Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Uwe Neunsinger: "Die machen eh, was sie wollen"

Burgfarrnbachs neuer Trainer im Interview

TSV Burgfarrnbach heißt seit diesem Juli die nächste Station in Uwe Neunsingers facettenreicher Karriere als Fußballtrainer. Einen Namen hat sich der 46-jährige Fürther vor allem als Erfolgscoach des Landesligisten ASV Vach gemacht; SV Schalding-Heining, SC 04 Schwabach oder SV Seligenporten folgten. Mit der Kreisliga machte Neunsinger bereits vor gut sechs Jahren beim SV Raitersaich Bekanntschaft und bewahrte zuletzt als „Feuerwehrmann“ den ASV Veitsbronn-Siegelsdorf vor dem Abstieg aus der Landesliga. Der B-Lizenzinhaber hat schon viel erlebt und dennoch neue Ziele auf der Tulpe.

Uwe Neunsinger steht seit diesem Sommer beim TSV Burgfarrnbach an der Seitenlinie.

 / © Sportfoto Zink

Herr Neunsinger, mit dem 4:2-Sieg am Sonntag steht ihr Team mit sechs Punkten aus den ersten drei Partien ganz passabel da. Zufrieden?

Uwe Neunsinger:
Wir haben sehr viele junge Spieler in unserem Kader, nach dem Abstieg aus der Bezirksliga wurde ein nahezu kompletter Umbruch vollzogen. Akteure wie beispielsweise Tim Förster oder Marcel Hörath aus der eigenen Jugend machen ihre ersten Spiele im Herrenbereich. Die Favoritenrolle wurde uns von der Konkurrenz zugeschustert.

Für Sie sind die Burgfarrnbacher also kein heißer Aufstiegsanwärter?

Neunsinger:
Für uns kommt die aktuelle Saison wohl noch zu früh, um ganz oben mitzuspielen. Beste Chancen besitzen Gutenstetten, der SV Wacker Nürnberg und Poppenreuth. Dann kommen irgendwann wir. Wichtig für uns ist, dass die Jungs sich weiterentwickeln. Sechs Punkte sind zwar ein ordentlicher Start, aber bereits am Sonntag haben wir mit der DJK Eibach das nächste dicke Brett zu bohren.

Sie haben in der Vergangenheit Mannschaften in höheren Spielklassen trainiert. Ist Ihr Ansatz in der Kreisliga ein anderer?

Neunsinger:
Die Höhe der Liga spielt für mich eine untergeordnete Rolle. In höheren Ligen ist eine weitaus höhere Konzentration auf den reinen Sport möglich. Der Fokus der einzelnen Spieler ist gezielter auf den Fußball gerichtet und die Widrigkeiten wie mäßige Trainingsbeteiligung oder auch Urlaubsabwesenheiten während der Saison geringer. Diese Umstände in den Griff zu bekommen, macht letztlich den Reiz der Aufgabe als Kreisligatrainer aus.

Irgendwann ist ein Trainer aber auch „abgenutzt“. Bahnt sich so eine Entwicklung eigentlich an und, wenn ja, woran macht sich das bemerkbar?

Neunsinger:
Das ist unterschiedlich und letztlich davon abhängig, wie der jeweilige Verein arbeitet. Wenn der Klub nicht auf Fluktuation, sondern ausschließlich auf Kontinuität im Kader setzt, ist die Gefahr hoch, dass sich die Ansprache des Trainers abnutzt und er für die Spieler ausrechenbar wird. Länger als drei Jahre kann man so meiner Meinung nach nicht erfolgreich arbeiten. Damals in Vach wurden regelmäßig neue Akteure integriert, was stets auch zur Bildung neuer Hierarchien führte. Dann ist einiges möglich. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel, doch muss ein Trainer einen erheblichen Mehraufwand betreiben, um in einem personell verfestigten Team immer wieder neue Reize zu setzen.

Ihre sportliche Heimat sehen Sie mittelfristig aber schon ab der Bezirksliga aufwärts ...

Neunsinger:
Grundsätzlich bin ich für alles offen. Hochtrabende Zukunftspläne schmiede ich aber nicht. Außerdem weiß man nie, welches Schicksal das Leben für einen parat hält. Vier meiner ehemaligen Co-Trainer sind beispielsweise mittlerweile verstorben.

Stichwort „Vergangenheit“: Welche Station war eigentlich die aufregendste in Ihrer Trainer-Vita?

