Die Hand an der Säge: Polizei jagt ein Phantom

7.12.2012, 11:00 Uhr
Ein aufschlussreiches Schnittbild hinterließ der „Baumfrevler“ nahe der Siebenbogenbrücke in Fürth. Der Stamm wurde erst zur Hälfte angesägt und dann abgebrochen. Dasselbe Muster findet sich etwa auch bei den Berngauer Fällen.

Ein aufschlussreiches Schnittbild hinterließ der „Baumfrevler“ nahe der Siebenbogenbrücke in Fürth. Der Stamm wurde erst zur Hälfte angesägt und dann abgebrochen. Dasselbe Muster findet sich etwa auch bei den Berngauer Fällen. © Winckler

Ende Oktober schlug der so genannte „Baumfrevler“ – eine elegantere Bezeichnung ist den Medien für den Täter bisher nicht eingefallen – das letzte Mal in Neumarkt zu. Der Tatort: die Umgehungstraße im Abschnitt Berliner Ring. Zwischen dem neuen Kreisel am Blomenhof und der Brücke der Abfahrt nach Holzheim (Beckenhofer Weg) wurden erneut einige junge Bäume Opfer des inzwischen schon berüchtigten „Sägeteufels“.

Innerhalb eines Jahres hat er Bäumchen im Gesamtwert von immerhin rund 86000 Euro eine Krone kürzer gemacht. „Das ist in unserer Gegend ein ganz neues Phänomen“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Jörg Degenkolb. Zumindest kann sich der stellvertretende Leiter der Neumarkter Inspektion nicht an eine Anschlagsserie dieser Art erinnern.

Allein dreimal schlug der Übeltäter an der B8 in Höhe von Pölling, zwischen Kreisverkehr und Grünberg, zu. Auch mehrere Bäume entlang des Radwegs von Berngau in Richtung Staufer Kreisel mussten dran glauben. Ein anderes Mal sägte der Unbekannte fernab von Neumarkt, an der Staatsstraße zwischen Seligenporten und Allersberg.

Bis heute jagt die Polizei ein Phantom: Der Baumfrevler wurde bei keiner einzigen seiner Taten beobachtet. Es gibt es nur wenige Anhaltspunkte. So wagte er sich nur an Bäume mit einem Durchmesser von maximal 20 Zentimetern. Dies und einige „Schnittbilder“ ließen vermuten, dass er eine japanische Säge verwendet haben könnte. Im Unterschied zu herkömmlichen arbeiten die Zähne dieser Handsägen nicht auf Stoß, sondern auf Zug, und das leicht und deshalb schnell.

Und auch über das Motiv der Zerstörungswut können Jörg Degenkolb und seine Kollegen derzeit nur rätseln. Die Serie hat aber längst eine überregionale Dimension bekommen. „Die ersten Fälle sind bereits bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth anhängig“, sagt Degenkolb.

Weil sich in Stadt und Landkreis Fürth in diesem Jahr ganz ähnliche Fälle ereigneten – auch hier geht der Schaden in die Zehntausende –, wurde bei der Fürther Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet. Dort wird man freilich hellhörig, wenn in Neumarkt Bäume gekappt werden. Und deshalb leitet die Staatsanwaltschaft die hiesigen Fälle dorthin weiter. „In Fürth laufen alle Informationen zusammen“, sagt Oberstaatsanwalt Alfred Huber.

Nur: Auch in der Kleeblatt-Stadt sei man dem Täter noch keinen Schritt näher gekommen. Dass er hier wie da im Stadtbereich und an größeren Landstraßen zuschlägt, aber nie gesehen wurde, lässt vermuten, dass er in der Nacht unterwegs ist. Auf Gedankenspiele dieser Art lässt sich der Oberstaatsanwalt gerne ein, stellt am Ende jedoch klar: „Das ist aber alles nur Spekulation.“

Auch die Frage, ob der ostmittelfränkische Baumfrevler vielleicht identisch sei mit dem aus der Westoberpfalz, könne er nicht beantworten, sagt der Strafverfolger. Auffällig aber: „Die Serie an Baumbeschädigungen ist im Fürther Raum zur Mitte des Jahres abgerissen.“

In Neumarkt war der Baumfrevler hingegen noch im Herbst aktiv. Sollte einem Autofahrer oder Spaziergänger einmal eine verdächtige Person auffallen, die sich an Bäumen zu schaffen macht, dann sei es nicht ratsam, sie selbst stellen zu wollen, meint Jörg Degenkolb von der PI Neumarkt. Könnte der Täter seine Säge doch auch als Waffe gegen den Zeugen einsetzen. „Lieber mit dem Handy sofort bei uns anrufen.“

Hinweise an die PI Neumarkt unter (09181) 48850.