Sonntag, 11.04.2021

|

Ein Jahr in einem Kinderleben: "Ich finde Corona nur doof!"

Vorschulkinder, Eltern und Erzieherinnen aus dem Büchenbacher Awo-Kindergarten erzählen, wie sie das Pandemie-Jahr erlebt haben. - 07.03.2021 06:00 Uhr

Manchmal sagen Bilder tatsächlich mehr als viele Worte: Maskenpflicht, bedingt durch das hoch ansteckende Coronavirus und die Tatsache, dass man die Freunde nicht zum Spielen treffen darf. Das fällt Emily spontan ein, wenn sie an die vergangenen Monate denkt.

05.03.2021 © Foto: Diana Derylak


Mit Beginn des ersten Lockdowns vor ziemlich genau einem Jahr wird viel über die jüngste Generation diskutiert. Wir wollten von denjenigen wissen, um die es in all diesen Gesprächen geht, wie sie selbst dieses eine Corona-Jahr sehen. Nebenbei: Für viele von ihnen machen die vergangenen zwölf Monate ein Viertel ihres ganzen Lebens aus. Und typisch für die aktuelle Situation: Just an dem Tag, an dem das Gespräch geführt werden sollte, mussten alle Kinder des Büchenbacher Awo-Kindergartens nach nur wenigen Stunden in der Kita wieder abgeholt werden. Ein positiver Test innerhalb der Einrichtung war der Grund. Die Folge: Alle Kinder müssen seitdem in häuslicher Quarantäne einmal mehr (Warte-)Zeit absitzen. Ohne Spielkameraden. Ohne draußen herumbolzen zu können.

Im Folgenden einige Auszüge aus der Gesprächsrunde mit Kindern, Eltern und Erzieherinnen, die für große und kleine Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation Wiedererkennungswert haben dürften.

Emily (5): "Ich finde es ganz schlimm, dass man sich nicht sehen darf. Jetzt mit der Quarantäne auch nicht mal den Opa. Mit dem habe ich heute schon telefoniert und ihm gesagt, dass ich ihn vermisse. Ich möchte so gern mal wieder ins Freibad zum Schwimmen gehen. Oder Halloween feiern. Oder einfach beim Opa übernachten und Eis und Krapfen mit ihm essen. Also eigentlich kann ich mich schon gar nicht mehr an die Zeit ohne Corona erinnern."

Es gibt auch Positives aus dem Corona-Jahr: Vivian beispielsweise erinnert sich an ihr Geburtstagsgeschenk, die zwei Zwergwidder-Kaninchen. Und außerdem nutzte die Familie den Sommer, um einen Pool anzulegen.

05.03.2021 © Foto: Diana Derylak


Georg (6): "Corona ist bescheuert. Das beißt einen in die Lunge und dann sterben alle. Da muss man sich einfach an die Regeln halten. Aber es gibt welche, die das nicht machen. Wenn die Corona bekommen, sind sie selber Schuld. Daheim ist es zwar auch ganz gemütlich. Aber ich mag viel lieber in den Kindergarten gehen. Zu meinen Freunden."

Mia (6): "Ich mag endlich, dass kein Corona mehr ist. Und ich draußen mit den anderen spielen kann. Meinen Geburtstag konnte ich auch gar nicht richtig feiern."

Sandra Richter (Mutter von Mia): "Es stimmt, Mia hatte Mitte Februar Geburtstag, und die Verwandten und Freunde haben die Geschenke quasi im Vorbeigehen abgegeben. Mia war echt traurig.

Im ersten Lockdown fand ich es sogar noch gut, mal ein bisschen Tempo aus dem Alltag rausnehmen zu können. Aber dann mussten wir unseren Urlaub canceln – wir wären nach Amerika geflogen. Für mich und uns als Familie ist die Zeit ein ständiges Auf und Ab. Mittlerweile fehlt mir wirklich ein Stück Normalität. Manchmal denke ich, die Kinder stecken das besser weg als wir Erwachsenen."

So sieht Vorschule in Corona-Zeiten aus: Über Laptop treffen sich Kindergartenleiterin Julia Rackl und ihre Kollegin Annett Döll mit den Jungen und Mädchen einmal die Woche. Seit vielen Monaten schon. Was anfangs eine Notlösung schien, hat sich zu einem guten Medium entwickelt. Aber auch, weil die Eltern voll mitziehen.

05.03.2021 © Foto: Claudia Weinig


Annett Döll (Erzieherin): "Das kann ich bestätigen. Als wir uns nach acht Wochen Schließung erst im Februar das erste Mal nach Weihnachten getroffen haben, erzählten die Kinder von ihren Weihnachtsgeschenken. Als wäre dazwischen nichts gewesen. Und was das Thema ,Entschleunigung‘ angeht – stimmt. Das fand ich im Frühjahr 2020 noch gut. Diesen zweiten Lockdown dagegen finde ich einfach unheimlich anstrengend. Mir geht es wie vielen anderen: Neben Beruf und Haushalt muss ich seit Monaten auch noch den neuen Job als Lehrerin mit unter einen Hut bringen – dank Homeschooling meiner zwei Kinder."

Julian (5): "Ich wäre jetzt viel lieber im Kindergarten. Corona ist echt ganz blöd. Wenn man sich ansteckt, kann man daran sterben. Und ich darf deswegen nicht ins Fußballtraining. Das finde ich auch blöd."

Vivian (6): "Mir gefällt‘s gar nicht, wenn ich nicht in den Kindergarten gehen kann. Ich vermisse meine Freunde. Daheim spiele ich manchmal mit meinem kleinen Bruder. Aber der ärgert mich halt dauernd."

Von traurig–schwarz bis bunt: In der Hoffnung, bald wieder mehr zu dürfen als jetzt, bringen die Kinder – just an diesem Tag nach einer positiven Testung in Quarantäne geschickt – ihre Gedanken zu „Corona“ zu Papier.

05.03.2021 © Foto: Claudia Weinig


Julia Rackl (Kita-Leiterin): "Was Corona mit unseren Kindern macht, werden wir wohl erst viel später sehen. Bei allen Schwierigkeiten in der Zeit muss ich sagen, dass ich auch viel Positives erlebe. Die Solidarität im Team. Auch von Seiten der Eltern. In all der Zeit mit spontanen Schließungen wie heute, gab es kein einziges böses Wort. Im Gegenteil.

"Haltet durch", bekommen wir immer wieder zu hören. Ich habe auch den Eindruck, dass die Väter genauso mitziehen wie die Mütter, also nicht die ganze Belastung an den Frauen hängt.

Nach der ersten Schockstarre sind wir mittlerweile technisch super ausgestattet. Wir werden von unserem Träger, der Arbeiterwohlfahrt, wirklich in allem voll unterstützt.

Was mich selber erstaunt, ist, wie gut die Kinder mit der Situation klarkommen. So schwer es oft zu managen ist, aber das Gefühl, den Kontakt zu den Kindern und deren Familien zu verlieren, hatten wir als Team hier nie."

Marion Krehn (Mutter): "Eigentlich sind meine zwei Kinder ganz gut drauf. Dafür, dass sie so viel und so oft auf ihre Freunde verzichten müssen. Was auch uns als Familie inzwischen wirklich schwerfällt. Irgendwie vereinsamt man schon. Und irgendwie müssen wir Eltern immer funktionieren. Aber es fragt keiner, ob und wie das klappt."

CLAUDIA WEINIG

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de