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Das Klima in Fürth und andere Standortvorteile

Nürnbergs liebste Liga Teil 14

Die einen haben die Profikarriere nur knapp verpasst, die anderen träumen vielleicht immer noch davon. Wieder andere wollten sich endlich einmal um Familie und Beruf kümmern, können aber nicht von der Kreisliga lassen. Zwischen Ambition, Resignation und der niemals endenden Lust auf Fußball begleiten wir eine Saison lang Nürnbergs liebste Liga.

Fast auf Augenhöhe: Im Kerwa-Derby trennten sich Poppenreuth und Germania (weiße Trikots) Unentschieden, in der Tabelle hat die Mannschaft aus Fürth noch leichte Vorteile.

 / © Sportfoto Zink

Vielleicht wäre ein anderer Kolumnentitel angebrachter gewesen, aber wer weiß das schon vor Saisonbeginn. Und überhaupt, wie hört sich das denn an: Markt Erlbachs liebste Liga? Oder Gutenstetten-Steinachgrunds liebste Liga? Gut, wahrscheinlich auch nicht schlechter als Nürnbergs liebste Liga, aber eine Spielklasse, in der sich zehn Vereine aus der Stadt versammeln, die darf man schon mal so nennen.

Dumm nur, wenn es dann nach 16 Spieltagen so aussieht, als würden alle anderen diese Liebe intensiver leben als die Nürnberger. Platz eins bis vier, belegt nur von Ortsfremden: Der SV Gutenstetten/Steinachgrund vor dem TSV Burgfarrnbach vor dem TSV Markt Erlbach vor dem SV Poppenreuth. Also sind das nicht nur Ortsfremde, es sind mit Burgfarrnbach und Poppenreuth sogar zwei nachweislich Fürther Mannschaften unter den Spitzenteams von Nürnbergs liebster Liga. Erst auf Platz fünf findet man mit dem SV Wacker eine Mannschaft aus Nürnberg. Nürnbergs liebste Liga geht offensichtlich gerne mal fremd. Nur woran liegt es?

„Vielleicht“, sagt Kurt Heininger, „ist in Fürth einfach das Klima besser.“ Dann lacht der Trainer des SV Poppenreuth, weil das mit dem Klima natürlich keine Erklärung sein kann, vor allem nicht bei einem Verein, der es mit seinem Sportplatz nur gerade so über die Stadtgrenze geschafft hat. Also sagt Heininger auch noch, dass es nicht sonderlich verwunderlich ist, dass der SV Poppenreuth da vor allen Nürnberger Vereinen eine Spitzenmannschaft der Kreisliga ist: „Wir waren ja letztes Jahr schon eine und haben uns im Sommer noch einmal gut verstärkt.“ Sie wollen natürlich so eine Spitzenmannschaft bleiben, auch wenn sie - und alle anderen - ahnen, dass es für die meisten Spitzenmannschaften in diesem Jahr nur zu einem Kampf um Platz zwei reicht. Über allen thront ja der SV Gutenstetten/Steinachgrund, ein Verein, der das Glück hat, einen Gönner gefunden zu haben, der es ihnen erlaubt, in der Kreisliga mit einer Mannschaft zu spielen, die da eigentlich unterfordert ist. „Schade, dass die bei uns in der Kreisliga sind“, sagt Heininger.

Ein Glück, dass wir in dieser Kreisliga sind, sagt hingegen Alexander Drost. Der ist Spielleiter beim TSV Markt Erlbach, der im letzten Jahr ein Mittelfeld-Verein in der Kreisliga Frankenhöhe war. Vor der Saison mussten sie in die Nürnberger Kreisliga wechseln und sind jetzt plötzlich Spitzenmannschaft. Noch ein Beleg für die Schwäche der Nürnberger? Nein, sagt Drost, „wenn es läuft, dann läuft es eben“. Auch bei ihnen ist es so, dass sie sich im Sommer einfach klug verstärkt haben. „Und dann kommt bei uns vielleicht noch der Überraschungseffekt dazu, weil uns die anderen nicht so gut kennen“, sagt Drost.

Alltag statt Absturz

Einer, der sie alle kennt, die in dieser Kreisliga spielen, ist Uwe Neunsinger. Der hat in Bayern schon die halbe Welt trainiert und ist jetzt für den TSV Burgfarrnbach verantwortlich. Der hatte als Absteiger aus der Bezirksliga eigentlich ein sehr nachvollziehbares Saisonziel: „Wir wollten den Total-Absturz vermeiden“, sagt Neunsinger. Jetzt stehen sie auf Platz zwei, es hätte aber noch besser sein können. „Wir haben im Sommer ordentlich gearbeitet und ordentliche Jungs dazubekommen“, sagt Neunsinger, „aber dann hat uns der Kreisliga-Alltag eingeholt.“ Vorher hatten sie sogar gegen Gutenstetten gewonnen, nach dem Einzug des Alltags, fehlte immer mal wieder einer im Training, der nicht hätte fehlen müssen.

Deshalb beschäftigen sie sich jetzt auch in Burgfarrnbach offiziell nur noch mit dem zweiten Platz. Einfach zu verteidigen wird der nicht, glaubt Neunsinger: „In der Kreisliga gibt es einige Mannschaften, die ordentlich kicken können - wenn sie komplett sind.“ Und dann macht er den Nürnbergern Mut: Germania oder Eibach, sagt er, gehören genau zu diesen Mannschaften - „und Wacker hat nach Gutenstetten die beste Mannschaft.“ Nur eine Momentaufnahme ist diese Tabellensituation also. „Ich glaube nicht, dass in Fürth tendenziell besser Fußball gespielt wird“, sagt Neunsinger zum Abschied und macht sich so nebenbei zum Kandidaten für den Pressesprecherposten von Nürnbergs liebster Liga.

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