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Die Wurzeln der Wissenschaft

Vortragsreihe im Planetarium zeigt, welche Lehren aus dem Arabischen nach Europa kamen - 13.10.2020 20:48 Uhr

Arabische Gelehrte messen den Stand der Sonne über der babylonischen Ebene. Der Ursprung des Motivs wird etwa auf das Jahr 825 geschätzt.

13.10.2020 © Foto: imago/Leemage


Diesen "Arabischen Wurzeln der europäischen Wissenschaft" geht eine neue Vortragsreihe im Nürnberger Planetarium ab heute nach. An acht Abenden präsentieren die Referenten die Ursprünge der Alchemie und der Astronomie, der Medizin und der Mechanik. Leich hat die Reihe für das Bildungszentrum Nürnberg konzipiert, die die Nürnberger Zeitung als Medienpartner begleitet. Kooperationspartner sind außerdem der Förderverein ART & Friedrich, das Arabische Haus Nürnberg und die Naturhistorische Gesellschaft.

Was ist der Sinn des Lebens?

Den Auftakt macht heute Abend die Philosophie. "Damals wie heute haben sich die Menschen die gleichen Fragen gestellt", sagt Cleophea Ferrari. Was ist der Sinn des Lebens? Welchen Nutzen hat Sprache? Was beeinflusst das Denken? Ferrari ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Erlanger Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft. Ihr Spezialgebiet ist der Einfluss der antiken Philosophie aus Griechenland auf die Arabische Welt und später dann auf das lateinisch geprägte Westeuropa.

"Rund um das Mittelmeer gibt es eine gemeinsame Grundlage der Philosophie und das schon sehr lange, ab dem siebten, achten Jahrhundert nach Christus bis heute", sagt sie. Viele Texte sind im Original erhalten, und warten noch darauf, übersetzt zu werden. "Arabisch war die Wissenschaftssprache dieser Zeit", erklärt die Expertin. "Einiges hängt vom Erhaltungszustand der Schriften ab." Trotz Digitalisierung sei es wichtig, die Dokumente wirklich in Händen zu halten. "Die Feinheit eines Tintenstrichs, kleine Punkte, die in einer Aufnahme nicht zu sehen sind, können einen Unterschied machen." Manche Quellen existieren nur ein Mal, wenn sie kaputt gehen, sind sie für immer verloren.

Schon damals beschäftigen sich Gelehrte etwa mit der Frage, wie Wissenschaft und Religion zueinander finden können. "Wie lassen sich Rationalität und Offenbarung unter einen Hut bringen?", fragt Ferrari. "Diese Überlegungen sind auch heute noch hoch aktuell." Für die Wissenschaftlerin ist vor allem interessant, wie Leute in einem anderen Lebensumfeld über die gleichen Themen denken. "Ich sehe mir das aus reinem Interesse an und nehme es auf, ohne eine Wertung darüber abzugeben", sagt sie. "Der Rückblick und die Vernetzung der Welt ermöglicht uns heute, einen unglaublich großen Horizont zu haben."

INFO

Arabische Wurzeln der europäischen Wissenschaft. Ab Mittwoch, 14. Oktober, jeweils von 19 bis 20.30 Uhr im Planetarium Nürnberg, Am Plärrer 41. Inhaber einer ZAC-Karte erhalten ermäßigten Eintritt. Nach aktuellem Stand dürfen maximal 70 Gäste in den Kuppelsaal. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Reservierung und Angabe von Kontaktdaten möglich.

Christina Merkel

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