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Unter strengen Regeln: Vereine dürfen zurück auf Sportplätze - Lunz: "Das war echt viel Arbeit"

Endlich wieder Fußball

Wochenlang waren die Sportplätze gesperrt. Jetzt darf wieder gekickt werden – aber mit strengen Vorgaben.

Die Tore waren noch gesperrt, auf dem Kunstrasenplatz aber haben die Fußballer des Post-SV erstmals wieder trainiert. 

 / © Sportfoto Zink

Am Sonntagmorgen hat sich Manuel Bergmüller mal wieder fortgebildet. Das alleine wäre für einen Fußballtrainer nicht ungewöhnlich, noch dazu für einen, der einen ambitionierten Landesligisten betreut. Diesmal ging es aber nicht um neue wissenschaftliche Erkenntnisse, um Trainingsforschung oder darum, bestmöglich Verletzungen zu vermeiden – sondern um eine Frage, die momentan sehr viele Menschen umtreibt: Wie sollte man während der Corona-Pandemie trainieren?

Es war eine Frage, die zunächst jeder Verein für sich beantworten musste. Die Sportplätze in der Stadt waren geschlossen, genauso wie Geschäfte, Kneipen und Theater. Spieler, Trainer und Betreuer mussten lernen, dass es einen Gegner gibt, auf den man sich nicht vorbereiten kann, der unsichtbar ist und trotzdem überall. Ein Gegner, der keine Lust hat auf einen fairen Wettkampf – und diesen deshalb erst einmal ausgesetzt hat. Das Coronavirus hat den Fußball getroffen und zur Pause gezwungen. Also sind sie gelaufen, jeder für sich, im Park, auf der Straße, sie haben sich aufs Fahrrad gesetzt, um einigermaßen fit zu bleiben.

Doch seit ein paar Tagen ist die Freude groß, die Ernüchterung vielerorts aber auch. Alles begann mit einer Nachricht des Bayerischen Fußball-Verbandes. Der verkündete, dass ein Training in Kleingruppen, wie es die Profis schon seit Wochen absolvieren, grundsätzlich möglich ist. Doch so einfach war es natürlich nicht, einfach ist in diesen Zeiten ja kaum etwas. Wenn Gaststätten und Geschäfte sich umstellen müssen, um erste Schritte in Richtung Normalität gehen zu können, dann muss es der Fußball natürlich auch.

"Ist der Fußball Mannschafts- oder doch Individualsport?"

Nur: Welche Schritte? Und welchen zuerst, um bestmöglich voranzukommen? Auch bei der Stadt Nürnberg mussten sie sich erst einmal damit befassen. Wer mit Michael Kolb telefoniert, hört häufig ein Wort, das so schön ist, dass es nur die deutsche Sprache hervorbringen konnte: Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. „Auf diese Rechtsvorschrift müssen wir uns als Kommune beziehen“, sagt der stellvertretende Leiter der Sportservice. Wer sich im Internet durch die „Vierte BayerischeInfektionsschutzmaßnahmenverordnung (4. BayIfSMV)“ klickt, liest erst einmal viel Grundsätzliches. Es geht um das Abstandsgebot, um das vielzitierte „Social Distancing“, um die Verpflichtung, an vielen Orten eine „Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen“.

