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Aufstand der Frauen

Soroptimistinnen diskutierten mit Sozialministerin - 25.02.2018 20:03 Uhr

Ein Balanceakt ist es für viele junge Frauen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Zudem müssen sie Lohneinbußen gegenüber Männern in vergleichbaren Tätigkeiten hinnehmen. © Foto: Tim Brakemeier / dpa


Die 1930 in den USA gegründete Organisation setzt sich weltweit für die Belange und Rechte von Frauen und Mädchen ein und vereint auch in Deutschland mehr als 6000 berufstätige Frauen in über 200 Clubs. Der eigenwillig klingende Name kommt aus dem Lateinischen: "Sorores optimae" bedeutet "beste Schwestern". Im Jahr 2010 wurde auch in Fürth ein Club gegründet und so lag es nahe, dass die deutsche Vizepräsidentin Elisabeth Reichert die Bezirksverbände aus ganz Bayern in die Kleeblattstadt einlud.

Zufrieden blickte sie sich in dem mit rund 100 Frauen nahezu voll besetzten Konferenzraum des Mercure Hotels am Laubenweg um. Die wenigen freien Plätze waren ihrer Einschätzung nach nur der aktuellen Grippewelle geschuldet, die auch vor den Soroptimistinnen nicht Halt macht. Außer der Pflege von Netzwerken und Kontakten sowie dem Führen interessanter Gespräche wurde bei dem Treffen natürlich vor allem gearbeitet. In dreizehn Gruppen erörterte man frauenpolitische Themen, über die mit der bayerischen Staatsministerin diskutiert werden sollte.

Emilia Müller, die seit 2005 Mitglied der bayerischen Staatsregierung, "aber auch Mutter und Oma" ist, wie sie stolz betonte, machte sich jede Menge Notizen zu den Ausführungen der Moderatorinnen und versicherte, die Wünsche und Forderungen als Hausaufgaben mit nach München zu nehmen. Ausführlich äußerte sie sich zu allen Themen, erläuterte aber auch ihre politische Sicht.

Brisante Themen

Sie nahm sich viel Zeit: Denn auf der Agenda standen so brisante Themen wie Zwangsprostitution, Sexsklaverei und Menschenhandel, die weibliche Genitalbeschneidung, von der in Deutschland meist Migrantinnen betroffen sind. Gewalt gegen Frauen in allen sozialen Schichten, die Finanznot der Frauenhäuser und die Probleme der Hebammen und Geburtshelfer, deren Pflichtversicherungsprämien mit bis zu 52 000 Euro exorbitant hoch sind, lösten eine rege Diskussion aus.

Auch für die rasche Umsetzung der Istanbul-Konvention – ein völkerrechtlicher Vertrag gegen Gewalt an Frauen, der neben Prävention und Opferschutz auch auf Strafverfolgung setzt und der von Deutschland bisher nicht ratifiziert wurde – machten sich die Frauen stark. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Entgeltgleichheit zwischen Mann und Frau – die Lohnlücke betrug 2017 erneut 21 Prozent im Durchschnitt, woraus sich für Frauen eine bis zu 53-prozentige Rentenlücke ergibt – oder die kostenfreie Kinderbetreuung bis zur sechsten Klasse stellte Emilia Müller in den Mittelpunkt. Darüber hinaus wurden ein Mentoring junger Frauen und Mädchen, die Integration neu zugewanderter Frauen, der Wandel im Familienrecht, ein "Ehe-Führerschein" und die überfällige Aufwertung von Sozialberufen thematisiert.

Die Männer als Vorbild

Die Staatsministerin blickte so freimütig wie humorvoll auf ihre Erfahrungen und Kämpfe in der Männerdomäne Politik zurück und wünscht sich, dass sich Frauen mehr zutrauen und sich gegenseitig mehr unterstützen. "Männer machen das ja auch." Sie betonte, dass 52 Prozent der Wähler weiblich sind. "Was könnten wir erreichen, wenn wir zusammenhalten würden?" Darauf, dass das mit dem Zusammenhalt immer öfter klappt, setzen natürlich auch die Soroptimistinnen in Fürth. 

SABINE BECK

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