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Aigkioun Soukri Oglou: Aus Griechenland an die Spitze der Torschützenliste

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 12

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modellathleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4. Eine Saison lang berichten wir über den Fußball, der meilenweit entfernt ist von dem, was man heute modernen Fußball schimpft und der in Verbindung mit Bratwurst und Bier doch jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: der Torjäger.

Eigentlich zu gut für die Kreisklasse: Aigkioun Soukri Oglou (links).

 / © Fengler

Der beste Torjäger der Liga sieht in diesem Moment aus wie ein sehr trauriger Mensch. Aigkioun Soukri Oglou sitzt in der Mittagssonne auf einer weißen Holzbank und schüttelt den Kopf. Dann haut er mit einer kleinen Plastikflasche Wasser auf die Bank, nimmt einen Schluck aus dieser, dann schüttelt er wieder den Kopf. Seine Mitspieler vom GSV Megas Alexandros sind zwei Türen entfernt in ihrer Kabine, aber der 24 Jahre alte Angreifer hat gerade keine Lust, sich von seinem Trainer etwas erklären zu lassen. Hinter ihm liegen 45 Minuten Fußball, in denen seine Mannschaft gezeigt hat, warum sie mit nur sechs Punkten Tabellenletzter ist. Unter gütiger Mithilfe seiner Kollegen und von Torhüter Marious Tzogkou hat der TSV Buch II fünf Tore erzielt, Megas keines. Ob er darüber sprechen will, so alleine im Knoblauchsland?

Aigkioun Soukri Oglou schüttelt wieder den Kopf. Deutsch? „Nur ein bisschen“, sagt er, dann gibt er sich wieder dem Hadern hin. Ein paar Minuten später kommt sein Trainer Nikolaos Georgiadis aus der Kabine, nimmt seinen besten Spieler in den Arm und spricht ihm Mut zu. Besser wird es aber auch in den folgenden 45 Minuten nicht. Buch schießt die Tore zum 6:0 und 7:0, doch dann zeigt Soukri Oglou, warum er in der Torschützenliste ganz oben steht.

Einen leichtsinnigen Ballverlust von Buchs Torwart Maximilian Pfann nutzt er, um sich geschickt einen Elfmeter zu erarbeiten, den er dann auch platziert zum 1:7 verwandelt. Es ist der einzige Lichtblick an diesem ansonsten traurigen Sonntagmittag, an dem der GSV Megas Alexandros die elfte Niederlage im 13. Saisonspiel kassiert. In die Winterpause gehen sie damit als Schlusslicht, doch in der Liste der besten Torschützen steht auch nach der Hälfte der Saison ein Spieler ihres Vereins ganz oben. 16 von 22 Toren des GSV hat Aigkioun Soukri Oglou geschossen.

Paschalis Georgiadis überrascht das nicht. In der vergangenen Saison haben er und sein Kollege in der Offensive den Klub aus der A- in die Kreisklasse geführt – zumindest stellt Georgiadis, der Trainersohn, das dar. Er steht dick eingepackt in Freizeitklamotten neben seinem Vater am Spielfeldrand und nimmt sich viel Zeit, um über ihren talentierten Angreifer, aber auch über die generelle Situation bei Megas Alexandros zu sprechen.

Er tut das sehr offen und ehrlich, weil es auch wenig zu beschönigen gibt. Im Mai gastierte der spätere Aufsteiger Tuspo Nürnberg beim GSV, es ging heiß her, Tuspo führte mit 5:2, sodass Megas den direkten Aufstieg endgültig abschreiben konnte. Dann ließ sich Georgiadis zu einer Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter hinreißen, „das darf mir nicht passieren“, sagt er.

Jugendakademie in Xanthi

Der Verband hat ihn deshalb für viele Monate gesperrt, auf dem Platz ist nun Aigkioun Soukri Oglou komplett auf sich alleine gestellt. Vor knapp einem Jahr kam der zur Rückrunde aus Griechenland nach Nürnberg, wo sein Cousin wohnt und für Megas Alexandros Fußball spielt. „In Griechenland verdienst du vielleicht 2,50 Euro in der Stunde“, sagt Georgiadis, Krise, noch immer. In Deutschland sind die Aussichten trotz eines Jobs als Leiharbeiter jedenfalls besser.

Das Fußballspielen hat der Torjäger der Kreisklasse 4 in der Jugendakademie des griechischen Erstligisten Skoda Xanthi im Norden Griechenlands gelernt, der Sprung zum Profi blieb ihm jedoch damals verwehrt. 1400 Kilometer Luftlinie entfernt sieht man aber in jeder der wenigen Szenen, in denen er den Ball hat, dass er eigentlich zu gut ist für die drittletzte deutsche Fußballliga.

„70 Prozent seiner Tore hat er sich selbst erarbeitet“, sagt Paschalis Georgiadis, doch gegen einen Spitzenmannschaft wie die Zweitvertretung des TSV Buch gelingt Soukri Oglou selbst das nicht. Die meiste Zeit steht er an der Mittellinie, mitunter bleibt auch Zeit für einen Plausch mit seinen weitgehend arbeitslosen Gegenspielern. In der Rückrunde, wenn der gesperrte Georgiadis wieder mitspielen darf, soll aber alles besser werden als an diesem traurigen Sonntagmittag.

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