Auch Infektionen in den eigenen Reihen

Aus Zukunftsangst: Das Staatstheater Nürnberg ruft nach der Impfpflicht

Johannes Alles
Johannes Alles

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2.12.2021, 09:57 Uhr
Blick ins Opernhaus, das Teil des Staatstheaters Nürnberg ist. 

Blick ins Opernhaus, das Teil des Staatstheaters Nürnberg ist.  © Daniel Karmann/dpa, NNZ

In einer Pressemitteilung aus dem Haus am Richard-Wagner-Platz heißt es in aufrüttelnden Worten: „Die aktuelle Corona-Lage bedroht den Kulturbetrieb in seiner Existenz.“ Angesichts „hoher Infektionszahlen und verschärfter Maßnahmen“ fordere das Staatstheater Nürnberg „eine allgemeine Impfpflicht“.

Die vierte Corona-Welle habe auch das Staatstheater schwer getroffen. Viele Veranstaltungen habe man kurzfristig absagen müssen. Die aktuellen Schutzmaßnahmen – 2G plus, FFP2-Maskenpflicht sowie eine maximale Platzbelegung von 25 Prozent – erschwerten den Spielbetrieb und machten den Theaterbesuch nicht attraktiver.

Intendant Jens-Daniel Herzog und der Geschäftsführende Direktor Christian Ruppert sind sich in der Beurteilung der Lage einig: „Die aktuellen Maßnahmen verschaffen uns Zeit, werden aber das Problem auf Dauer nicht lösen.“ Zwar hätten sie grundsätzlich Verständnis für persönliche Gründe, sich nicht impfen zu lassen. „Als Theaterleute müssen wir aber sagen: Mit einer jährlichen Corona-Welle im Winter hat das Theater, hat die Kultur keine Zukunft. Es wird uns nur dann weiterhin geben, wenn die Impflücke geschlossen wird.“

Das Staatstheater setze sich daher aktiv für Impfungen ein. Sichtbares Zeichen ist ein Plakatbanner am Opernhaus mit der Aufschrift „Impfen rettet Leben und die Kultur“. Den Mitarbeitenden bietet das Haus Anfang Dezember zum zweiten Mal in der Pandemie eine betriebliche Impfung gegen Covid-19 an.

Zudem habe die Theaterleitung der Stadt Nürnberg offeriert, das Staatstheater kurzfristig in ein öffentliches Impfzentrum umzuwandeln. „Es geht nicht um Ideologie, sondern um unsere Existenz“, betonen Herzog und Ruppert unisono.

Aktuell sei die Situation am Staatstheater äußerst angespannt. Man „verbrenne die letzten Ressourcen“, heißt es, um das Haus mit seinen mehr als 650 Mitarbeitenden „irgendwie offen und am Laufen“ zu halten.

Zwei Mitarbeiter in Quarantäne

Wie viele andere Betriebe und Unternehmen kommt dabei auch das Staatstheater nicht ohne Infektionen in den eigenen Reihen aus. Wie unsere Zeitung auf Nachfrage erfahren hat, sind aktuell zwei Personen betroffen, die „maßgeblich“ am Musical „Hairspray“ beteiligt sind, das am Samstag seine Premiere feiert. Womöglich sogar Regisseurin Melissa King? Zu den Namen und zum Impfstatus der Betroffenen macht das Theater keine Angaben. Nur so viel: Beide befänden sich in Quarantäne und werden die Premiere voraussichtlich verpassen. Die Produktion sei dadurch aber nicht gefährdet.

Nach eigenen Aussagen handhabe das Theater Infektionsfälle „eigentlich so wie überall“: Die betroffene Person müsse sich in Selbstquarantäne begeben und einen PCR-Test machen. Falle dieser positiv aus, lege das Gesundheitsamt das weitere Vorgehen fest.

Enge Kontaktpersonen aus dem beruflichen Umfeld müssten sich ebenfalls testen lassen. Geimpfte ohne Symptome könnten grundsätzlich weiterarbeiten, nur Ungeimpfte müssten als direkte Kontaktperson vorsorglich in Quarantäne – ein Vorgehen, das die Öffentlichkeit auch bei Teams der Fußball-Bundesliga beobachten kann.

Grundsätzlich gilt auch am Staatstheater die 3G-Regel am Arbeitsplatz: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich täglich testen lassen, um Zugang zum Haus zu bekommen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme stehen jedem Mitarbeitenden zwei Selbsttests pro Woche zu, deren Kosten der Arbeitgeber übernimmt.

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