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Post SV 83/84: Ein schöner Traum mit dicken Freunden

"Saison des Lebens"

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die „Saison des Lebens“. Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen wurden. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Geschichten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre „Saison des Lebens“ feierten. Heute: Als der Post-SV mit Andreas Niklaus in der U19-Bayernliga begeisterte.

Das Spiel ist vorbei - und überall freundliche Gesichter? Auch das ging damals beim Post SV (dunkle Hosen). 

 / © Archiv

Seine prägendste Erinnerung hängt an dieser Schlagzeile. „Post SV verlor einen Punkt und Andreas Niklaus“ steht da in fetten Lettern. „Das war Wahnsinn“, erinnert sich der Adressierte an die Szene dazu, „ich wurde böse gefoult, bin dann hochgerumpelt und hab gefragt: ‚Geht’s eigentlich noch?‘“ Dafür gab’s dann Rot, einen Aufmacher in der Zeitung – und ein verpasstes Derby gegen den Club. Ein persönlicher „Tiefschlag“ für Niklaus, „wir waren der kleine Post SV und durften zum großen Club – das war für uns etwas brutal Besonderes.“

Fast 40 Jahre ist das nun her, ein halbes Leben. Inzwischen weiß man, dass Erinnerungen weniger Fotografien gleichen, sondern vielmehr Textdateien, an denen man ein Leben lang schreibt. Gut also, dass es in Papier gemeißelte Druckerschwärze gibt: Andi Niklaus hat den Ausschnitt immer noch, in einem dicken Ordner.

Der Post SV vom Ebensee in der höchsten Juniorenspielklasse – wie konnte es dazu überhaupt kommen? „Mein Vater hat damals einfach eine gute Jugendarbeit aufgebaut“, erinnert sich Niklaus, „und es gab ein paar Jungs, die einfach gut kicken konnten.“ So formte sich ein Team, reifte Saison für Saison, der große Niklaus-Bruder Thomas, der später bei der SpVgg Unterhaching in der zweiten Liga reüssierte („ein Ausnahmetalent“), machte in der Bezirksliga dann den Unterschied. „Der erste Aufstieg in die Bayernliga war für den Verein schon sensationell, dass wir aber zwei Jahre später nochmal zurückgekommen sind und die Klasse so souverän gehalten haben, war fast noch sensationeller.“

Ja, denn zwei Spielzeiten zuvor war der Post SV schon mal in der U19-Bayernliga gelandet, verlor gegen den Club 0:12 und stieg wieder ab. Nun, nach direktem Wiederaufstieg, gelang ein Start mit zwei Siegen und einem Unentschieden. Das Duell gegen den Club war Derby und Topspiel, bis kurz vor Schluss habe es 0:0 gestanden, erinnert sich der zum Zuschauen verdammte Niklaus, „dann hat unser Torwart einen Bock geschossen.“ 0:1 endete die Partie gegen einen Gegner, bei dem unter anderem der spätere Nationalspieler Stefan Reuter mitwirkte. Aber es schien sich etwas geändert zu haben: Man war auf Augenhöhe.

Vater Heinz - der Vater des Erfolgs

Einen „schönen Traum“ nennt Niklaus diese Spielzeit als Fremdkörper zwischen den Großen, „auch, weil wir privat so dick befreundet waren.“ Da gab es Bruder Michi im Angriff mit dem „unglaublichem Torriecher“, Markus Roithmeier und die Halenke-Zwillinge in der Abwehr, den Mittelfeldmann Robert Sturm – und Andi Niklaus: „Ich war eher der Wasserträger“, lacht er. „Wir sind vor allem über die Mannschaft gekommen, es war bei uns keiner dabei, der später den ganz großen Sprung geschafft hat.“ Am ehesten sein Zwillingsbruder Michael, der es seinem großen Bruder gleichtat und für Unterhaching in Liga zwei spielte. Den Erfolg in dieser Saison schreibt Niklaus aber vor allem einer Person zu: seinem Vater Heinz. „Er war nicht nur unser Vater, sondern auch der Vater des Erfolgs. Viele aus der Mannschaft haben teils noch heute Kontakt zu ihm.“

Was sie damals noch nicht ahnen konnten: Sie leisteten Pionierarbeit. Zwei Drittel des Teams wechselten nach dieser Spielzeit in den Herrenbereich – und dennoch hielt sich der Post SV fortan für zehn Jahre in der höchsten U19-Klasse. „Wir waren nun die Nummer zwei im Raum, eine feste Größe“, natürlich rasch auch interessant für Talente von außerhalb. Das sollte in den Jahren darauf noch zum Problem werden: „Spieler kamen, spielten zwei Jahre und gingen wieder. Es war irgendwann nur noch ein Schaulaufen. In der Jugend-Bayernliga waren am Saisonende über 100 Zuschauer, darunter 60 von anderen Vereinen, die unsere Spieler beobachtet haben.“ Für die erste Mannschaft blieb nicht mehr viel übrig.

1000 Spiele im Post-Trikot

Damals, in dieser besonderen Saison 83/84, war das noch anders. „Die, die im Verein groß geworden sind, sind geblieben.“ Zumal die Herren schon früh von ihnen profitierten: „Am Samstag haben wir in der U19-Bayernliga gespielt, am Sonntag in der C-Klasse bei der Ersten“, erinnert er sich. Sein erstes Herrenspiel fand für den 17-jährigen Andreas gegen die Assen statt: „Ich war noch nicht auf dem Platz, da lag ich schon auf dem Boden, weil mir einer einen Ellenbogen mitgegeben hat. Da hast du dir schon einiges antun müssen.“

Mit 17 Jahren schon in der ersten Mannschaft: Andreas Niklas (links) beim Spiel gegen den TV Jahn 63.

 / © Archiv

Doch Andi Niklaus blieb – bis auf einen kurzen Abstecher zu Jahn Forchheim – dem Verein treu, trotz Angeboten etwa aus Schwabach und Vestenbergsgreuth. 2012 wurde er für über 1000 Einsätze im Post-Trikot geehrt, inzwischen ist er in der Abteilungsleitung. Die Saison 83/84 übrigens endete, ohne dass der Post SV ganz oben mitmischen konnte. Als Meister ging der FCN ins Endspiel um die „Bayerische“, „doch wenn ich mich richtig erinnere, waren wir auf jeden Fall besser als die SpVgg Fürth“, sagt Niklaus und lacht – muss sich später, als er die Abschlusstabelle aus seinem Ordner gekramt hat, aber korrigieren. Post wurde Fünfter, die Fürther Dritter. „Aber gewonnen haben wir gegen sie,“ sagt er. So ist es mit diesen Erinnerungen.

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