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Markus Bauer: "Jeder versucht, Talente frühzeitig für sich zu gewinnen"

TV-48-Jugendleiter über über die Kunst, schon im Nachwuchsbereich Weichen zu stellen

Markus Bauer, 32, ist kommissarisch seit September 2018 bis zu den nächsten Jugendleiterwahlen Abteilungsleiter Jugendfußball beim Turnverein 1848 Erlangen. Sein Vorgänger verließ den Verein überraschend, elf Spieler folgten ihm. Daher betreut Bauer nun neben der A-Jugend, die er trainiert, vorübergehend auch noch die U-15-Junioren. Ein Gespräch über Geld, Freundschaft und die Zukunft.

© Zink

Herr Bauer, beim Turnverein gibt es derzeit 13 Jugendmannschaften von der U7 bis zur U19, darüber hinaus sechs Mädchenteams. Was machen andere Vereine falsch, die über Nachwuchsmangel klagen?

Bauer: Ich denke, das liegt vor allem am Einzugsgebiet. In den ländlichen Regionen ist es schlichtweg schwieriger, ausreichend Jugendliche zu bekommen für eine Fußballmannschaft. Dann schließen sich Altersklassen vereinsübergreifend in JFGs zusammen.

Aber auch beim TV lauert im Stadtwesten viel Konkurrenz. Was genau macht Ihren Verein so attraktiv?

Bauer: Neben der attraktiven Sportanlage wird bei uns mit Sicherheit ruhiger gearbeitet als anderswo. Ich war schon beim ATSV und auch beim FSV Erlangen-Bruck, dort herrscht ein anderer Erfolgsdruck als beim TV. Natürlich wollen wir auch erfolgreich sein, keine Frage, aber nicht um jeden Preis. Wir versuchen, den Spaß am Fußball in den Vordergrund zu stellen, ganz ohne Leistungsdruck.

Das scheint anzukommen und genau so zu funktionieren: Der TV spielt in der A-Jugend-Landesliga.

Bauer: Ja, das geht schon auch. Aber man muss auch Glück haben, Spieler zu bekommen, die die großen Vereine nicht entdeckt haben. Da herrscht schon große Konkurrenz – wir zum Beispiel haben starke Spieler aus Spardorf, einen von der JFG NDR Franken, einen aus Neunkirchen bekommen.

Es scheint einen regelrechten Transfermarkt im Jugendfußball zu geben?

Bauer: Jeder Verein versucht natürlich, frühzeitig talentierte Fußballer für sich zu gewinnen – und gleichzeitig seine Talente nicht abgeben zu müssen, das ist ganz klar.

Welche Möglichkeiten hat der Turnverein denn, wenn ein Spieler sagt, er möchte jetzt nach Bruck, nach Eltersdorf, nach Fürth wechseln?

Bauer: Wir sprechen dann natürlich mit dem Spieler, warum er das unbedingt möchte. Aber grundsätzlich legen wir niemals einem Talent Steine in den Weg. Aber wenn man für einen Spieler einst 300 Euro bezahlt hat, dann möchte man die vom aufnehmenden Verein natürlich gerne auch wieder zurück bekommen.

Moment: Es fließen Gelder?

Bauer: Ausbildungsentschädigungen, ja. Aber das finde ich auch legitim: Stellen Sie sich vor, ein Spieler kickt elf, zwölf Jahre in seinem Heimatverein, wird dort gefördert und entwickelt sich hervorragend. Dann tut das besonders weh, ihn abgeben zu müssen. Wenn man für seine Mühen dann für den Verein Geld erhalten kann, das wieder die Möglichkeiten für die Spieler verbessert, macht man das auch. Das ist doch nichts Schlimmes.

Ist der Spieler, der so lange im Verein gekickt hat, die Ausnahme, oder herrscht nach wie vor große Identifikation mit den Heimatvereinen?

Bauer: Das kann man pauschal nicht sagen. Aber die Identifikation wird schon weniger, denke ich. In unserer A-Jugend haben wir aber acht, neun Spieler, die kicken seit der G-Jugend beim TV zusammen und gehören jetzt zu den Stammspielern der Landesligamannschaft. Dazu kommen vier Akteure, die seit der U 12 oder U13 beim TV spielen. Das ist eine gewachsene Mannschaft, das zeichnet diese Jungs auch aus. Wenn aber das Studium kommt, ein Stadtwechsel ansteht vielleicht, oder höherklassige Vereine um die Spieler werben, dann ist es logisch, dass auch sie sich Gedanken machen, ob sie nicht den Verein wechseln.

Reicht die Landesliga nicht, um Spieler auch anzulocken?

Bauer: Doch, das schon. Aber wir sind ja nicht der einzige Landesligist im Spielkreis. Die Liga hilft natürlich, dass sich Spieler von sich aus für uns interessieren.

Dabei heißt es doch immer, die Jugendlichen würden immer unzuverlässiger, Fußball stehe anders als noch vor zehn, zwanzig Jahren, nicht mehr an erster Stelle der Freizeitbeschäftigungen. Ist es manchmal auch schwierig, ein Jugendfußballtrainer zu sein?

Bauer: Nein, wenn nicht grad ein Abteilungsleiter geht und eine Mannschaft mitnimmt, dann ist es problemlos. Die A-Jugend kann ich da nur loben: Die Jungs sind sehr, sehr ehrgeizig. Es gibt selten Trainingseinheiten, bei denen vier, fünf Spieler fehlen. Aber das ist außergewöhnlich, glaube ich, und wie gesagt, hängt das auch damit zusammen, dass die Spieler sich so lange schon kennen und auch in der Freizeit so viel miteinander unternehmen.

Genießt der Turnverein nicht eine Sonderstellung – immerhin ist er regelrecht gesegnet mit vielen Jugendfußballern, die Jahr für Jahr bis zu den Herren dem Fußball treu bleiben?

Bauer: Definitiv geht es uns diesbezüglich sehr gut. Vielleicht, weil der Turnverein nicht die allererste Adresse ist in der Stadt, wenn man an Fußball denkt – nochmal: Bei uns geht es wirklich ruhiger zu als anderswo. Das ist nicht überall so, das merkt man schon in Gesprächen mit anderen Trainern.

Gibt es andererseits vielleicht das Problem, dass man vielen Spielern dann sagen muss: Entschuldigung, aber wir haben keinen Platz mehr für dich, wir sind schon zu viele?

Bauer: Noch läuft das ganz gut und wir haben ausreichend Spieler und müssen auch niemanden wegschicken. Nächstes Jahr kommen nur zwei, im Jahr darauf wieder 16 Spieler auf einen Schlag in den Herrenbereich. Es ist ein gutes Zeichen, finde ich, weil dadurch die Erste immer verjüngt wird. In der Jugend müssen auch wir mehr zusammenarbeiten mit anderen Vereinen. Das, glaube ich, sollten wir im Sinne des Jugendfußballs sowieso noch viel mehr tun als bisher schon.

Um dem Spielermangel im Jugendbereich entgegenzuwirken, hat der Kreis Erlangen/Pegnitzgrund einen neuen Wettkampf-Modus aus der Taufe gehoben.

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