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FC Stein: Ein Überlebenskampf hinter den Kulissen

Heimspiel

Viel zu lange hatte der Kreisligist FC Stein nur seine Herrenmannschaft im Blick. Das macht sich nun bemerkbar. Der Verein kämpft um seine Existenz und ist sich sicher: Nur der Jugendfußball kann ihn retten.

Und irgendwann standen sie dann im Regen: Uwe Kroll (ganz links) undsein Trainerteam beim FC Stein.

 / © Zink/ThHa

Dass das ein wenig paradox ist, wissen sie beim FC Stein selbst gut genug: Noch in der letzten Saison kämpfte die Mannschaft bis fast zuletzt gegen den Abstieg. Dagegen war diese Saison fast schon langweilig solide: Sechster Platz, 49 zu 48 Tore, 15 Punkte auf den Tabellenersten, 14 auf den ersten Absteiger. Also alles wieder gut? Sicher nicht. Denn an anderer — für den gesamten Verein viel wichtigeren — Stelle sind die Steiner akut gefährdet: Dem Verein fehlt der Nachwuchs.

Das geht zwar vielen Vereinen in dem ein oder anderen Bereich so, beim FC Stein ist die Situation allerdings mittlerweile existenzbedrohend. „Wir haben das letzte Jahrzehnt in Sachen Nachwuchs komplett versäumt“, gibt der Vorsitzende Uwe Kroll offen zu. „Wir haben den Fokus zu sehr auf die Herren-Mannschaften gelegt.“ Die Folge: In dieser Saison hatte der FC Stein keine einzige Jugendmannschaft im Großfeldbereich mehr.

Wie konnte es soweit kommen? Das fragt sich auch Uwe Kroll. Schließlich ist sein Verein nicht in einem Dorf, wo leere Kabinenplätze und aus der Not geborene Spielvereinigungen oft schon zum Fußball-Alltag gehören, sondern in einer Stadt mit immerhin 1000 Einwohnern, direkt im Einzugsgebiet von Nürnberg und Fürth. „Das Freizeitverhalten hat sich heute sehr stark verändert“, so Kroll. „Früher lag da nur der Ball, heute bekommen wir viel mehr Konkurrenz vom PC oder der Konsole.“ Die Schuld aber nur woanders zu suchen, das ist ihm zu einfach. „Wir haben eine gewisse Arroganz bekommen, weil einfach so viele Kinder und Jugendliche zu uns gekommen sind.“ Doch spätestens im Jugendalter verließen viele den Verein wieder: „Von der E-Jugend bis zur A-Jugend bleiben nur 10 Prozent hängen.“

Was nicht so schlimm wäre, wenn einfach neue Spieler nachgerückt wären. Doch das blieb in Stein aus, denn kaum jemand kümmerte sich um Nachwuchs. Dort, wo noch vor Jahren zehn E-Jugendmannschaften trainierten, kickt heute keiner mehr, die vielen Ausflüge und Fahrten zu Turnieren in andere Länder sind nur noch eine Erinnerung — zumindest bis jetzt. Ab der kommenden Saison wird es in Stein erstmals wieder eine D-Jugend-Mannschaft geben. Auch bei den Bambinis keimt große Hoffnung: „Wir sind mit vier Kindern gestartet, jetzt haben wir schon 26 Interessierte“, sagt Kroll stolz. „Wir sind wieder dran, uns von ganz unten aufzubauen.“

Spricht der Vorsitzende darüber, klingt das ein wenig wie bei einem Biologen, der eine längst ausgestorben geglaubte Art wiederentdeckt hat. Wer die Vereins-Homepage besucht, dem springt gleich ganz oben der Aufruf entgegen, den Jugend-Mannschaften beizutreten. Gleich darunter steht Krolls Handynummer. Er hat die Suche nach Nachwuchs zur Chefsache erklärt. Kein Wunder, denn aus seiner Sicht steht nicht weniger als die Zukunft des Vereins auf dem Spiel: „Die erste Mannschaft ist zwar schon älter, aber die Jungs sind bereit, noch ein paar Jahre zu machen. Dass hilft uns, noch einige Jahre zu überstehen”, sagt er — und verbessert sich gleich danach: „zu überleben.“

 Sein Plan: „Wir können nur eines machen: etwas bieten.“ Deshalb will er besonders viel Energie in die Suche und Ausbildung von Trainern stecken. „Trainer zu finden, ist nicht ganz einfach, aber wir müssen welche an Land ziehen. Wir brauchen engagierte Leute mit Trainerscheinen. Daran werden wir gezielt arbeiten“, so Kroll. Es solle nicht so laufen wie noch früher, wo es oft hieß, „ich hab zwar keine Ahnung davon, aber ich mach’ es jetzt halt mal”. Aber auch außerhalb des Platzes wollen die Steiner für junge Spieler attraktiv sein. Gemeinsame Ausflüge und Reisen zu Turnieren in aller Welt sollen die Jungen enger an den Verein binden, um sie so möglichst lange halten zu können. Außerdem spricht Kroll Schulen an, um mit ihnen zu kooperieren: „Wir können dort zum Beispiel Turniere veranstalten und die Schüler damit motivieren, ein Probetraining mitzumachen“, erklärt er. 

Die effektivste Strategie sei aber immer noch Mund-zu-Mund-Propaganda: „Am besten ist es, wenn die Spieler selbst ihre Freunde dazugewinnen.“ Kroll ist zudem offen, den Verein — vor allem in Sachen Bürokratie — digitaler aufzustellen: Für die Jugend sei es angenehmer, „wenn der ganze Papierkram viel einfacher wäre.“ Nichts desto trotz beschäftigt sich der Verein auch mit Alternativen: „Wir werden vermutlich die ein oder andere Spielgemeinschaft probieren, da es sonst einfach zu lange dauern wird“, so Kroll. Auch eine Vereinsfusion sei in einer solchen Situation eine Möglichkeit, doch „damit beschäftigen wir uns momentan nicht.“ Stattdessen ist das Ziel jetzt klar: „Wir arbeiten uns Jahrgang für Jahrgang nach oben“, sagt er. Um dann in einigen Jahren auch bei der Nachwuchsarbeit nicht mehr abstiegsgefährdet zu sein.

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