Neunsinger:
Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Die Zeit beim SV Seligenporten sticht freilich heraus, mit dem Aufstieg in die Bayernliga und der Teilnahme an der ersten DFB-Pokalhauptrunde gegen Arminia Bielefeld. Beim SV Schalding-Heining schafften wir mit einer tollen Serie noch den Verbleib in der Landesliga und legten damit letztlich das Fundament für die heutige Regionalligazugehörigkeit. In bester Erinnerung sind mir zudem noch die super Fußballabende beim SC 04 Schwabach gegen die Club-Amateure oder auch den 1. SC Feucht. Mit einer No-Name-Truppe haben wir es geschafft, in der Bayernliga zu bleiben.

Und der ASV Vach?

Neunsinger:
Dem Verein bin ich freilich noch immer sehr verbunden. Ich informiere mich stets als erstes, wie die Vacher gespielt haben. Keine Frage, dass mein Herz am ASV hängt – nach insgesamt fünf Aufstiegen als Spieler und Trainer. Zu unseren besten Zeiten haben wir in der Landesliga oben mitgespielt, die Reserve in der damaligen Bezirksoberliga.

Nach all den Jahren als Trainer gibt es aber bestimmt nicht nur positive Erinnerungen …

Neunsinger:
Sogenannte Irrtümer gab es genügend. Meine Zeit beim TSV Neustadt/Aisch war ein kompletter Schlag ins Wasser. Auch in Veitsbronn war die „Zusammenarbeit“ mit Abteilungsleiter Markus Hütter eine massive menschliche Enttäuschung, obwohl wir den erneuten Verbleib in der Landesliga gepackt haben. An sich konnte ich bei jeder meiner Stationen etwas bewegen, erlebte in diesem Zuge aber auch sehr viele Fehlentscheidungen von teilweise nicht fußballaffinen Funktionären. Wenn man sieht, wo einige Vereine heute stehen, könnte einem das Herz bluten.

Sie sprechen von Mandatsträgern in den Vereinen. Wie stehen Sie eigentlich zu den Verbandsfunktionären?

Neunsinger:
Die machen eh, was sie wollen. Genannt seien nur die Ersetzung des herkömmlichen Hallenfußballs durch Futsal gegen alle Widerstände von der Basis oder auch aberwitzige Sanktionen. Da werden einige Spieler der SpVgg Jahn Forchheim im Nachhinein gesperrt, da sie nach dem Aufstieg in die Bayernliga einen Feuerwerkskörper gezündet haben. Da sieht man, wie „nahe“ die Herrschaften noch an der Basis sind. Meiner Meinung nach haben es die Vereine verpasst, sich entschlossen gegen diese Entwicklungen zu stemmen. Die hierfür nötige Solidarität zwischen den Klubs besteht jedoch schon lange nicht mehr.

Auch die mitunter hohe Anzahl „Englischer Wochen“, vor allem zu Saisonbeginn, sorgt immer wieder für Unmut bei den Aktiven. Können Sie das nachvollziehen?

Neunsinger:
Die Tatsache, dass beispielsweise in den Landesligen mit teilweise 18 Teams trotz des Saisonauftakts Ende Juli auch unter der Woche gespielt wird, halte ich für absolut fragwürdig. Aber wahrscheinlich ist das nötig, um den aufwändigen Relegationsmodus am Saisonende durchzuführen, in dessen Rahmen sich der Verband bestens in Szene setzen kann. Leid tat mir auch der ASV Cham, der diesen Dienstag für ein Verbandspokalspiel nach Vach reisen musste.

Anderseits ziehen diese Entscheidungs- und Relegationsspiele Zuschauer an. Erachten Sie den Profifußball als großen Feind der kleinen Klubs im Ringen um die Gunst des Publikums?


Neunsinger:
Den Kampf um die Zuschauer haben wir Amateure doch schon lange verloren. Obwohl beispielsweise Veitsbronn in der abgelaufenen Spielzeit erfolgreich Fußball gespielt hat, haben sich im Schnitt gerade einmal 70 Zuschauer auf den Sportplatz verirrt. Die gestaffelten Spieltage der ersten bis Dritten Liga decken sämtliche Zeiten ab, dazu kommen Internet-Live-Streams aus den Regionalligen. Der Anreiz, vor allem bei schlechtem Wetter das heimische Sofa zu verlassen und auf den Sportplatz zu gehen, geht da freilich gegen Null.

Mehr zum Thema