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Riegler: "Das wird die SpVgg Ansbach noch Jahre beschäftigen"

Nach dem Rückzug der Reserve

Harald Riegler hat schon viel erlebt bei der SpVgg Ansbach, die nun feststehende Entscheidung, die zweite Mannschaft nach dem Abstieg aus der Kreisliga vom Spielbetrieb abzumelden, ist für den 64-Jährigen ein Tiefpunkt. Er befürchtet Konsequenzen auch für die Bayernliga-Mannschaft.

Ansbach lebt von seiner Jugendarbeit. Dass der Verein seine Reserve abmelden musste, ist für Abteilungsleiter Harald Riegler ein herber Rückschlag.

 / © Zink / JüRa

Harald Riegler klingt am Telefon ziemlich zerknirscht: "Ich war nicht der Einzige, der dagegen war. Wir haben bis letzten Donnerstag alles versucht", erklärt er. Am Ende aber hat es nicht gereicht: "Uns haben einfach die Spieler dazu gefehlt. Mit 30 Mann brauchst du keine zwei Mannschaften zu bilden". Dass die SpVgg Ansbach als Bayernligist Probleme bekommen würde, eine Reserve zu stellen, war dabei zunächst gar nicht ersichtlich. Frühzeitig wurden bei Akteuren der "Zweiten" und beim älteren U19-Jahrgang die Bereitschaft für ein (weiteres) Engagement abgefragt, erklärt Riegler, "zunächst haben auch nur zwei angekündigt, im Sommer zu gehen". Sukzessive verabschiedeten sich aber immer mehr Spieler - ein Lawineneffekt inmitten einer zudem sportlich turbulenten Saisonschlussphase in der Kreisliga Nürnberg/Frankenhöhe 1, an deren Ende die SpVgg Ansbach II gar noch unter den Strich rutschte.

Der Abstieg in die Kreisklasse bedeutete letztlich den Todesstoß für die Reseve, die nur mit Unterstützung der U19 den Spielbetrieb hätte aufrechterhalten können - Einsätze in Herrenmannschaften sind allen A-Jugendlichen ab 18 Jahren erlaubt. "Vom jungen U19-Kader hat sich aber kein einziger bereit erklärt, in der 2. Mannschaft auszuhelfen", so Riegler. Das sei die Crux an einem Nachwuchsleistungszentrum, wie es die SpVgg Ansbach betreibt, erklärt der Abteilungsleiter, viele hätten nach Jahren in den höchsten Jugendligen Bayerns einen anderen Anspruch, seien sich schlicht zu fein, durch die Dörfer zu ziehen. "Das ist letztlich auch eine Mentalitätsfrage bei den Jugendlichen", sagt Riegler und schwärmt etwa vom hoch veranlagten 94er-Jahrgang, der sich damals in der Reserve dem Herrenfußball annäherte. "Mit ausschlaggebend war das Werben der Vereine in der Umgebung", so Riegler, "Schuld sind letztlich die Spieler selbst, die sportliche Qualifikation für die Kreisliga nicht geschafft zu haben." 

So verlassen nun auch sieben Akteure, die bis zuletzt bei der SpVgg Ansbach ihre Zukunft sahen, den Verein. Er selbst hätte gerne dennoch den Versuch unternommen, wäre mit einer Reserve in die neue Saison gestartet, "sie hätte mit Jürgen Paul einen hervorragenden Trainer gehabt. Und wenn es dann eben nicht klappt, zahlst du 100 Euro, ziehst zurück und startest in der kommenden Saison in der A-Klasse", so Riegler, der auch sagt: "Ich habe meine Zweifel, dass im Verein alles dafür probiert wurde."

Natürlich hat all das auch Konsequenzen für die Bayernligamannschaft von Neu-Trainer Robert Kovacic, glaubt der Abteilungsleiter: "Ergänzungs-, Prespektivspieler und Spieler nach Verletzungen bekommen keine Spielpraxis mehr", die Spieler bei Laune zu halten, werde herausfordernd. Aber den gravierendsten Einschnitt bekäme mittelfristig die Nachwuchsförderung zu spüren: "Man kann vielen U19-Spielern keine Zukunft mehr bieten, denn es kann einfach nicht jeder sofort den Sprung in die Herren-Bayernliga schaffen." Natürlich werden auch künftig die vielversprechendsten Talente sofort für den Kader der 1. Mannschaft akquiriert, viele Akteure werden die SpVgg aber nach der A-Jugend verlassen, also ohne sich im Verein eine Zeitlang an den Herrenfußball gewöhnen zu können und zu schauen, ob die Reise nicht doch noch in Richtung Bayernliga-Kader gehen könnte. Eine Tatsache, so glaubt Riegler, die sich rächen könnte für einen Verein, dessen 1. Mannschaft vor allem von der eigenen Ausbildungsarbeit und weniger von Sponsoren lebt. Zwar seien Kooperationen mit Vereinen aus dem Umland angedacht, Verleih-Deals, "aber es ist schwer, so die Entwicklung der Spieler zu verfolgen." Man sei zudem von den Trainern der jeweiligen Vereine abhängig, "auch die Spieler müssten da mitmachen." Und am Ende der Kooperation brav zurückkehren.

Zehn Spieler haben schon neue Teams

Des einen Leid ist des anderen Freud, denn natürlich werden bei der SpVgg ausgebildete Talente von Vereinen im Ansbacher Umland mit offenen Armen empfangen: So gehen zum ESV Ansbach/Eyb Keeper Julian Bischof, Walid Ibrahim, Tobias Wachmeier und Leon Reichel, die SG Herrieden hat sich die Dienste von Philipp Paul gesichert, Franken Schillingsfürst verstärkt sich mit Maurice Riedel und Thomas Grams, und der FV Dittenheim freut sich über Jonas Schmauser. Auch die Wechsel von Mika Schmidt und Nils Neubauer in Richtung SC Großschwarzenlohe stehen schon länger fest. "Bei vielen anderen ist es noch in der Schwebe", so Riegler. 

"Das wird die SpVgg Ansbach noch viele Jahre beschäftigen", glaubt er, "ich habe Angst, dass uns das um die Ohren fliegt." Es ist übrigens keine Premiere für Ansbach: 1993 zog sich die SpVgg aus der damaligen A-Klasse (entspricht der heutigen Kreisliga) zurück - auch damals waren es Spielerabgänge, die die Verantwortlichen zu diesem Schritt bewog. Lediglich zwei Spielzeiten lang war Ansbach damals ohne 2. Mannschaft, dann fand sich eine Mischung aus Veteranen und dem 78/79-Jahrgang, die einen Neuanfang in der C-Klasse wagte. Will die SpVgg Ansbach in den kommenden Jahren wieder eine zweite Mannschaft an den Start bringen, müsste diese für gewöhnlich in der untersten Klasse starten - schwer zu glauben, dass sich NLZ-Talente finden, die das mitmachen. "Vielleicht finden wir ein paar Kicker auf der Straße", so Riegler, "oder wieder einen Jahrgang, der es dann doch durchzieht."

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