Erste Bilanz für Schwabach, Roth und Hilpoltstein

Ein Jahr plastikfrei: So machen sich die Unverpackt-Läden

Gunther Hess

Schwabacher Tagblatt

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28.10.2021, 11:01 Uhr
Vor gut einem halben Jahr eröffneten auch Markus und Sophie Altmann einen eigenen Plastikfrei-Laden in ihrer Gärtnerei in Hilpoltstein.
 

Vor gut einem halben Jahr eröffneten auch Markus und Sophie Altmann einen eigenen Plastikfrei-Laden in ihrer Gärtnerei in Hilpoltstein.   © Tobias Tschapka, NN

2014 eröffnete in Kiel der erste Unverpackt-Laden. Unverpackt-Laden heißt, dass die Artikel ohne Verpackung verkauft werden. Entweder bringen Kunden eigene Beutel, Becher, Schraubgläser oder Dosen mit, oder die Waren werden im Mehrwegbehältnissen angeboten. Der Verkauf von Lebensmitteln, Hygiene- und Kosmetikartikeln, sowie weiteren Produkten ohne Verpackung gilt als nachhaltig, denn es fällt kein Abfall an.

Erster Geburtstag

Seit einem Jahr verkauft „Die naggerde Hummel“ in Schwabach ihre Produkte ohne herkömmliche Verpackung.
 

Seit einem Jahr verkauft „Die naggerde Hummel“ in Schwabach ihre Produkte ohne herkömmliche Verpackung.   © Die naggerde Hummel, NN

„Die naggerde Hummel“ in der Friedrichstraße 5 und 7 ist Schwabachs Unverpackt-Laden. Am 31.Oktober feiert er seinen ersten Geburtstag. Bis dahin gibt es Rabatte, am Samstag, 30. Oktober, können sich Kunden außerdem im Laden ein frisches Peeling für die Haut mischen.

Der Laden in der Friedrichstraße bietet seine Artikel in Abfüllstationen an, aus denen man die mitgebrachten Behältnisse selbst befüllen kann. Angeblich spart dies sogar Geld, weil nur so viel gekauft werden kann, wie benötigt wird, und keine Kosten für Verpackungsmaterial anfallen.

Großhändler stellen sich um

„Wir sind auf einem ganz guten Weg“, sagt Eigentümerin Jacqueline Volland. Die Großhändler würden sich immer mehr umstellen und beispielsweise auch in Papiersäcken oder Pfandeimern liefern. Ihr Stamm-Großhandel Bananera sitzt in Erlangen.

Ganz ohne Plastik gehe es allerdings nicht, wie Volland am Beispiel von Sultaninen deutlich macht. Die nehme „Die naggerde Hummel“ allerdings in Großgebinden ab. In einem Karton sei da lediglich ein Plastiksack.

Der Laden bietet auch Bruchschokolade an. „Da haben wir 1400 Tafeln vor der Tonne gerettet“, sagt die Eigentümerin stolz. Auch 1000 Shampoo- und Duschbad-Plastikflaschen seien eingespart worden, ebenso 250 Spülmittel-Flaschen.

Ein großer Laden

„Die naggerde Hummel“ ist laut Volland unter den 20 größten Unverpackt-Läden Deutschlands. Die meisten hätten 60 bis 90 Quadratmeter, ihr Laden habe 120. Die Größe biete die Chance auf Erweiterung. „Wir haben unser Sortiment um 50 Prozent vergrößert“, erklärt die Chefin.

Unverpackt, regional und

Unverpackt, regional und "bio" sind die Lebensmittel in der "naggerden Hummel". © Die naggerde Hummel, NN

So sei eine Eis-Truhe angeschafft worden, verkauft werde Eis im Pfandglas. Im Pfandglas sei auch eine Nuss-Nougat-Creme erhältlich, ebenso wie Ketchup. In der Vorweihnachtszeit gebe es Backwaren, wie zum Beispiel Orangeat oder Zitronat oder gemahlene Mandeln.

„Die naggerde Hummel“ gewährt heimischen Produzenten Vorrang, die Waren legen also bis in den Laden keine weiten Wege zurück, was die CO2-Bilanz niedrig hält. Zusätzlich wird die Wirtschaft in der Region unterstützt. Es geht nicht nur darum, Verpackungsmaterial einzusparen, sondern die Nachhaltigkeit schon bei der Produktion zu fordern. Aus diesem Grund setzt „Die naggerde Hummel“ auf Bio-Qualität und fair gehandelte Waren.

Kindergärten werden beliefert

Der Laden beliefert auch Kindergärten mit seinen Bio-Lebensmitteln. „Wir wollen, dass gerade die Kleinsten unter uns schon mit gesundem Essen aufwachsen können“, heißt es auf der Internet-Seite des Ladens. „Wir können euch unterstützen, damit die Erzieher wieder mehr Zeit haben.“ Derzeit beliefert „Die naggerde Hummel“ drei Kindergärten.

