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Uebel: "Wir sind es den Jungs schuldig, alles zu probieren"

Nach dem 1:1 gegen Post

Im Sommer 2014 übernahmen Benny Uebel und Marco Fuchs den Trainerposten beim A-Klassisten SV Wacker. Vier Jahre, zwei Aufstiege und einen Klassenerhalt später übergaben sie das Amt beim Kreisligisten SV Wacker an Stefan Sattler. Der blieb nur vier Monate. Die Konsequenz: Fuchs und Uebel sind zurück an der Seitenlinie und versuchen dem SV Wacker einen zweiten Klassenerhalt zu bescheren.

„Nur wenn alle mitziehen, kommen wir noch mal wieder“: Benny Uebel (rechts) und Marco Fuchs (links, daneben Torwarttrainer Andreas Demas) haben Wacker einst nach oben geführt, jetzt wollen sie die Klasse halten.

 / © Stefan Hippel

„Letzte Saison haben wir hier noch 3:7 verloren, sonst hat sich aber eigentlich nichts geändert“, kommentiert Wacker-Coach Benny Uebel das 1:1 seiner Mannschaft beim Post SV nach dem Abpfiff. Im Umgang mit Spielern, Betreuern und Zuschauern wirkt er dabei so, als wäre er nie weg gewesen, so als wäre der nervenaufreibende Sieg beim Meister Gutenstetten, der den Klassenverbleib sicherte, höchstens ein paar Tage her. In Wirklichkeit liegen zwischen jenem letzten Spiel von ihm und Marco Fuchs an der Seitenlinie und dem sonntäglichen Gastspiel in Erlenstegen 281 Tage, mehr als neun Monate.

Die Rückkehr, das betonen Fuchs und Uebel gleichermaßen, war wohlüberlegt und mit klarer Ansage: „Wir haben vorher mit den Jungs gesprochen und ihnen deutlich gemacht, wenn es so dahinplätschert wie in der Hinrunde, dann machen wir nicht mit. Nur wenn alle mitziehen, kommen wir noch mal wieder.“ Die Mannschaft versprach, ihr Bestes zu geben. Die Wintervorbereitung deutete an, dass dies nicht nur ein leeres Versprechen ist, meint Uebel: „Im Rahmen des Möglichen für einen Amateurverein sind wir absolut zufrieden mit der Vorbereitung.“

Unkonventionelle Laufwege

Auch am Sonntagnachmittag beim Post SV ziehen alle mit. Es ist über weite Strecken ein Kreisligaspiel, das kreisligatypischer nicht sein kann: Grätschen fliegen, Ballannahmen sind unsauber, Laufwege unkonventionell, Gewaltschüsse rauschen weit am Tor vorbei. Beiden Teams ist in Sachen Engagement nichts vorzuwerfen. Gerade beim SV Wacker ist jeder sichtlich bemüht, die neuen alten Trainer nicht zu enttäuschen.

„Vor allem in der zweiten Halbzeit war es schon ein sehr zerfahrenes Spiel, da ging nicht viel auf beiden Seiten“, gibt Uebel unumwunden zu, schiebt aber zu Recht nach, dass Wacker nach der Pause sogar die einzig klare Torchance hatte. Vor der Pause hatte Ott nach einem Abspielfehler des Post-Torwarts die Gäste in Führung gebracht, Ölcer nur drei Minuten später per Hacke ausgeglichen.

Diesen Gegentreffer nehmen die beiden Trainer fast gleichförmig wahr: Ungläubiges Staunen dominiert. Ob darüber, dass gleich drei Gastgeber nach einer Ecke näher am Ball sind als die eigenen Verteidiger oder über das ganz und gar nicht kreisligatypische Tor, ist nicht zu klären. Etwas anderes dagegen ist schnell zu klären, wenn es um Fuchs und Uebel geht: „Eine feste Aufgabenaufteilung gibt es bei uns nicht. Wir kennen uns schon so lange und wissen, wie der andere denkt.“ Das zeigt sich auch im Verhalten während des Spiels: Anfangs steht Fuchs an der Seitenlinie, kommuniziert rege mit den Spielern, hält Kontakt mit dem äußerst redefreudigen Schiedsrichterassistenten. Uebel dagegen steht weiter hinten, bleibt dabei auch nicht leise und gibt Anweisungen. Je länger das Spiel dauert, desto mehr nähert sich Uebel Fuchs’ Position am Seitenrand an. Dieser geht dann weg, um sich einen der beiden Einwechselspieler zu schnappen und heiß auf seinen Einsatz zu machen. Danach tritt er wieder ins Gespräch mit dem Linienrichter, Uebel dagegen lehnt sich an die Bande neben der Ersatzbank. Kollidiert wird trotz mehrfachen Ortswechsels nicht, untereinander konferiert ausgiebig.

Nach dem Spiel ist es dann eher Uebel, der die Fragen beantwortet, während Fuchs sich zurückhält. „Es ist schon auch ein Grund dafür, dass wir das noch mal machen, dass wir denken, dass wir den Jungs es schuldig sind, alles zu probieren, die Klasse zu halten, nachdem wir gemeinsam den langen Weg nach oben gegangen sind und letzte Saison bis zum letzten Spieltag zittern mussten“, erklärt Uebel dann auch. „Das hat für einige graue Haare gesorgt“, fügt der 36-Jährige hinzu und fährt sich mit der Hand durch die sichtlich ergrauten Stellen am Kopf.

Fuchs, obwohl zwei Jahre älter ohne graue Haare, überprüft derweil die Resultate der Konkurrenz, die größtenteils hohe Niederlagen einstecken musste und lächelt: „Bei den Ergebnissen ist der Punkt hier vielleicht noch einmal Gold wert.“ Vielleicht kommt sein Kollege am Ende der Saison ja doch ohne neue graue Haare davon.

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