Hohe Bereitschaft, wenig Bedarf

Corona-Impfung in Apotheken: Wann geht's in der Region los?

17.1.2022, 05:55 Uhr
Auch in Apotheken kann man sich künftig impfen lassen. Doch nicht alle werden diese Möglichkeit anbieten. 

Auch in Apotheken kann man sich künftig impfen lassen. Doch nicht alle werden diese Möglichkeit anbieten.  © Bernd Wüstneck, dpa

Lange haben die Apotheken darauf gewartet, jetzt ist es offiziell. Durch den Beschluss der neuen Coronavirus-Impfverordnung können sie mit in die Impfkampagne einsteigen. In Deutschland wären 44,5 Prozent der Apotheken bereit, eine Corona-Impfung anzubieten. Das ergab eine Online-Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Für Bayern oder einzelne Städte und Landkreise gibt es aktuell keine genauen Zahlen, aber Heiko Scholl, zweiter Bezirksvorsitzender der mittelfränkischen Apothekerinnen und Apotheker und Inhaber der Pegnitz-Apotheke in Röthenbach (Kreis Nürnberger Land), schätzt, dass in der Region "mindestens ein Drittel der Apotheken auch bereit" wären.

Doch die Gefühlslage bei den Apothekern in der Region ist durchwachsen. "Die Stimmung ist am Anschlag", sagt Ralf Schabik, erster Bezirksvorsitzender der mittelfränkischen Apotheken und Apothekerinnen und Inhaber der Wallenstein-Apotheke in Altdorf (Kreis Nürnberger Land). "Die Pandemie stellt uns seit Beginn vor Herausforderungen." Er sei zwar stolz, dass die Politik den Apotheken das Impfen zutraue, doch sei es eine Zusatzaufgabe, die "uns massiv fordern wird". "Wir müssen verschiedene Gegebenheiten erfüllen. Das geht räumlich und personell nicht in jeder Apotheke."

Denn für das Impfangebot müsste nicht nur Personal vom täglichen Geschäft abgezogen werden. Bevor sie mit dem Impfen loslegen können, ist für die Apothekerinnen und Apotheker eine zwölfstündige Fortbildung verpflichtend.

Deswegen werde sich der Start der Impfungen etwas verzögern. "Ende Januar werden wir in der Lage sein, die ersten Impfungen anzubieten", schätzt Scholl.

Umbau ist notwendig

Eine weitere Herausforderung für die Apotheken ist, dass sie "geeignete Räumlichkeiten mit der Ausstattung zur Verfügung" stellen müssen, "die für die Durchführung von Schutzimpfung gegen das Coronavirus" notwendig sind, wie es in der Impfverordnung heißt.

"Die Räume müssen ähnlich wie eine Praxis umgebaut werden, also zum Beispiel mit einer Liege und Stühlen für den Wartebereich. Und es müssen extra Räume sein, einen zum Impfen und einen Warteraum, abgegrenzt vom Verkaufsraum," sagt Daniel Sauer, Inhaber der Germania Apotheke und dreier weiterer Apotheken in Nürnberg.

Heiko Scholl fürchtet, dass aufgrund der notwendigen Anforderungen nicht alle Apotheken mitmachen könnten. "Ich schätze aber, dass in Nürnberg ein Großteil der Apotheken die Möglichkeiten hat."

Impfstoffverteilung entscheidet über Erfolg

Dennoch ist der zweite Bezirksvorsitzende skeptisch: "Ob wir tatsächlich zur Nadel greifen werden, ist eine andere Frage. Das hängt von der Impfstofflieferung ab." Vor allem beim Impfstoff von Biontech sei die benötigte Menge nicht da.

Jeder Arzt dürfe aktuell 30 Dosen des Impfstoffs pro Woche bestellen, "aber selbst diese wenigen bekommen wir nicht", sagt Scholl. Nur rund 40 bis 60 Prozent der bestellten Menge könne auch ausgeliefert werden. Der Impfstoff von Moderna sei hingegen viel auf dem Markt, "aber die Bereitschaft ist nicht da", sagt er.

Kein Bedarf in der Region

Auch andere Apotheker haben Zweifel. Daniel Sauer steht in den Startlöchern, um in die Impfkampagne einzusteigen. "Wir treffen die letzten Vorbereitungen. Ich rechne mit einem Start Anfang Februar." Dennoch: "Vorpreschen angesichts des Impfstoffmangels ist nicht sinnvoll", sagt er. Er hoffe, dass das Gesundheitsministerium es bald schaffe, mehr Impfstoff zu besorgen.

Ob es in der Region überhaupt notwendig ist, dass Apotheken in die Impfkampagne mit einsteigen? "Nein, der Bedarf ist im Nürnberger Land nicht gegeben. In anderen Regionen kann das anders aussehen. Wo es kein Impfzentrum und nur wenige Ärzte gibt, da kann es gut sein, dass die Apotheken durchstarten", sagt Scholl. Solange es aber in den Impfzentren noch freie Termine gebe, "macht es wenig Sinn, als Apotheke einzusteigen". Aber "die Bereitschaft ist da. Wenn es nötig wird, stehen wir Gewehr bei Fuß und sind bereit, die Politik zu unterstützen". Außerdem sei die Einrichtung von Impfmöglichkeiten in Apotheken "notwendig und sinnvoll", so Scholl. "Für den Grippeschutz, aber auch für alles andere, was da noch kommt."

Apotheke als Alternative zum Hausarzt

Auch Daniel Sauer sieht die Impfung in Apotheken als wichtigen Schritt zur Bekämpfung der Pandemie. Viele Bürger wollten nicht zum Hausarzt oder der Hausärztin oder hätten keine. "Die Apotheken sind die niederschwelligste Anlaufstation im Gesundheitssystem."

Schon in den letzten Wochen hätten pro Tag etwa 20 bis 30 Kundinnen und Kunden beim Medikamentenkauf nach der Impfung gefragt. "Da könnten viele gleich beim Abholen ihrer Medikamente die Dosis bekommen."

Vergütung nicht kostendeckend

Ein zentrales Thema in der Diskussion um die Coronavirus-Impfverordnung war die Vergütung der Apothekerinnen und Apotheker für die Impfung. Jetzt ist klar: Apotheker bekommen für jede Spritze das gleiche Honorar wie Ärzte und Ärztinnen. Dieses beträgt an Wochentagen 28 Euro, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen 36 Euro, wie BR24 berichtet.

Ralf Schabik merkt allerdings an: "Ich kann mir keinen Apotheker vorstellen, der das aus finanziellen Gründen macht. Denn selbst mit der gleichen Vergütung wird das nicht kostendeckend ablaufen können." Auch Heiko Scholl ist der Überzeugung: "Das was wir tun können, sollten wir auch tun. Da geht es nicht um Zusatzgeschäfte, sondern um den ethischen Anspruch der Gesellschaft zu helfen."