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Tuspo Nürnberg: Und draußen sitzt der ewige Metin

Nürnbergs liebste Liga Teil 6

Tuspo Nürnberg offenbart nach dem Aufstieg Anlaufschwierigkeiten in der Kreisliga. Auch gegen Hajduk gibt es eine 1:5-Niederlage. Der Trainer nimmt die Sache dennoch gelassen. Metin Kett hat in über 40 Jahren bei Tuspo auch schon Schlimmeres erlebt.

Beste Sicht seit über 40 Jahren: Metin Kett ist bei Tuspo tatsächlich: ein Urgestein. 

 / © Sportfoto Zink

Fünf Jahre war der Vater schon weg, als er mal wieder aus dem fernen Deutschland nach Istanbul kam, die Familie besuchen. Dieses eine Mal war etwas anders, erinnert sich Metin Kett. Diesmal erzählte der Vater nicht nur von seiner Arbeit in Almanya, diesmal hatte er ein Geschenk dabei. Ein Wörterbuch Deutsch-Türkisch, Türkisch-Deutsch.

Da wusste dann Metin Kett, dass die Trennung nicht mehr lange dauern würde. Ein Jahr später sind er und seine Mutter auch nach Deutschland gezogen, nach Nürnberg, in die Nähe des Stadtparks. Sie waren jetzt eine Gastarbeiterfamilie, aber dem Kind Metin war das egal. Deutsch lernte er in der Stadt, in der er bis heute lebt. Und in dem Verein, bei dem er bis heute geblieben ist.

1978 ging Kett einfach einmal mit mit einem Freund, der im Verein Fußball spielte, bei Tuspo. Bis heute ist er geblieben. 41 Jahre in einem Verein, erst als Spieler, der bis in seine 40er hinein für die Erste kickte, dann irgendwann als Trainer. Immer ist er dem Tuspo verbunden geblieben – nur ein kurzer Abstecher zum Türkischen FK steht in seiner Vita.

Sie haben sich nicht immer verstanden, der Tuspo und Kett. Irgendwann haben sie ihn als Trainer mal rausgeschmissen, ihn dann aber bald wieder zurückgeholt. Er ist da nicht nachtragend. Also sitzt er auch an diesem Samstag auf diesem weißen Plastikstuhl, der seinerseits irgendwann in den 1970ern vielleicht einmal schick war, und schaut Fußball.

Es ist seit dieser Saison wieder Kreisliga-Fußball, was schon eine ordentliche Überraschung ist, weil Tuspo zum einen nie für seine Fußballspieler berühmt war und zum anderen diese Mannschaft vor zwei Jahren noch in der A-Klasse angetreten ist. Aber dann hat sich das eine zum anderen gefügt und sind sie mit Kett an der Seitenlinie und Kett auf dem Platz einfach zweimal hintereinander aufgestiegen. Metin Ketts Sohn Tim spielt ja längst selbst in der Ersten, wobei er in den letzten Jahren manchmal gefehlt hat, weil er zum Studium mal hier und mal da war. Das ist noch so ein Aspekt dieser schönen Geschichte, einer, den sich die vielen besorgten Bürger einmal vor Augen führen sollten: Dass der Sohn des Gastarbeiters, das Kind also, das praktisch ohne Deutschkenntnisse in dieses Land kam, sich irgendwann als Bauflaschner selbstständig macht und dass dessen Sohn wiederum jetzt sehr selbstverständlich studiert.

Man lernt über so ein Leben Gelassenheit – vor allem an der Seitenlinie in einem Sport, den viele zu Recht ernst nehmen und viel zu viele zu ernst nehmen. Auf dem Platz, das weiß Kett, müssen sie auch noch lernen. Erst drei Punkte haben sie seit dem Saisonstart gesammelt, was nicht überrascht bei einer Mannschaft, die so schnell nach oben gespült wurde.

Gegen Hajduk beginnen sie ordentlich und gehen nach einem Freistoß in Führung. Der ewige Metin bleibt da an der Seitenlinie erst einmal regungslos sitzen auf seinem weißen Plastikstuhl. Was bedeutet schon ein 1:0? In ihrem speziellen Fall: nichts.

Der September soll schöner werden

Kurz vor der Halbzeit gleicht Hajduk aus, da fliegt der weiße Stuhl durch die Luft, ohne Metin drauf allerdings. Nach der Pause zerbröseln sie dann langsam in ihre Einzelteile, die Gegenwehr findet irgendwann nicht mehr statt. „Die haben uns die Grenzen aufgezeigt“, sagt Kett, bleibt aber auch in der Analyse so entspannt wie fast immer während der 90 Minuten, die er da gerade auf seinem weißen Stuhl verbracht hat.

Letzter sind sie seit diesem Sonntag, aber das wird irgendwann schon wieder besser, glaubt Kett. Wenn die Verletzten und die Urlauber wieder da sind, dann wollen sie wieder nach oben schauen und nach oben klettern in der Tabelle. „Im September“, sagt Kett, wird Tuspo auf dem Platz wieder so aussehen, wie man sich das von Tuspo erwarten darf. Wenn es länger dauert, sagt er auch noch, dann dauert es eben länger. Er hat ja Zeit, er wird einfach draußen sitzen auf seinem weißen Plastikstuhl.

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