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BVB gegen FCB ohne Zuschauer: "Das ist einfach nix"

Heimische Fanclub-Vertreter äußern sich zum Bundesliga-Topspiel zwischen Dortmund und dem FC Bayern - 26.05.2020 08:26 Uhr

Zumindest mit ihrem Banner sind die Red Dogs Stopfenheim im Stadion des FC Bayern München (hier bei einem früheren Match) auch in Zeiten sogenannter Geisterspiele optisch präsent. © Foto: Uwe Mühling


Am 26. Mai steht die Bundesliga wieder ganz besonders im Fokus, wenn die beiden Topteams aufeinandertreffen. Der Tabellenzweite Borussia Dortmund (57 Punkte) empfängt den Spitzenreiter FC Bayern München (61). Und zwar im leeren Stadion und ohne die berühmte "Gelbe Wand" – Europas größte Stehplatztribüne. Wie sehen die Fans dieses besondere Match, den sogenannten deutschen "Classico"? Und wie bewerten sie generell die Entwicklung mit Geisterspielen? Darüber haben wir im Vorfeld mit zwei Vorsitzenden von heimischen Fanclubs gesprochen: mit Helmut Aurnhammer vom FCB-Fanclub Red Dogs Stopfenheim sowie mit Stefan Müller vom BVB-Fanclub Südfranken.

Wenn um 18.30 Uhr der Anpfiff zum Schlagerspiel erfolgt, dann sieht Helmut Aurnhammer keinen klaren Favoriten. "Dortmund ist sehr gut drauf, sie gewinnen momentan alles", stellt der Bayern-Fan nach den beiden jüngsten BVB-Siegen mit 6:0 Toren anerkennend fest. Gleichzeitig weiß der 70 Jahre alte Stopfenheimer allerdings auch um die hervorragende Form der eigenen Münchner Mannschaft, die zuletzt ebenfalls zweimal gewonnen und dabei 7:2 Tore verbucht hat. Generell, so findet Aurnhammer, habe sich der Rekordmeister unter dem neuen Trainer Hansi Flick sehr gut entwickelt. Mit dessen ausgezeichneter Arbeit und Vertragsverlängerung ist der Red-Dogs-Chef vollends einverstanden.

Helmut Aurnhammer wäre in Dortmund grundsätzlich mit einem Remis zufrieden. Damit könnten die Bayern ihren Vier-Punkte-Vorsprung halten und den nächsten Schritt in Richtung Meisterschaft machen – es wäre der achte Titel in Folge. Sollten die Münchner gewinnen, dürfte eine Vorentscheidung gefallen sein. "Wenn wir verlieren", so weiß Aurnhammer", "wird es allerdings noch mal richtig eng."

Die riesige Stehplatztribüne mit dem Beinamen „Gelbe Wand“ (hier bei einem früheren Spiel) wird Borussia Dortmund heute im Gipfeltreffen mit dem FC Bayern München sicherlich fehlen. © Foto: Uwe Mühling


Und das ist natürlich die Hoffnung aller BVB-Fans: "Das ist auf jeden Fall die letzte Chance, um das Titelrennen noch einmal richtig spannend zu machen", sagt Stefan Müller. Er fungiert seit rund einem halben Jahr zusammen mit Martin Nürminger als Vorsitzender des Dortmund-Fanclubs Südfranken mit Sitz im Weißenburger Ortsteil Niederhofen. Auch Müller unterstreicht, dass beide Teams derzeit "gut drauf sind" und erwartet "ein Spiel mit viel Brisanz und Spannung, bei dem es keinen Favoriten gibt".

Den BVB-Anhängern liegt die 0:4-Pleite vom Hinspiel in München noch im Magen. Der Weißenburger Stefan Müller (35) war damals live im Stadion dabei und sah seine eigene Leidensfähigkeit stark strapaziert. Schade findet er es, dass nun im Rückspiel der Heimvorteil für Dortmund "nur sehr beschränkt" zum Tragen kommt, weil die eigenen Fans fehlen. Dennoch traut er der Borussia aufgrund der jüngsten Leistungen einiges zu im Gipfeltreffen und sieht beide Teams "auf Augenhöhe".

