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Die "Renates" und ihre Erfüllung beim SV Puschendorf

Die Seele des Vereins

Renate Baumann und Renate Bernreuther - beim SV Puschendorf haben sich zwei Freundinnen unentbehrlich gemacht und gestalten dort aktiv ihre eigene kleine Welt.

Zwei, die sich richtig gut verstehen: Renate Bernreuther (links) und Renate Baumann sehen sich in normalen Zeiten fast täglich auf dem Puschendorfer Sportgelände.

 / © Hans-Joachim Winckler

Es war ein sehr kurzes Gespräch zwischen dem Sportredakteur und dem Fußballabteilungsleiter des SV Puschendorf. Auf die Frage, ob er jemanden als Seele seines Vereins benennen könne, antwortet Thomas Böhm: "Das sind ganz klar die Renates." Etwas länger haben dann die Telefonate mit den beiden Renates, Baumann und Bernreuther, gedauert. Vor allem Renate Baumann sprüht förmlich vor Energie und Ideen. Als sie darüber reden soll, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Die 65-Jährige ist im Sportverein die gute Seele der Männermannschaften, Renate Bernreuther (63) wiederum kennt im Fußballkreis jeder als Jugendleiterin.

"Wir sind in normalen Zeiten ja fast täglich am Sportplatz", schildert Bernreuther ihr Verhältnis zur anderen Renate, "ich bin froh, wenn wir uns gegenseitig unterstützen." Das Schlimme sei lediglich, "dass wir fast keine Spiele mehr anschauen können, weil wir so viel mit dem Drumherum zu tun haben".

Mit dem "Drumherum" meint sie nicht nur die Betreuung der Schiedsrichter. Da wäre zum Beispiel ihre berühmte Kiste. Denn ein Kind, das beim SV Puschendorf das Fußballspielen lernen möchte, macht zuallererst Bekanntschaft mit Bernreuthers Fußballschuhsammlung. Und wenn der kleine Kicker aus den ersten Stiefeln herausgewachsen ist, also nach einem Vierteljahr, dann öffnet sie die Truhe erneut und schaut, ob die nächste Größe dabei ist.

Was am Jahresende übrig bleibt, wird zusammen mit in der Kabine zurückgelassenen Klamotten über die Diakonie nach Rumänien geschickt. "Das ist ein Kreislauf und die freuen sich vor allem über die Fußballschuhe", berichtet Bernreuther, die erst in diesen Tagen wieder Pakete geschnürt hat.

Ihr Zuständigkeitsbereich ist nicht zu verachten, denn dazu gehören die G- bis E-Jugend des SV Puschendorf und ab der D die JFG Nördlicher Landkreis. Das bedeutet, dass sie die Trainingszeiten bei den teilnehmenden Vereinen ASV Veitsbronn-Siegelsdorf, Sportfreunde Tuchenbach, ihrem SV und dem SC Obermichelbach abstimmen muss. Letztgenannter ist ihr "Sorgenkind", weil der Verein keine Trainer stellen kann.

Die Suche nach Übungsleitern sei in der jüngeren Zeit komplizierter geworden, berichtet sie. Ihr Herz gehe auf, wenn ein Fußballer, der im Verein groß geworden ist, nun sein eigenes Kind schickt und am Ende sogar selbst Trainer wird. Da schwärmt sie: "Das ist die Erfüllung." Für die Kinder wiederum sei die Mannschaft eine Schule des Lebens. "In einem Team kannst du nicht einfach machen, was du willst. Da lernen die viel dabei." Und sie selbst profitiere ebenfalls. "Wenn du mit der Jugend keine Verbindung mehr hast, bist du weg", ist ihr Credo. "Die Zeit ist so schnelllebig. Was die Jugend alles weiß, da kann ich viel lernen." Sie traue sich alles zu fragen, schlimmstenfalls bekomme sie mal einen Spruch wie "Ach, wos du widdä seggst" zu hören.

Die Schnittstelle zu den Männermannschaften beschreibt Renate Baumann so: "Wenn ein Kind zu uns in den Sportverein kommt, dann nimmt das die Renate Bernreuther in Empfang. Wenn sie dann 18 sind, kommen sie unter meine Fittiche."

Plätze "anmalen"

Baumanns Mann war jahrelang Abteilungsleiter der SG Tuchenbach/Puschendorf, sie hat ihn unterstützt, wo sie nur konnte. Und nach dessen Tod vor sieben Jahren hat sie einfach weitergemacht, für den SV da zu sein. "Ich bin die gute Putzfee", beschreibt sie selbstironisch ihren Minijob. Doch allein darauf reduziert sie niemand im Verein.

Der Sportredakteur kennt sie von ihren Anrufen, um Spielberichte, Absagen und Neuigkeiten durchzugeben. Baumann sitzt im erweiterten Vorstand, was sie mit dem Spruch beschreibt: "Manche sagen zu Beisitzern Beischläfer." Dann lacht sie herzhaft und schiebt nach: Sie habe sich vorgenommen, die Nachfolger ihres Mannes "zu entlasten".

Konkret bedeutet das eine ganze Menge: Essen zubereiten für die donnerstägliche Spielersitzung, Trikots waschen, die Plätze herrichten und sie "anmalen", wie Bernreuther das nennt, wenn sie die Linien ziehen. Wenn ein Vereinsfest zu organisieren ist, hat Baumann die notwendigen Telefonnummern parat, "dass halt alles aweng da ist". Und wofür dieser ganze Aufwand?

"Ich will mich nicht rühmen", sagt Baumann bescheiden, "aber ich glaube schon, dass das vielen gefällt." Diese große Liebe zum Fußballverein sei ihr "in die Wiege gelegt" worden, als Kind habe ihr fußballspielender Vater sie zum Sportplatz mitgenommen, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. "Ich war immer aktive Zuschauerin, aber nie aktive Sportlerin", sagt sie und lacht wieder. Zur "Hausfrauengymnastik" sei sie lange Jahre nur gegangen, weil alle danach eingekehrt sind.

Das unterscheidet sie von Renate Bernreuther, die als Teenager mit ihren sechs Brüdern noch "heimlich rumbolzen" musste, "weil das damals verboten war". Doch Mitte der Siebziger gehörte sie zur ersten Puschendorfer Frauenmannschaft.

"Ich habe leider keine eigenen Kinder, ich habe viele Fußballkinder", sagt Bernreuther. Vergangenes Jahr hat ein kleiner Fußballer "Oma" zu ihr gesagt. Sie hat das als großes Kompliment wahrgenommen. Diese ständig neuen Generationen an Fußballern sind auch Baumanns Antrieb. "Ich muss nicht ständig neue Leute kennenlernen", sagt sie zufrieden, "es kommen ja immer neue Spieler in den Verein und ich sehe die aufwachsen. Das ist meine kleine Welt."

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