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FC Bayern Kickers: Der Blick geht nach oben

Nürnbergs liebste Liga Teil 19

Nach der Corona-Pause muss sich der FC Bayern Kickers neu erfinden, überstürzen wollen sie im Verein dabei aber nichts.

Alles neu beim Neustart: Gegen den Tabellenletzten Tuspo reichte BaKi ein einziges Tor, die Zuschauer in Kleinreuth konnten auf der neuen Gedächtnistribüne für den langjährigen Vorstand Herbert Hofmann Platz nehmen. 

 / © Sportfoto Zink

Auch mit einem Goldstück glänzt man nicht sofort. Das merkt Achim Mletzko an diesem Sonntagnachmittag. Der Vorstand der Bayern Kickers, der neben dem Fußballverein auch noch die Stadtratsfraktion der Grünen führt, steht an diesem so besonderen Tag unruhig hinter dem Fangzaun. Immer wieder kommt der Tuspo gefährlich vor das Tor seiner Mannschaft, nach vorne holpert das Spiel der BaKis ziemlich. Wer hier der Tabellenvierte und wer das abgeschlagene Schlusslicht ist, sieht man zum lange erwarteten Neustart in der Kreisliga nicht.

Achim Mletzko wirbt um Verständnis, sie wagen ja gerade mal wieder einen Neuanfang. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga im vergangenen Jahr veränderte sich das Gesicht der Mannschaft bereits, als dann auch noch Trainer Saim Kök ging, folgten ihm weitere Spieler. An der Seitenlinie steht inzwischen Ahmet Aydin, er ist eine der wenigen Konstanten in dieser so unkonstanten Zeit.

Den Umbruch moderiert das Goldstück, so nennt Achim Mletzko den neuen Mann im Verein. Jure Bule war zehn Jahre lang in verschiedenen Funktionen beim KSD Croatia tätig, im April schloss er sich den Bayern Kickers an – und soll jetzt dafür sorgen, dass sie in Kleinreuth auch sportlich bald wieder glänzen.

Verrückte Sachen können und wollen sie dabei aber nicht machen. Auch während der Zwangspause haben sie nicht mit Geldscheinen gewedelt, um die besten Fußballer auf ihren Sportplatz zu locken. Ein solches Gehabe widerstrebt ihnen bei BaKi. Stattdessen soll Jure Bule in Ruhe arbeiten, „wir möchten definitiv wieder hoch in die Bezirksliga“, sagt Bule, nur wann es so weit sein wird, das kann niemand sagen. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung hat er schon einmal um Geduld gebeten und sein Mantra im Vorwort der Stadionzeitung noch einmal wiederholt: „So ein großer Umbruch kann nicht von heute auf morgen verdaut werden“, heißt es da.

Bereits im vergangenen Winter kamen einige neue Spieler nach Kleinreuth, in der fußballfreien Zeit zuletzt noch einmal 14 weitere. Darunter sind auch einige, die nicht nach typischen Transfers eines Kreisligisten aussehen, Namen, die man im regionalen Amateurfußball noch nicht bei zig Vereinen auf dem Spielberichtsbogen gelesen hat.

Achim Metzko erzählt beispielsweise von Innenverteidiger Simon Schweiger, der bei Adidas arbeitet und dort eher zufällig zwei Mexikaner, einen Schotten und einen Engländer gefunden hat, die neuerdings das blau-weiße Trikot tragen. 40 Spieler haben sie jetzt für die erste sowie die zweite Mannschaft – die ihnen Sorgen bereitet. Die Freude über den am Ende knappen 1:0-Sieg in der Kreisliga gegen den Tuspo (Tor: Ozan Yildirim) trübt nämlich die Niederlage der Zweiten zuvor. Die ist jetzt Tabellenletzter der Kreisklasse, ein Abstieg in die A-Klasse wäre ein weiterer Rückschlag für einen Klub, der doch nach vorne schauen will.

Solidarität im Knoblauchsland

Wenn Achim Mletzko in die Zukunft schaut, sieht er seinen Verein gut aufgestellt. Vor drei Jahren haben sie den Kabinentrakt für eine Viertelmillion Euro saniert sowie den A-Platz komplett neu angelegt, auch der B-Platz lockt inzwischen mit einem saftigen Grün. Dahinter bauen sie einen ehemaligen Tennis- zu einem Allwetterplatz um, den sie fürs Training sowie Spiele von Kleinfeldmannschaften nutzen können.

Auch mit dem Nachwuchs sind sie zufrieden, „es war ja meine größte Sorge, dass mancher während der langen Pause die Lust verliert“, erinnert sich Achim Mletzko, doch das Gegenteil war der Fall. „Je länger der Lockdown dauerte, desto gieriger wurden die Kinder. Als es wieder losging, wurden wir förmlich überrannt.“ Und, positiver Nebeneffekt: In der schwierigen Zeit sind die Vereine im Knoblauchsland auf Initiative der SF Großgründlach näher zusammengerückt und haben geplant, wer wann und wie mit dem Training beginnt. „Wir sind zwar alle sportliche Konkurrenten“, sagt Mletzko, „aber da ging es um existenzielle Fragen – und da war es schön, dass wir uns nicht gegenseitig das Leben schwergemacht haben.“

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