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Kök: "Ich bin enttäuscht darüber, wie es abgelaufen ist"

Kreisliga 2

Nach seiner Entlassung beim FC Bayern Kickers meldet sich Ex-Coach Saim Kök mit Vorwürfen gegen Vorstand Achim Mletzko zu Wort. Aus dessen Reaktion wird deutlich: Es hat nicht mehr gepasst beim Kreisligisten. "Für mich ist der versöhnliche Händedruck das Entscheidende", sagt Mletzko aber.

Saim Kök ist nicht mehr Trainer beim FC Bayern Kickers.

 / © Zink / WoZi

Die Nachricht, dass Saim Kök nicht mehr Trainer beim Kreisligisten FC Bayern Kickers ist, überraschte Außenstehende am Sonntag dann doch. Beim 2:2 gegen den FC Stein saß er nicht mehr auf der Bank, ab kommender Woche werde er durch Kadir Kiymaz ersetzt, hieß es von BaKi-Vorstand Achim Mletzko, der allerdings auch betonte, dass die Trennung von Kök "einvernehmlich und in aller Freundschaft" verlaufen sei. Eine routinierte und gängige Formulierung, die manchmal schlicht der Wahrheit entspricht, manchmal aber auch die Funktion erfüllt, hinter den Kulissen ablaufende Reibereien, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gezerrt werden müssen, für beide Seiten annehmlich zu beenden. 

Einen Tag später stellt sich heraus, dass ihnen genau das beim Kreisligisten nicht gelang. "Ich bin enttäuscht darüber, wie es abgelaufen ist. Man hätte sich mit mir vernünftig hinsetzen müssen und darüber offen sprechen müssen. Ich bin dem Verein doch mehr als zehn Jahre verbunden, ich habe hier viel investiert", sagt Saim Kök, dem anzuhören ist, dass er aufgewühlt ist von den Geschehnissen der letzten Woche. "Unfair" nennt er, wie BaKi-Vorstand Mletzko mit ihm umgegangen sei.

Kök möchte die Geschichte aus seiner Sicht erzählen. Für ihn begann sie am Sonntag zuvor im Spiel gegen Poppenreuth (1:2), in dem er eine Rote Karte wegen Schiedsrichter-Beleidigung erhielt. "Die war auch berechtigt - und es tut mir auch leid, ich hatte noch keine Gelegenheit, mich dafür zu entschuldigen", sagt Kök. Am Montag darauf habe er eine Nachricht von seinem Vorstand erhalten: Ob das stimme, mit der Roten Karte, habe Achim Mletzko ihn gefragt, "das habe ich bejaht. Und daraufhin habe ich ihn gebeten, dass wir uns mal zusammensetzen und über die aktuelle Situation sprechen. Es gab Sachen, die nicht gepasst haben. Ich war in den letzten Monaten Betreuer, Spielleiter, Teammanager und Trainer auf einmal, habe schon längere Zeit keine Unterstützung mehr erhalten."

Eine Antwort auf diesen Wunsch blieb aus, stattdessen kam am Dienstag eine E-Mail - ein Vorschlag für eine vorformulierte Pressemeldung. "Sinngemäß stand da, dass ich - weil ich kürzlich das dritte Mal Vater geworden bin - aus zeitlichen Gründen zurücktreten werde, weil ich Familie, Arbeit und den Trainerjob nicht mehr unter einen Hut bekomme. Dabei war von meiner Seite von einem Rücktritt nie die Rede. Ich habe vor kurzem die DFB-Elitelizenz gemacht, will auch überhaupt nicht kürzertreten, das habe ich Achim Mletzko auch so mitgeteilt." Mletzko habe geantwortet, dass Kök dann eben entlassen sei. "Das war natürlich ein Schock. Aber wenn der Verein eine solche Entscheidung trifft, muss ich das akzeptieren." 