Keine Wurst im Sortiment

Im Sortiment sind Obst, Gemüse, Körner, Mehle, Gewürze, Kräuter, Trockenfrüchte, Backzutaten, Kaffee, Espresso, Kakao, Körper- und Haarpflegemittel, Reinigungs- und Waschmittel, Molkereiprodukte, Eier, Müsli, Flocken, Essig und Öle, Nüsse, Süßigkeiten, Schokolade, Tee, Cremes, Deos, Haushaltswaren, Brot und andere Backwaren, Reis, Teigwaren, Konserven, Hülsenfrüchte, Ölsaaten, Getränke, Behältnisse, Produkte für die Zahnpflege, sowie ausgewählte Bücher. Auch eine kleine Käsetheke gibt es. Wurst allerdings sucht man vergeblich. „Der Laden ist vegetarisch“, so Volland.

Woher hat „Die naggerde Hummel“ ihren Namen? „Zero-Hero“ heißt der Unverpackt-Laden in Nürnberg. Aber Englisch? In Schwabach musste es etwas Fränkisches sein. Ursprünglich dachten Jacqueline Volland und ihr Freund an ein „Naggerdes Gicherla“, doch sie entscheiden sich schließlich für eine Hummel.

Zweites Standbein neben Gärtnerei

Der plastikfreie Laden „Blumig-Unverpackt“ in der Gärtnerei Altmann, Heidecker Straße 26, in Hilpoltstein hat erst Ende März dieses Jahres eröffnet. Auch hier kann man plastikfrei einkaufen. Der Unverpackt-Laden dient als zweites wirtschaftliches Standbein zur Gärtnerei des Unternehmer-Ehepaars Sophie und Markus Altmann - außerdem handelte es sich beim dem Projekt um einen Herzenswunsch von Sophie Altmann. Das Sortiment umfasst unter anderem Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Naturkosmetik, Waschmittel.

Keiner der beiden Inhaber hat den gemeinsamen Entschluss bis jetzt bereut. „Unser Start verlief gut, viele aus Hilpoltstein und der Region haben seitdem bei uns vorbeigeschaut“, betont Gärtnermeister Markus Altmann. „Da wir mitten im Lockdown geöffnet haben, fehlt uns natürlich die Vergleichsmöglichkeit, wie es vorher gewesen wäre. Man weiß aber von anderen vergleichbaren Läden, dass sie aufgrund des Lockdowns einen ordentlichen Umsatzeinbruch zu verkraften hatten“.

Zwischen Lockdown und Lockerungen

Man selbst habe im Sommer auch einen Kundenrückgang zu verzeichnen gehabt, vermutlich wegen der coronabedingten Lockerungen und der damit verbundenen Möglichkeiten für die Bevölkerung, wieder mehr zu unternehmen. „Aber jetzt im Herbst hat sich das wieder normalisiert“. Jedenfalls sei man mit der Entwicklung bis jetzt recht zufrieden. Man habe seit der Öffnung das Sortiment sogar schon etwas erweitert, so dass man jetzt rund 1000 verschiedene Artikel anbieten könne.

„Sicherlich würden wir uns über noch mehr Kunden freuen, aber die Richtung stimmt bisher“, so Markus Altmann. Der Blumen- und der Unverpacktladen würden sich gegenseitig beleben, sodass ein vielfältigeres Kundenklientel erreicht werde. „So bleiben wir im Gespräch - und man kann sagen, dass wirklich alle, die uns einen Besuch abstatten, von unserer Idee begeistert sind.“

Unverpackt-Regal im Edeka-Markt

Einen anderen Weg beschreitet der Edeka-Markt Fischer in Roth, im Eichenweg 1. Neben dem für einen Edeka-Markt üblichen Sortiment hält Chef Florian Fischer ein „Unverpackt-Regal“ bereit. Eröffnet hat er es bereits im März 2020, als erste Einrichtung dieser Art im Landkreis Roth. Kunden finden in dem Regal über 100 Produkte, die sie in selbst mitgebrachte Behältnisse abfüllen können.

„Das läuft eigentlich ganz gut“, sagt Anna Birnbach von der Marktleitung, „wir sind ganz zufrieden.“ Die Abteilung sei sogar erweitert worden. Im Angebot seine beispielsweise Trockenfrüchte, Nusskerne, Risotto-Reis, Roggen und Dinkel, aber auch Mehrweg-Gläser beispielsweise für diejenigen, die vergessen haben, ihr Verpackungsmaterial mitzubringen.

Der Kauf unverpackter Ware sei ein neuer Trend, sagt Bernbach. „Wer allein lebt, nutzt das. Dann hat er die Produkte immer frisch.“

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