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Wagler: „Mir war wichtig, dass wir nicht sagen, das 3:0 reicht uns“

Nürnbergs liebste Liga Teil 1

Die SG Viktoria Nürnberg-Fürth 1883 macht sich mit einem 6:0 gegen den FC Stein zum ersten Tabellenführer der neuen Kreisliga-Saison.

Ab durch die Mitte, ab an die Tabellenspitze: Die SGV 1883 überzeugt im ersten Saisonspiel gegen den FC Stein.

 / © Fengler

Sechsmal fährt der Zug ab an diesem Nachmittag an der Regelsbacher Straße. Die Sportgemeinschaft Viktoria Nürnberg-Fürth 1883 hat einen etwas sperrigen Namen, was nach zwei Fusionen vielleicht so sein muss – ihre Herkunft aber haben sie über die Zusammenschlüsse nicht vergessen. Einer der Vereine, die in der SG aufgegangen sind, war der ESV West, ein Eisenbahnersportverein, auf dessen Gelände heute noch das (Fußball-)Herz des neuen Vereins schlägt. Dass sie dort derzeit nur Kreisliga-Fußball anbieten, passt nicht so recht zu den Ambitionen der SGV, soll sich aber vielleicht schon am Ende dieser Saison ändern.

Der erste Spieltag hat ihnen da Hoffnung gemacht. 6:0 steht es am Ende gegen einen erstaunlich chancenlosen FC Stein, sechsmal also hört man die Torhymne an der Regelsbacher Straße, sechsmal wird die eingeleitet durch Lokomotiven-Lärm. In der vergangenen Spielzeit, der ersten nach dem Abstieg aus der Bezirksliga, hörten sie diese Töne zu selten. Deshalb hatten sie sich früh entschlossen, den Vertrag mit Trainer Michael Lauth nicht zu verlängern. Schon im Winter hatten sie stattdessen gemacht, was in Fußball-Deutschland derzeit auch an hochklassigen Standorten immer wieder funktioniert: Dirk Wagler hatte einst bei der SG mit seiner Jugendarbeit Eindruck gemacht und sollte nun der ersten Mannschaft helfen.

Weil Wagler das auch wollte, steht er nun nach diesem für Stein fürchterlichen 6:0 auf dem Sportplatz und schwärmt. Zunächst einmal von seiner Mannschaft, die da in den 90 Minuten zuvor wenig Gnade hat walten lassen mit den Gästen. „Die Mannschaft hat nicht nachgelassen, wir wollten Tabellenführer sein nach dem ersten Spiel“, sagt Wagler, der dann aber auch noch präzisiert. Die Sache mit der Tabellenführung haben sie sich erst nach dem Tor zum 4:0 überlegt, sagt Wagler, „vorab wäre das vermessen gewesen“.

Vorab sind sie zurückhaltend optimistisch in die Spielzeit gegangen. „Wir müssen schauen, dass wir die Spielklasse wieder den äußeren Begebenheiten anpassen“, hatte Wagler schon im Frühling gesagt, als er die Spiele der SGV noch als zukünftiger Trainer verfolgt hat. Es war damals der SC Germania zu Gast bei der SGV und Wagler sah, wie aus einem 1:0-Pausenvorsprung am Ende noch ein 1:1 wurde. So etwas soll sich in dieser Saison nicht wiederholen. Deshalb haben sie gegen Stein auch nicht aufgehört, nach vorne zu spielen. „Mir war wichtig, dass wir nicht sagen, das 3:0 reicht uns“, sagt Wagler und erinnert sich auch nach dieser gelungenen Übung noch an die nicht wirklich glückliche Vorsaison: „Letztes Jahr gab es immer wieder Rückschläge, wenn wir das diesmal vermeiden, dann schaut es zumindest so aus, dass wir bis zum Ende oben dabeibleiben.“ Im Verein gibt man sich ähnlich zurückhaltend. „Ob es für die beiden Spitzenplätze reicht, wird sich zeigen“, gibt Abteilungsleiter Stefan Johannsen in der Stadionzeitung den Zuschauern die Anleitung für eine entspannte Grundhaltung.

Andererseits sprechen zehn Neuzugänge – von denen gegen Stein drei in der Startformation stehen – dafür, dass sie da einen richtigen Neuanfang wollen bei der SGV und das mit neuen Ambitionen verbinden.

Vor der Saison waren sie gemeinsam im Trainingslager. „Wir müssen dankbar sein für die Möglichkeiten, diewir hier haben“, sagt darüber Wagler, „ich halte das nicht für selbstverständlich, dass man als Kreisligist diese Möglichkeiten bekommt.“ Seine Spieler zeigen sich dankbar und feiern die Treffer von Konstantin Hofbauer, Munteser Abdulhadi, Dominic Rührer, Markus Schaffner, Martin Lorenz und Mert-Ali Sabsiz nach der Partie so, wie das bei der SGV üblich ist: Mit einem Singsang, den auch der Trainer noch nicht versteht. „Ich habe nur die Lippen bewegt“, sagt Wagler, „aber der Kapitän hat mir versprochen, dass er den Text bald in unsere WhatsApp-Gruppe stellt.“ Dass Wagler bald mehr versteht als nur Bahnhof.

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