Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Gerlitz: "Der TSV Langenzenn soll in aller Munde sein"

Kreisklasse 3

Der derzeitige Kreisklassist präsentiert mit Rainer Gerlitz einen Nachfolger für Rino Letizia. Ablöse ist im Sommer, doch der ehemalige Dergah- und Buckenhofen-Coach brennt schon jetzt.

2014 noch bei Landesligist Dergahspor an der Linie, will Rainer Gerlitz nun den TSV Langenzenn beleben.

 / © Zink / WoZi

 Nach einem Gespräch mit Rainer Gerlitz möchte man am liebsten die Sporttasche packen und zu ihm ins Training fahren. Macht zwar gerade keinen Sinn, weil es kein Training gibt, aber rhetorisch ein Feuer entfachen, dass man sich auf den Sommer freut, das hat er drauf, der Rainer Gerlitz.

So ähnlich wie dem Berichterstatter dieser Zeitung muss es auch den Verantwortlichen des TSV Langenzenn gegangen sein, als sie zum Video-Casting für den Trainerjob ihrer ersten Fußballmannschaft baten. Erfreulich viele hatten sich beworben, erzählte vor wenigen Tagen Torwart Thomas Reichel den FN . Nun steht fest: Den Zuschlag bekam Gerlitz. Der 56-jährige Fürther wird im Sommer den nach Deutenbach abwandernden Rino Letizia beerben.

Und wenn er am Telefon seine Ideen und seine Herangehensweise schildert, kann man sich lebhaft vorstellen, wie die Ohren von TSV-Spielleiter Sebastian Wirth und den Abteilungsleitern Georg Schönleben und Thomas Reichel geglüht haben. Lange Bedenkzeit ließ Gerlitz gar nicht erst zu, denn sein Credo ist: „Ich habe keine Lust drauf, dass sich sowas hinzieht.“ Er sei da auch nicht böse, wenn man sich gegen ihn entscheidet. „Aber entweder ich infiziere jemanden mit meinem Konzept oder wir lassen’s bleiben.“ Denn eines müsse man wissen: Wer einen Trainer sucht, „der einen Ball reinschmeißt, erst Eckla, dann Spiel, dann setze ich mich lieber mit meiner Frau aufs Sofa und würfel‘“.

Wirth und Reichel aber hätten „Bock auf was Neues“ gehabt. Und Gerlitz wiederum Bock auf den TSV Langenzenn. Seit Sommer 2019 ist er vereinslos, bis dahin hatte er drei Jahre lang Kreisligist SV Neuhof/Zenn betreut, davor die TSG Roth sowie Landesligisten wie Dergahspor Nürnberg und SV Buckenhofen. Bekannt ist er zudem als Ausbilder im Nachwuchs der SG Quelle Fürth und vor allem seit 20 Jahren beim DFB.

In der Nürnberger Bertolt-Brecht-Sportschule trainiert er jeden Morgen die Talente des Clubs und der SpVgg Greuther Fürth; Vereine buchen ihn mit dem DFB-Mobil für ein Showtraining, in dem er neue Methoden und Spielideen vorstellt. Er selbst genoss einst die Ausbildung bei der Fürther SpVgg und war später Gegner des Kleeblatts in den legendären Landesliga-Saisons 1988 bis 1991 als Spieler der SG Quelle.

Klar, dass Gerlitz im Lauf der Jahre auch einen gewissen Anspruch entwickelt hat. „Ich wollte nur noch in einem toporganisierten Verein arbeiten mit Spielern, die noch ein paar Jahre vor sich haben und Offiziellen, die für was Neues offen sind.“ Das alles finde er in Langenzenn vor.

Vielleicht auch, weil der TSV sich auch ein wenig verändern muss. Die goldenen Zeiten, als ehemalige fränkische Fußballstars für Geld in Blau aufliefen, liegen längst hinter dem heutigen Kreisklassisten – immerhin spielt die Letizia-Elf in dieser Saison um den Aufstieg mit. Doch die Konkurrenz vor der Haustür aus Laubendorf und Burggrafenhof sitzt ihnen im Nacken im Werben um Talente. Das alles weiß Gerlitz, als er sagt: „Der TSV Langenzenn ist ein schlafender Riese. Die Sportanlage ist top, dafür ist die Liga viel zu tief.“ Mit der Tartanbahn um den Platz herrschten hier beste Trainingsbedingungen.

Und auch wenn er bislang nur mit Torwart Reichel zu tun hatte, sei er jetzt schon begeistert von der Arbeit seines Vorgängers Letizia. Bis zum Lockdown herrschte 90 Prozent Trainingsbeteiligung mit 30 bis 40 Spielern der ersten beiden Mannschaften. Sobald wie möglich wolle er nun mit Sven Güttler, dem Coach der Zweiten, Kontakt aufnehmen, um sein Konzept durchzusprechen: „Jede Woche sollen 15 bis 20 Spieler nach Trainings- und Spielleistung für die Erste nominiert werden.“ Wohlwissend, dass es die Zehn-Tage-Regel für Einsätze in beiden Teams gebe, bekomme bei Gerlitz jeder eine Chance. Da zwischen A- und Kreisklasse der Unterschied nicht allzu groß sei, sei ein gemeinsames Training absolut denkbar.

Gelingt der Aufstieg?

„Ich nenne es ,Projekt Zukunft‘“, sagt der angehende Coach, der einen sehr selbstbewussten Eindruck macht. Zweifel plagen ihn jedoch im Hinblick aufs Wiedersehen nach der langen Zwangspause – bei den Männern, aber vor allem im Nachwuchs. „Die Coronakrise fordert Opfer, die vielen Jugendlichen zurückzuholen, die dir jetzt abspringen, wird schwierig.“ Deshalb biete er Fortbildungen an für die Nachwuchstrainer, denn das Motto aller TSV-Coaches müsse sein: „Warum sollten die Trampolin-Turner und die Zocker am Handy zurückkommen? Also musst du als Trainer ein geiles Training machen, damit die sagen: Da will ich hin. Der TSV Langenzenn soll in aller Munde sein.“ 

Der Druck, den Gerlitz mit solchen Aussagen aufbaut, ist selbstredend groß. Auch das weiß er und entschuldigt das prophylaktisch mit einer Art Selbstbeschreibung: „Wenn du selber nicht brennst, kannst du kein Feuer entfachen.“ Und dann sagt er einen Satz, den ihm wohl derzeit jeder Amateurfußballer unterschreiben würde: „Wir haben jetzt schon Bock auf diesen Sommer.“ Sollte der Aufstieg in die Kreisliga schon unter Letizia gelingen, umso besser.

Mehr zum Thema