Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Der FC Bosna gewinnt sein eigenes Turnier und will "keine Fahrstuhlmannschaft" mehr sein

FC Bosna Futsal Cup

In Nürnberg spielt der Hallenfußball in diesem Winter keine große Rolle. Auf ein bisschen Spektakel wollen trotzdem nicht alle verzichten. Beim „Futsal Cup“ des FC Bosna triumphiert der Ausrichter – und sieht das als gutes Zeichen.

Der Verband richtet nur ein Mini-Turnier in Nürnberg aus? Dann organisiert der FC Bosna eben ein großes Turnier in der Geschwister-Scholl-Realschule.

 / © Eduard Weigert

Das Zentrum des Nürnberger Amateurfußballs liegt an diesem verregneten Sonntagvormittag in der Muggenhofer Straße. Wer die Halle der Geschwister-Scholl-Realschule in Eberhardshof betritt, der kann den Hallenfußball schon riechen. Der Geruch einer Mischung aus Kaffee, Kuchen und Wurstbrötchen wabert durch den kleinen Vorraum, begleitet von einem bunten Stimmen-Wirrwarr unterschiedlicher Sprachen.

Ein paar Schritte weiter oben, auf der schmalen Empore, wird der Hallenfußball noch einmal mit allen Sinnen erlebbar. Es riecht jetzt nicht mehr nach frischem Kuchen, sondern nach Fleiß. Nach körperlicher Anstrengung. Und, was nie fehlen darf, ganz dem Klischee entsprechend: es riecht auch nach verschiedenen durchblutungsfördernden Salben, dem Deodorant der Umkleidekabinen, das alle Revolutionen des Sports überstanden hat.

Unten auf dem Feld spielen gerade der Türkische FK Gostenhof und der TV Glaishammer den Sieger aus, das Stimmen–Wirrwarr auf und neben der Seitenlinie mischt sich hier mit dem Quietschen der Schuhe auf dem ockerfarbenen Linoleumboden. Es ist ein bekanntes Geräusch seit vielen Jahrzehnten – auf das die Menschen in Nürnberg in diesem Winter weitgehend verzichten mussten.

Als Reaktion darauf, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Vereine an der Hallenkreismeisterschaft teilnehmen wollten, hatte Kreisspielleiter Thomas Raßbach ein neues Konzept für den Hallenfußball vorgelegt, das ab dem kommenden Jahr gelten soll. Dieser Tage aber, da die Rasenplätze noch gesperrt sind, spielt Hallenfußball in Nürnberg eine sehr kleine Rolle. Das einzige Turnier des Verbands war eines in der Halle am Berliner Platz, bei dem acht Mannschaften Anfang Januar den Kreissieger ausspielten. Den Spaß am Fußball zwischen Weichbodenmatten und Geräteraum wollten sich trotzdem nicht alle nehmen lassen. Zum Beispiel beim FC Bosna Nürnberg, diesem kleinen Verein, der in den vergangenen Jahren so einige Erfolge gefeiert hat. Zweimal in Folge haben sie es mit ihren technisch gut ausgebildeten Kickern zur Bezirksmeisterschaft geschafft, sie wollten aber auch vielen anderen Mannschaften aus der Stadt die Möglichkeit geben, im Februar in der Halle Fußball zu spielen.

Die Frage nach dem Warum führt einen zurück ins Foyer, dorthin, wo es nach Kaffee, Kuchen und Wurstbrötchen riecht. Zu Almedin Avdic. Einer der Vorstände des FC Bosna steht unter dem schützenden Dach eines Pavillons und raucht. Bei einer Zigarette erzählt er die Geschichte dieses „FC Bosna Futsal Cup“, der, wie der Name schon sagt, in diesem Jahr zum ersten Mal auch nach Futsal-Regeln ausgetragen wird. „Unseren Verein gibt es seit 1993“, sagt Avdic, „und seitdem versuchen wir eigentlich immer, Sommer wie Winter ein Turnier auszurichten.“ Einerseits natürlich, um den eigenen Fußballern auch in der spielfreien Zeit die Möglichkeit zu geben, ihrer liebsten Beschäftigung nachzugehen und die Amateurfußballer der Stadt zusammenzubringen, nicht immer so ernst wie draußen auf dem Feld, sondern mit viel Spaß. Aber sie machen das natürlich nicht nur, weil sie so gütig sind, „es hat auch finanzielle Gründe“, so Avdic.

Ein bisschen Disziplin, bitte

Denn dem FC Bosna geht es ja wie vielen kleineren Vereinen. Sie müssen schauen, dass sie ein bisschen Geld reinbekommen, um sportlich erfolgreich zu sein. Und das sind sie mal wieder, „wir knüpfen gerade an die erfolgreichen Zeiten früher an“, sagt Alen Bjelic, ein weiterer Vorstand, der sich mit an den Tisch gesellt hat. In der vergangenen Saison sind sie von der B- in die A-Klasse aufgestiegen, zur Winterpause stehen sie auch dort wieder ganz oben.

Das hat unter anderem mit Aleksandar Abutovic zu tun, einem erfahrenen Trainer, der zuletzt den SK Lauf in der Bezirksliga trainiert hat. Groß träumen wollen sie nicht, „wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft sein“, sagt Bjelic. Die Kreisklasse wäre ganz nett, „dafür brauchen wir einen disziplinierten Trainer“ – und den haben sie nach einiger Überzeugungsarbeit gefunden.

Als der Futsal Cup gerade noch läuft, blickt Alen Bjelic schon in die Zukunft. „Vielleicht bringt ein kleiner Erfolg in der Halle auch etwas für die Rückrunde“, sagt er. „Das war in der vergangenen Saison schon so.“ Den ersten Schritt hin zu einem möglichst erfolgreichen Jahr 2020 machen sie dann am Sonntagabend. Das Finale des „FC Bosna Futsal Cup“ gewinnen sie in Eberhardshof mit 2:1 gegen den KSD Croatia.

Mehr zum Thema