Dann aber wird es schwierig, vor allem für Menschen, die sich nicht jeden Tag mit Verordnungen und Paragraphen befassen. „Wir sind auch alle keine Juristen“, sagt Kolb. Trotzdem haben sie sich sehr intensiv mit der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung befasst – und diese ausgelegt. Unter Paragraph 9 heißt es: „Der Betrieb von Sporthallen, Sportplätzen, Sportanlagen und Sporteinrichtungen und deren Nutzung sind grundsätzlich untersagt.“ So weit, so bekannt, so schwer zu akzeptieren für viele. Doch dann wird es speziell. Denn der „Trainingsbetrieb von Individualsportarten im Breiten- und Freizeitbereich“ ist durchaus möglich, wenn bestimmte Vorgaben eingehalten werden. Golf, Tennis, Reiten, Rudern, Segeln, Leichtathletik – all das ist seit geraumer Zeit ja wieder erlaubt. Wenn in kleinen Gruppen von bis zu fünf Personen trainiert wird, wenn Kontakte vermieden und die gängigen Hygienevorschriften eingehalten werden. Deshalb dreht sich alles um eine Frage: Ist der Fußball ein Individualsport? Bis das Coronavirus über die Welt kam, hätte sich wohl niemand mit dieser Frage beschäftigt. Jetzt geht es aber genau darum. Auch Michael Kolb und seine Kollegen vom Sportservice haben sich länger damit befasst und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: „Wenn man unter diesen Maßgaben trainiert, dann ist Fußball kein Mannschaftssport mehr“, sagt Kolb. Deshalb haben sie ein ausführliches Schreiben an die Sportvereine versandt, in dem es um die „positiven Signale für eine vorsichtige Wiederaufnahme des Sports“ geht. Die Stadt stellt darin auch klar, dass es keine „explizite Freigabe“ der Behörden braucht, um die vereinseigenen Freiluft-Sportstätten öffnen zu dürfen.

Die städtischen Anlagen, die viele kleinere Vereine nutzen, bleiben dagegen bis auf Weiteres allerdings geschlossen. Das hat laut Kolb vor allem finanzielle Gründe, weil die Klubs derzeit keine Miete an die Stadt zahlen – sie können ja nicht auf die Sportplätze. Wenn aber verstärkt der Wunsch aufkommt, beispielsweise auf der Deutschherrnwiese wieder zu trainieren, „dann können wir das auch wieder drehen“, sagt Kolb. Immer unter der Voraussetzung, dass die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass jeder Verein einen Hygienebeauftragten benennt, der den Überblick behält, Listen führt, wann wer mit wem trainiert und darüber wacht, dass alles im Sinne des Infektionsschutzes abläuft.

Die Fußballabteilung des Post SV hat zuletzt ein ausführliches Konzept ausgearbeitet, wie ein Training in Kleingruppen aussehen kann. Der Vorstand des Gesamtvereins hat dieses geprüft und genehmigt, am vergangenen Donnerstag war es dann so weit: Um 19.30 Uhr durften die Fußballer der ersten und zweiten Mannschaft zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder auf den Kunstrasen. Zuvor hatten bereits erste Jugendmannschaften im Sportpark Ebensee trainiert, die jüngeren Jahrgänge sollen aber weiter pausieren. „Das war echt viel Arbeit“, erzählt Spielleiter Michael Luntz, „wir haben uns lang nicht mehr gesehen und wollten, dass die Jungs mal wieder auf dem Platz gegen den Ball treten können.“ Wie lange sie das als Kreisligist durchziehen werden, ist noch offen, die ersten Punktspiele soll es ja frühestens ab dem 1. September geben. Der Verband hat angekündigt, dass mindestens vier Wochen intensive Vorbereitung möglich sein werden, bevor es wieder losgeht. Drei Monate Fußballtennis und Techniktraining? Das erscheint nicht nur Michael Luntz und seinem Post SV unrealistisch. Am Montag wird sich Manuel Bergmüller mit seinen Kollegen vom TSV Buch zusammensetzen und die letzten Fragen klären. Dann soll es, zunächst nur für die Landesliga-Mannschaft, losgehen mit ersten vorsichtigen Einheiten.

Die Jugendmannschaften werden aber vorerst weiter pausieren, was der Verein auch mit den anderen Klubs aus dem Knoblauchsland besprochen hat. Manuel Bergmüller freut sich jedenfalls, dass er wieder mit seiner Mannschaften arbeiten darf, nach der Fortbildung am Sonntagmorgen sogar noch ein bisschen mehr. 19 Spieler aus dem Aufgebot haben Interesse bekundet, Platz und Trainer dafür haben sie am Wegfeld genug. „Mir ist aber bewusst“, sagt er, „dass das nicht jeder Verein so einfach machen kann.“

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