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Die ersten 190 Flüchtlinge erreichen Schwaig

BRK fordert Windeln und Babynahrung an - Infotermin am 23. September - 17.09.2015 10:57 Uhr

Die ersten Asylbewerber ziehen in die ehemalige Druckhalle in der Schwaiger Reichswaldstraße ein. © Braun


„Es gibt Lieferengpässe“, sagt Wolfgang Röhrl, Abteilungsleiter Soziales am Landrats­amt, der sich vor Ort ein Bild macht. Auch Planen seien kaum noch zu bekommen, weshalb nicht alle Abteile einen Sichtschutz haben. Es ist der Versuch, wenigstens ein bisschen Privatsphäre zu schaffen. Ein Provisorium, „das in keinster Weise unseren Anspruch an eine Asylunterkunft erfüllt“, betont Röhrl mehrfach. Doch in der Kürze der Zeit sei nicht mehr möglich gewesen.

Erst am Freitag hatte das Landratsamt den Mietvertrag mit dem Besitzer der ehemaligen ODN-Halle geschlossen, am Montagabend dann die Nachricht aus Ansbach, dass die Erstaufnahmeeinrichtung in Schwaig schon tags darauf belegt wird.

Der erste Bus trifft ein. Männer und Frauen steigen aus mit vielen Kindern, darunter kleine Babys. Beim Durchsehen der Namenslisten - die Flüchtlinge sind bereits registriert - folgt die erste Überraschung. Statt der erwarteten Syrer sind vor allem Flüchtlinge aus Albanien gekommen, die eigentlich in Manching oder Bamberg untergebracht werden sollten. Doch nun sind sie hier und müssen versorgt werden.

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Die Sicherheitsleute verteilen Armbändchen, das BRK fordert Windeln, Babynahrung und mehr aus Hersbruck an. Während die Putzfrauen noch den Boden wischen, Handwerker Maschinen abbauen und der Caterer plant, wo er die Essensversorgung aufbaut, ziehen die ersten Flüchtlinge in die nüchtern mit A1 benannte Parzelle ein. Ihr Hab und Gut schleppen sie in Koffern, Plastik- oder Mülltonnen mit sich.

Einrichten brauchen sie sich in Schwaig aber nicht. Denn sie sollen nur wenige Tage bleiben, bevor sie in feste Unterkünfte vermittelt werden. Der Zeitplan hängt maßgeblich am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das die Anträge bearbeitet. Hochrechnungen und Quoten für die Asylbewerber anzustellen sei derzeit allerdings nicht möglich. Kaum sind die neuesten Zahlen da, sind sie auch schon wieder überholt.

Bürgermeisterin Ruth Thurner und Landrat Armin Kroder treffen vor Ort ein. Er sei froh, dass die Halle zur Verfügung steht, auch wenn sie sicher nicht ideal sei, sagt Kroder. „Aber es ist immer noch besser, als die Menschen in Zelten oder Turnhallen unterbringen zu müssen.“ Das ist im Nürnberger Land - zumindest vorerst - noch nicht nötig. 

Die Gemeinde Schwaig lädt die Bürger am Mittwoch, 23. September, zu einer Infoveranstaltung zur Unterbringung der Asylsuchenden in der Gemeinde ein. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr in der Aula der Südschule (Oberer Röthelweg 3) statt.

In der Nacht zum Donnerstag kamen auch in Nürnberg vier Busse mit Flüchtlingen an, sie wurden in Schulturnhallen untergebracht:

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Am späten Mittwochabend ist in Nürnberg der erste von vier Bussen mit Flüchtlingen aus Simbach am Inn an der österreichischen Grenze eingetroffen. Die 37 Erwachsenen und 20 Kinder kommen hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan. Drei weitere Busse mit etwa 150 Flüchtlingen erreichten die Noris im Laufe der Nacht. Vielen von ihnen waren die Strapazen der Flucht ins Gesicht geschrieben. Sie werden in der eilig hergerichteten Schulturnhalle in der Siedlerstraße kurzfristig untergebracht.


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Tina Braun

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