das noch umbiegt.“ Von daher gehen die FCler auch nicht blauäugig in die Restsaison, sondern planen laut Naß eher für die Kreisklasse. „Alles andere wäre so, als ob wir uns in die eigene Tasche lügen.“ Oder anders gesagt: „Es müsste schon extrem viel zusammenkommen, damit wird den Klassenerhalt noch schaffen.“ Die realistische Einschätzung der sportlichen Situation bedeutet allerdings nicht, dass der FC/DJK die Saison schon abgehakt hat und sich ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergeben wird. „Wir werden auch weiterhin alles versuchen“, unterstreicht der Coach, denn: „Wir spielen Fußball, um zu gewinnen.“ Außerdem gebe es im Abstiegskampf vielleicht ja noch eine Chance über den Ligapokal. Der 32-Jährige geht aber trotz der jüngsten Lockerungen und Perspektiven davon aus, dass man sich in Sachen Neustart wohl erst im April ernsthafte Gedanken machen kann. Die FCler wollen darauf vorbereitet sein und haben Anfang Februar ein zweimal wöchentliches Online-Training aufgenommen. Hinzu kommen diverse Challenges, die individuell mit Läufen, Liegestützen und Co. durchgeführt werden. Drei Trainingsgruppen gibt es dabei, deren Ergebnisse dann zusammengeführt werden. Wie gesagt, der Klassenerhalt ist noch nicht abgeschrieben. Für den Fall, dass der Abstieg nicht abgewendet werden kann, will man schauen, „dass wir auch für die Kreisklasse wieder eine schlagkräftige Truppe stellen können“, sagt Philipp Naß, der den abstiegsbedrohten Kreisligisten vorigen Winter nach der Trennung von Alexander Rottler übernommen hatte und seither von Co-Trainer Steve Pfefferlein und Kapitän Daniel Heckel unterstützt wird.

Eigentlich wollte Naß das Amt als Interimstrainer nur bis Mitte 2020 bekleiden und dann an einen Nachfolger übergeben, doch vor allem die Corona-Krise und die daraus resultierende, verlängerte Saison 2019/21 hat alle Pläne durchkreuzt. Aktuell befindet sich der FC/DJK auf Trainersuche, was durch mehrere Faktoren erschwert wird: Persönliche Treffen waren in den vergangenen Wochen nicht möglich; es ist zudem noch ungewiss, wann und wie die Saison konkret weitergeht; und es ist unklar, in welcher Liga der neue Coach übernehmen wird – Kreisliga oder Kreisklasse. Kurzum: „Wir hängen ziemlich in der Luft, aber das geht ja im Prinzip allen so“, sagt Philipp Naß. Dass er selbst als Coach in der Saison 2021/22 weitermacht, ist für ihn „eigentlich ausgeschlossen“. Naß würde aber auch „niemals nie sagen“ und seinen Verein im Notfall nicht hängen lassen. Im Vordergrund steht als erster Schritt aber die Suche nach einem Trainer, der zum Verein und zum Umfeld passt. Nach den sportlichen Aufgaben würde Philipp Naß dann auch das Amt des Abteilungsleiter der Fußballer in andere Hände legen. Und er würde sich verstärkt auf seine Arbeit als erster Vorsitzender konzentrieren. Beim FC/DJK wurde er vergangenen Sommer zum Nachfolger des langjährigen Vereinschefs Mario Aprilia gewählt. Auch in dieser Funktion warten viele Aufgaben und Herausforderungen. Die Mitgliederentwicklung ist beim FC/DJK im Corona-Jahr „etwas rückläufig, aber nicht dramatisch“, wie Naß sagt. Austritte gab es vor allem im Bereich Mutter-Kind-Turnen, wo es aber ohnehin oft zeitlich begrenzte Mitgliedschaften gibt.

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