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Tarone: Türkspor ist "irgendwann stehen geblieben"

Bezirksliga Nord

Gegen den SV Gutenstetten kassierte Türkspor seine höchste Saisonniederlage. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz schrumpfte durch die 0:7-Pleite bedenklich.

Es war ein Nachmittag zum Vergessen für Necati Güler (rechts) und Türkspor. Stetten zeigte mehr Biss und kaufte den Gastgebern den Schneid ab.

 / © Sportfoto Zink / D.Marr

"Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden.“ Mehmet Marabaoglu war bedient, sprachlos fast nach der Niederlage Türkspors gegen den SV Gutenstetten. Irgendwas zu seiner Mannschaft sagen musste der Trainer des Bezirksligisten natürlich trotzdem, und geschrieben werden will dieser Text ja auch. Wie aber sprechen, was schreiben über eine 0:7-Heimpleite? Versuchen wir es mit einem Bild: 20 Grad, lockere Bewölkung und leichter Wind – der vergangene Sonntag war einer dieser herrlichen Frühlingstage, die man gerne in Liegestühlen verdöst und mit dem ersten Sonnenbrand des Jahres bezahlt. Türkspors Liegestuhl war ein Fußballplatz, der Auftritt schläfrig, das Erwachen so unangenehm wie eine tiefrot gegrillte Gesichtspartie.

Hatte Türkspor das Hinspiel in Stetten noch 2:0 gewinnen können, deutete sich beim zweiten Vergleich in dieser Saison früh an, dass das Rückspiel ungleich schwerer würde. „Defensiv stehen und dann schnell umschalten“, das hatte Gästetrainer Daniel Tarone seiner Mannschaft als Marschrichtung ausgegeben, und so leer diese Floskel zunächst klingen mag: Die Taktik funktionierte prächtig. Offensiv fiel dem Gastgeber gegen die aufmerksame Gästeabwehr wenig ein, defensiv präsentierte sich er hingegen vogelwild. Eine knappe halbe Stunde dauerte es, dann holte Heimkeeper Ferhat Albayrak SVG-Stürmer Frank Kirschner von den Beinen, den fälligen Strafstoß verwandelte Simon Adlung zum längst verdienten 1:0.

„Es ist nichts passiert, die spielen nur Fußball!“, hörte man nach dem ersten Gegentreffer noch von der Türkspor-Bank, was zu diesem Zeitpunkt schon nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit war. Denn die konnte ja nur lauten: Sie spielen viel besser als ihr. Immer wieder ließ sich die Abwehr der Gastgeber von den schnellen, mitunter glänzend vorgetragenen Angriffen des SVG übertölpeln. Je hilfloser der eigene Auftritt, desto mehr schien man darauf zu hoffen, dass der Schiedsrichter ein Einsehen haben möge. Allein, das Reklamieren auf Abseits ist keine Abseitsfalle.

Nur knappe zehn Minuten zu Beginn der zweiten Hälfte, der SVG hatte bis dahin schon zwei weitere Treffer erzielt, vermochte Türkspor die Gäste unter Druck zu setzen. Es waren zehn Minuten, in denen unter anderem Spielertrainer Marabaoglu den Anschlusstreffer auf dem Fuß hatte, aber ebenso an Gästekeeper Daniel Himmrich scheiterte wie wenig später Necati Güler. „Wenn uns in dieser Phase das 1:3 gelingt, dann können wir vielleicht noch was drehen“, meinte Marabaoglu.

Es gelang nicht, stattdessen erzielte Gutenstetten nach einer Ecke sein viertes Tor und nahm nun völlig demoralisierte Gastgeber mit recht kühler Präzision auseinander. „Die sind irgendwann stehen geblieben“, fand SVG-Coach Tarone, was Marabaoglu nicht einmal abstreiten, sondern nur zu erklären versuchen konnte: „Wir sind eben eine südländische, eine emotionale Mannschaft. Das 0:4 war tödlich.“ Ein Sieg, eine Niederlage, ein Unentschieden – aus der von vielen Wechseln geprägten Winterpause war Türkspor mit passablen Ergebnissen gekommen, die mit nur ein wenig mehr Glück sogar noch besser hätten ausfallen können. Im Abstiegskampf war die höchste Niederlage dieser Spielzeit allerdings „ein herber Rückschlag“, so Marabaoglu, der jedoch auch dann nicht in Nervosität ausbrechen mag, nur weil der TV 48 Erlangen nach einem 6:0 über Cagrispor gefährlich nah an Türkspor herangerückt ist: „Noch haben wir drei Punkte Vorsprung, wir haben drei Spiele weniger absolviert und wir spielen noch gegen die Mannschaften vom Tabellenende“, zählte der Coach auf, warum er sich um den Klassenerhalt in der Bezirksliga nun wirklich nicht sorgt.

Und während er doch langsam zu Worten fand, um die höchste Saisonniederlage zu erklären, hatte Marabaoglu noch einen vierten Mutmacher parat: „Solche Spiele erlebst du auch im Profibereich. Ich erinnere mich jedenfalls gut an das WM-Spiel Brasilien gegen Deutschland. Seitdem ist den Brasilianern so etwas auch nicht mehr passiert.“

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