Es folgte eine weitere Wendung: "Nachdem ich mich erkundigt habe, ob es mit einem Aufhebungsvertrag oder einer Freistellung weitergeht, hieß es plötzlich: Alles bleibt beim Alten. Du bleibst Trainer." Am Dienstag habe er trotz Irritation das Training geleitet, "am Donnerstag kam es nochmals zu einem Gespräche zwischen Achim Mletzko und mir, in dem er mir erneut vorgeschlagen hat, das Vorgefallene zu vergessen und weiter Trainer zu sein. Doch das Vertrauensverhältnis war jetzt total zerstört. Es gab kein Zurück mehr." So kam es endgültig zur Trennung. Überzeugt ist Kök davon, dass es "0,0 mit der aktuellen sportlichen Situation zu tun hat. Wir stehen gut da, auch aus der Mannschaft kamen auschließlich bedauernde Worte. Meine Spieler fanden es sehr schade, keiner von ihnen wollte es so. Ich hatte ohnehin mit den meisten Personen ein sehr gutes Verhältnis. Aber es hat wohl einigen anderen nicht gepasst, dass ich ein emotionaler, lauter Trainer sein kann", glaubt Kök.

Mletzko: "Für mich ist der versöhnliche Händedruck das Entscheidende"

Auch Achim Mletzko bekräftigt, dass die Entscheidung nichts mit der sportlichen Situation der Kleinreuther zu tun habe. Dass er an Köks inhaltlicher Eignung auch niemals Zweifel gehegt habe, wird aus seinen Worten ebenfalls deutlich. Eins wolle er vorneweg sagen, betont er, "für mich ist der versöhnliche Händedruck, den es zwischen uns am Donnerstag gab, das Entscheidende. Dieser Händedruck steht über allem." Dennoch sieht sich der BaKi-Vorstand mit der Aufgabe konfrontiert, sich zu äußern über die Vorwürfe seines ehemaligen Trainers - auch wenn er es lieber vermieden hätte, die Sache so in die Öffentlichkeit zu zerren. "Ich finde, wenn wir es dabei belassen hätten, wäre es für beide absolut gesichtswahrend geblieben", sagt er.

Köks Behauptung, Mletzko habe ihm eine ausformulierte Pressemeldung zukommen lassen, bestätigt der Vorstand: "Das stimmt, ich habe ihm eine Meldung geschickt, die wir gemeinsam herausgeben, mit der wir beide gut leben können. Denn ich habe seine Antwort zuvor als Rücktrittsangebot interpretiert." Das sei natürlich etwas heikel gewesen, gibt Mletzko zu, bestätigt aber die Vermutung, es habe etwas mit Köks Auftreten zu tun. "Ich habe zuvor schon sehr viele Gespräche mit ihm geführt, in denen es um sein Verhalten am Spielfeldrand ging. Ich habe ihm gesagt, wenn du als Trainer nicht stolpern willst, musst du das ändern", sagt Mletzko. Geändert habe sich nichts, so sei der Unmut auch Seitens des BaKi-Anhangs gewachsen, von dem er nicht erst nach der Sache gegen Poppenreuth Rückmeldung erhalten habe. "Unsere 60 Hardcore-Fans waren außer sich. Irgendwann muss man reagieren. Es nimmt doch auch der Verein Schaden", wird Mletzko deutlich. 

Auch den zwischenzeitlichen 'Rückzieher' habe es gegeben. "Ich musste mich natürlich intern beraten", sagt Mletzko, ist sein FC Bayern Kickers doch nicht dafür bekannt, regelmäßig mit Trainerwechseln und entsprechenden finanziellen Konsequenzen zu tun zu haben. Vor Kök, der zu Beginn der vorherigen Saison übernahm, coachte bekanntlich Jasmin Halilic den Verein elf Jahre lang. "Es kann dauern, bis man in einer solchen Sache klarer sieht," sagt Mletzko, "und man steht als Vorstand natürlich in besonderer Verantwortung." Trotz Enttäuschung will Mletzko nicht nachtragend sein: "Ich wünsche ihm auf seinem weiteren Weg einfach alles Gute."

Und wie geht es mit Kök weiter? "Aktuell bin ich zu enttäuscht, um mir darüber Gedanken zu machen, aber generell bin ich keiner, der sagt, ich brauche Ruhe. Ich fühle mich weiter bereit, als Trainer zu arbeiten. Wenn etwas kommt, werde ich mir aber genau anhören, was man mir verspricht. Und ich versuche, die Emotionen dabei außen vor zu lassen." 

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