Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

TSV Fischbach 14/15: Die Freude nach der Trauer

"Saison des Lebens"

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die „Saison des Lebens“. Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen wurden. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Geschichten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre „Saison des Lebens“ feierten. Heute: der langersehnte Kreisliga- Aufstieg des TSV Fischbach 2015.

Ausgelassene Feier: Mit einem 2:0 bei der DJK Falke sicherte sich der TSV Fischbach um Trainer Manuel Bergmüller (obere Reihe, 4.v.r.) den Aufstieg in die Kreisliga.

 / © Marcus Weier/ Zink

Wenn Trainer den Erfolg ihrer Mannschaft begründen, sprechen sie gerne über Leidenschaft, Hingabe, vielleicht auch über hartes Training oder besonders talentierte Spieler, die ihr Leben ganz nach dem Sport ausgerichtet haben. Als Manuel Bergmüller erklären soll, warum er 2015 mit den Fußballern des TSV Fischbach in die Kreisliga aufgestiegen ist, da braucht der Trainer nicht viele Worte. „Der Hauptgrund war wohl, dass wir uns gar nicht so sehr um Fußball gekümmert haben“, sagt Bergmüller heute.

Der Grund dafür war ein trauriger. 2013 erkrankte der ehemalige Clubspieler und Fischbacher Trainer Jan „Jasch“ Majkowski an Krebs. Als die Mannschaft davon erfuhr, rückte der Sport in den Hintergrund, zu sehr hingen viele an ihrem Coach, mit dem einige zuvor schon in Wendelstein zusammengearbeitet hatten. Auf dem Platz lief nichts mehr, die Fischbacher verloren acht der letzten neun Spiele in der Saison 2013/2014.

Kurz darauf klingelte Manuel Bergmüllers Handy, weil es dem noch amtierenden Majkowski immer schlechter ging. Der 45-Jährige hatte damals schon einige Erfahrungen als Spielertrainer in Altenfurt sowie bei der zweiten Mannschaft des SC Eltersdorf gesammelt und war kurz davor, mit Ludwig Preis als Co-Trainer zu den Amateuren der SpVgg Greuther Fürth zu wechseln. Der Aufwand neben dem Beruf war ihm aber dann doch zu viel, wenngleich er im Fürther Bundesligajahr als Scout auf der Tribüne ein paar Spiele lang Profiluft schnuppern durfte.

„Als mein Handy geklingelt hat“, erzählte Bergmüller vor einigen Jahren, „da musste ich erst einmal überlegen, ob ich das Amt in der Kreisklasse übernehmen soll.“ Er war ja zu dieser Zeit in den großen Stadien unterwegs und saß kurz zuvor noch mit dem langjährigen Fürther Präsidenten Helmut Hack am Tisch. „Das war schon eine andere Welt“, erinnert sich Bergmüller.

Die Entscheidung, sich doch auf die Kreisklasse und den TSV Fischbach einzulassen, fiel dann auf Mallorca. Mit seinem Schwager Jens Jann und den Familien verbrachten sie ein paar Tage in der Sonne,im Auto einigte sich Bergmüller mit Jann darauf, dass sie es gemeinsam versuchen. „Ich fand es spannend, wie eine Mannschaft so etwas verarbeitet und wie man in die Köpfe der Spieler reinkommt“, sagt Bergmüller. Alleine aber traute er sich das nicht zu, er würde ja mehr als Psychologe denn als Trainer gefordert sein. „Wir wollten den Jungs wieder Freude bereiten“, blickt er zurück.

15:1-Sieg in einem Punktspiel

Im Sommer 2014 verlor Majkowski den Kampf gegen den Krebs, es war eine schwere Zeit für alle Beteiligten. Sascha Majkowski, der Sohn, spielte in der Mannschaft, „es waren viele Freunde, die nur wegen Jasch nach Fischbach gewechselt waren“, so Bergmüller. Also haben sie sehr viel miteinander gesprochen, den Fußball haben sie als Ablenkung begriffen – was dann passierte, hatte niemand erwartet. „Wir sind einfach in einen Lauf reingekommen“, erinnert sich der Trainer, „das Highlight war sicher, dass wir Kalchreuth II in einem Punktspiel mit 15:1 geschlagen haben“.

In den meisten Spielen gingen sie als Sieger vom Platz, doch in der Winterpause glaubte Manuel Bergmüller noch immer nicht an den Aufstieg. Die Konkurrenz um Johannis 83 und die DJK Falke, die gerade aus der Kreisliga abgestiegen war, schien, so glaubte er damals, zu stark. Im Frühjahr verloren die Fischbacher sogar zweimal, doch dann machten sie einfach wieder weiter. Am vorletzten Spieltag schoss Sascha Majkowski das 1:0 bei Falke, „als Olli Lahr dann das 2:0 gemacht hat, ist alles explodiert“, so Bergmüller, „da ist uns das erst bewusst geworden“.

Eine halbe Stunde später feierten sie ausgelassen den Aufstieg, die Fotos hängen noch heute im Kabinengang des TSV Fischbach. Am letzten Spieltag stand Manuel Bergmüller dann „wie Pep Guardiola“ im schwarzen Anzug mit Krawatte an der Seitenlinie, es war ein Wunsch seiner Spieler. Mit einem 1:7 gegen den ASN Pfeil endete die Saison – die „Assen“ schafften es deshalb noch in die Relegation. Spätestens nach dem 1:3, da wollten und konnten sie sich nicht mehr um den Fußball kümmern.

Mehr zum Thema