Helmut Aurnhammer ist Chef des Bayern-Fanclubs Red Dogs Stopfenheim. © Foto: Privat


Für Helmut Aurnhammer und die Red Dogs Stopfenheim liegt der letzte Stadionbesuch weit über zwei Monate zurück. Es war am 8. März beim Spiel gegen den FC Augsburg (2:0), das zugleich von der Stimmung her ein ganz besonderes war. Die Bayern feierten damals mit ihren Fans das 120-jährige Vereinsbestehen. Dazu gab es unter anderem eine eindrucksvolle Ganzstadion-Choreografie. Als die Allianz-Arena ganz in Rot und Weiß getaucht war, dachte wohl kaum jemand, dass dies für Wochen, ja für Monate das letzte Match vor großer Kulisse sein würde.

So ist es aber gekommen. Die Karten für die nächsten beiden Partien bei Union Berlin und daheim gegen Eintracht Frankfurt hat Aurnhammer noch zu Hause auf seinem Schreibtisch liegen. In beiden Fällen läuft derzeit noch die Rückabwicklung. Die Begegnungen selbst wurden inzwischen vor leeren Rängen ausgetragen. Für weitere Spiele waren die Tickets noch nicht in Stopfenheim eingetroffen. Helmut Aurnhammer und seine Red Dogs fahren zu allen Heimspielen, manchmal sogar mit zwei Bussen und mit weit über 100 Leuten. Gerade jetzt im Mai mit der heißen Phase in Bundesliga und Champions League wären die Bayern-Fans in einem normalen Jahr laufend unterwegs. "Das ist schon sehr, sehr bitter, aber was willst du machen", sagt Aurnhammer, dessen Fanclub inzwischen stolze 5400 Mitglieder zählt.

Etliche Nummern kleiner sind die "Südfranken", kein Wunder auch, liegt Weißenburg doch rund 500 Kilometer von Dortmund entfernt. Aktuell hat der BVB-Fanclub insgesamt 74 Mitglieder, die regelmäßig zu den Spielen ihrer Mannschaft fahren – meist mit einem Kleinbus und vor allem zu den Auswärtspartien im süddeutschen Raum, teils aber auch zu den Heimspielen im größten Bundesliga-Stadion, dem Dortmunder Signal-Iduna-Park. Heute können sie dort aber ebenso wenig vor Ort sein wie alle anderen Fans und werden das Match – genauso wie die Münchner Anhänger – im privaten Umfeld im Fernsehen verfolgen. Der klassische Fanclub-Treff ist momentan kein Thema.

Stefan Müller ist einer der zwei Vorsitzenden des BVB-Fanclubs Südfranken. © Foto: Privat


Was die Geisterspiele generell anbelangt, so sind die beiden Fanclub-Vorsitzenden hin- und hergerissen. Stefan Müller freut sich einerseits, dass es wieder weitergeht in der Bundesliga. Andererseits möchten er und viele andere Fans am liebsten live im Stadion dabei sein und die Emotionen miterleben. Für das Topspiel hätten die 2013 gegründeten "Südfranken", die sechs Jahre lang von Lothar Satzinger angeführt wurden, sogar Karten gehabt. Vergebens, es nützt nichts. "Fußball ohne Zuschauer im Stadion, das ist schon schwere Kost", findet Müller.

Helmut Aurnhammer sieht es ähnlich: Finanziell gesehen sei die Fortführung der Bundesliga mit Geisterspielen zwar nachvollziehbar, "doch Fußball ohne Zuschauer – das ist einfach nix", findet der Red-Dogs-Macher. Er befürchtet allerdings auch, dass der Zustand noch länger andauern wird: "Ich gehe davon aus, dass heuer gar keine Spiele mehr mit Zuschauern stattfinden, ich kann mir das nicht vorstellen", sagt Aurnhammer. Als kleiner Trost bleibt den Red Dogs Stopfenheim, dass zumindest ein Banner ihres Fanclubs bei den Heimspielen im Münchner Stadion hängt.

UWE MÜHLING

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