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Post SV II vs. SSV Elektra Hellas: Wenn die Ausdauer nicht ausreicht

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 21

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modellathleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4 und berichten über den Fußball, der in Verbindung mit Bratwurst und Bier jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: Psychologie.

Die zweite Mannschaft des Post SV rückt in der Kabine eng zusammen: Mit jugendlicher Kraft wollten sie Elektra Hellas „müde spielen“. 

 / © Sportfoto Zink / T.Hahn

Manchmal ist der erste Schritt zum Spielvorteil einfach eine gekonnte Provokation. Zumindest in der Kreisklasse. Die nötige Brise Neckerei, vehementes Dagegenhalten und danach etwas gespielte Unschuld – schon reißen die Nerven des gegnerischen Torjägers Engin Kalender. So viel zur Theorie.

Diese Prophezeiung von Michael Luntz, dem Co-Trainers des Post SV II, sollte sich schon in der ersten Halbzeit erfüllen. Dass die Voraussagung sich exakt so bewahrheiten würde, damit hatte allerdings auch er nicht gerechnet.

„Ich lasse mich nicht bedrohen“

Zum großen Eklat kommt es in der 33. Minute des Spiels. Zuvor hat Tobias Hoffmann den Post SV II mit einem Distanzschuss in Führung gebracht. Engin Kalender strebt danach zum Ball, Jan Hecking hält vehement dagegen. Hecking zeigt eine starke Leistung in der Abwehr und ist ab Minute eins Kalenders Wachhund, nur dass der mitspielende Trainer des Post SV II kein lieber Hund ist, sondern dem Auftrag nachgeht, dem gefährlichen Stürmer von Elektra Hellas möglichst in die Quere zu kommen. Der Freistoß nach einer Rangelei der beiden geht an den Post SV II, Kalender beschwert sich und bekommt die Gelbe Karte.

Zeitweise ist die Anspannung auf dem Rasen der Mögeldorfer Sportanlage jetzt fast greifbar. Was danach folgt, will Jan Hecking nicht gehört haben. Jedenfalls steigt die Aggression Engin Kalenders’ ins Unermessliche. Dem Schiedsrichter ist es Grund genug, die Gelb-Rote Karte folgen zu lassen. „Ich lasse mich nicht bedrohen“, stellt er für alle hörbar klar. Der Handvoll Zuschauer der Partie beschert der Vorgang ein Wechselbad der Gefühle: Erschrocken offenstehende Münder, wütende Blicke und genervte Kommentare wechseln sich in schneller Folge ab. Danach überwiegt die Freude über den Platzverweis des Gegners.

Das Aufreger-Thema auf dem Platz heißt also wie schon im Hinspiel: Engin Kalender. Damals schoss der frühere Regionalliga-Spieler sechs Tore. Im Rückspiel war der erste Schachzug, den gefährlichen Stürmer Schachmatt zu setzen. Die erste Halbzeit der Partie läuft so, wie es sich der Post SV II vorgestellt hat: Funktionierendes Zusammenspiel in der Abwehr, Torchancen, wenn auch die Treffgenauigkeit im Abschuss fehlt. Die Stimmung zur Halbzeit ist deshalb gelöst, der ein oder andere Spieler ringt noch um Atem. Feuchter Schweißgeruch wabert um die Sitzbänke im schummrigen Licht der Kabine. Zwölf Spieler des Post SV sitzen dort eng beieinander.

Dreimal drei Punkte sollten es werden in den nächsten drei Spielen. Und noch gibt es gute Chancen, dieses Ziel auch zu erreichen, dem Ligaverbleib näher zu kommen. Die Anweisungen zur Halbzeit sind klar: „Ganz genauso konzentriert bleiben“ und „stabil stehen“, sagt Michael Luntz. Das ist der Mannschaft seit Beginn der Rückrunde recht gut gelungen, findet auch Jan Hecking. Vier Gegentore mussten sie in den ersten fünf Partien einstecken. Gegen Elektra Hellas sei entscheidend, dass „die Null steht“, beschwört Luntz, wie ein Mantra.

Die Spieler kämpfen weiter mit ihrer Kurzatmigkeit. Die Erinnerungen an die 0:10-Niederlage in der Hinrunde sitzen tief. Jetzt sollen sie weiter Druck machen, „bis der Akku leer ist“. Ein kurzer Kampfschrei, dann schwärmt die Mannschaft aus, der Geruch in der Kabine ist kaum zu ertragen. Auf dem Rasen erwarten sie die Sonnenstrahlen und eine handvoll Fans. Die sind beschwingt vom Verlauf der ersten Halbzeit, dem Vitamin D der Sonne und einem Bier.

Als der Akku leer wird

Die Fans treffen auf eine Mannschaft, die sich zur zweiten Halbzeit gewandelt hat. Kurz nach der Halbzeit verliert der Post SV II die Führung. Obwohl der Gast in Unterzahl spielt, wird die Post immer weiter zurückgedrängt. Ein Handelfmeter der Gäste landet nur an der Latte, dann aber sorgt ein Abstimmungsfehler zwischen Torwart Joshua Peschel und Jan Hecking für die entscheidende Torchance des Gegners. Peschel läuft zu weit aus dem Tor heraus, so dass ein Distanzschuss von Ioannis Palpanis in der 72. Minute darin landen kann. In der zweiten Hälfte des Spiels fällt die Post wieder ins alte Muster zurück, steht nicht immer so stabil. Sie verpassen die drei Punkte, das Spiel endet 1:1. Woran der Plan, den Gegner müde zu spielen, gescheitert ist? „An Kraft und Ausdauer“, gesteht Jan Hecking. Die Mannschaft war am Ende eben: am Ende.

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