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Ein Stopfenheimer in Diensten des VfB Stuttgart

Torwart-Koordinator, Trainer, Talentförderer: André Wachter (31) hat sich im Profifußball etabliert - 31.01.2021 13:31 Uhr

Steht nach wie vor gerne am Platz: André Wachter (Mitte) beim Training mit den Nachwuchs-Torhütern des VfB Stuttgart.

29.01.2021 © Foto: VfB Stuttgart


Es war damals eine schwierige Situation für den aus Stopfenheim stammenden jungen Mann, der eine Zeit lang nichts mehr vom Fußball wissen wollte, der den Kopf allerdings auch nicht in den Sand steckte: Wachter absolvierte sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg und arbeitete als Torwarttrainer sowie als Koordinator im Nachwuchsbereich – alles mit Erfolg. Nach Stationen beim FCN sowie beim 1. FFC Frankfurt ist er inzwischen beim fünfmaligen Deutschen Meister VfB Stuttgart tätig.

Mit seinen 31 Jahren hat er einen anderen, ja seinen eigenen Weg in den Profifußball gefunden und sich dort etabliert. "Auf dem Weg war an manchen Kreuzungen auch Widerstandsfähigkeit von mir gefragt", stellt Wachter fest. "Und es geht auch nicht ohne Menschen, die dich unterstützen." In erster Linie nennt er hier seine Familie sowie auf sportlichem Sektor Michael "Mix" Fuchs, seinen früheren Torwarttrainer und Mentor.

Seit Juli 2016 fungiert André Wachter beim VfB als Torwart-Koordinator des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Eine abwechslungsreiche und zugleich fordernde Arbeit. Von der U11 bis zur U21 ist er bei dem schwäbischen Traditionsklub für die Keeper-Talente und die Torwarttrainer verantwortlich. Für den Verein ist er in allen Torwart-Fragen der zuständige Ansprechpartner. Zu den sportlichen gesellen sich viele organisatorische Aufgaben. Man könnte ihn auch als Abteilungsleiter in Sachen Nachwuchs-Torhüter bezeichnen.

Mischung aus Büro und Fußballplatz

"Die Zeit im Büro sowie am Fußballplatz hält sich in etwa die Waage", sagt Andre Wachter und ist "sehr zufrieden" mit dieser Mischung. In normalen Wochen ist er vormittags regelmäßig bei Übungseinheiten mit Torhütern und Trainern selbst als Coach aktiv. Wachter beobachtet zudem viele Trainingseinheiten und Spiele. Zum Teil unterstützt er auch die Scouting-Abteilung, wenn es um die Frage geht, ob und wen die VfB-Jugend von extern dazu holen soll.

Im VfB-Outfit: André Wachter ist seit 2016 Torwart-Koordinator in Stuttgart.

29.01.2021 © Foto: VfB Stuttgart


"Je mehr man sieht, desto genauer weiß man Bescheid", lautet Wachters Devise. Die Meinung der jeweiligen Torwarttrainer ist ihm sehr wichtig, er will sich aber auch selber so gut wie möglich ein Bild machen, um dann seine Entscheidungen treffen zu können. Außerdem geht es für ihn auch darum, quer durch die Jahrgangsstufen einheitlich zu arbeiten und die jungen Keeper entsprechend auszubilden.

Beim VfB und in dessen NLZ fühlt sich André Wachter "sehr wohl", wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. In Stuttgart ist er inzwischen heimisch geworden, trifft sich so oft wie möglich mit seiner Freundin Lisa, die ebenfalls im Fußball-Profibereich tätig ist, und wohnt nur rund 15 Autominuten vom Vereins- und Trainingsgelände entfernt. Soweit es zeitlich geht, fährt er gerne nach Stopfenheim zu Familie und Freunden.

Über Stopfenheim und Weißenburg zum Club

Bei der heimischen DJK hat er einst – wie fast alle Jungs im Dorf – mit dem Fußball begonnen. Sein Talent blieb nicht lange verborgen. In der U13 wechselte er zum TSV 1860 Weißenburg, wo schnell der nächste Schritt ins Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg folgte.

Ein Bild vom Juni 2005: Damals stand André Wachter im Tor der U17 des 1. FC Nürnberg. Mit seinem Team und dessen damaligem Trainer Rainer Zietsch (re.) spielte Wachter auch bei einem großen Jugendturnier zu Hause in Stopfenheim mit.

29.01.2021 © Archivfoto: Uwe Mühling


André Wachter durchlief die Jugendteams beim Club und war mit seiner damaligen U17-Mannschaft im Jahr 2005 auch beim großen Jugendturnier in Stopfenheim dabei. Das wird so schnell keiner vergessen – auch weil damals ein gewisser Thomas Müller mit seinem Team von FC Bayern München das Endspiel per Elfmeterschießen gewann.

Wären die Schulterverletzungen nicht gewesen, vielleicht wäre André Wachter tatsächlich Profi geworden und würde vielleicht auch heute noch in einer Topliga das Tor hüten. Von der Blessur, so sagt der Ex-Keeper, ist heute "im Alltag nichts mehr zu spüren". Rückblickend ist er froh, dass er sich für den Weg des Studiums mit zunächst nebenberuflicher Arbeit als Torwarttrainer entschieden hat.

Es macht einen bescheidenen und sympathischen Eindruck, wenn der 31-Jährige heute sagt: "Vielleicht war es ganz gut so, denn wer weiß, ob es für ganz oben gereicht hätte – dort ist die Luft sehr dünn." Aus eigener Erfahrung als Torwarttrainer und Koordinator weiß Wachter, dass bei der aktuellen Torhüter-Generation "extreme Qualität gefordert ist". Viele Komponenten müssten zusammen kommen: "Sie müssen Bälle halten, die nötigen körperlichen Voraussetzungen und Athletik mitbringen und obendrein noch gut Fußball spielen können."

Nadine Angerer trainiert

All das versucht André Wachter auch in seinem Arbeitsbereich nachhaltig zu fördern und bringt für diese Aufgabe inzwischen einiges an Erfahrung mit. Nach seinem Einstieg beim 1. FC Nürnberg kam er bereits mit 21 Jahren zum 1. FFC Frankfurt, wo er unter anderem Deutschlands Toptorfrau und Weltmeisterin Nadine Angerer trainierte. Nach seiner Frankfurter Zeit wechselte er ins Nachwuchsleistungszentrum des FCN, wo er neben dem Training mit den Torhütern mehrerer Jahrgangsstufen auch die Koordination übernahm.

Ein Bild vom März 2015: André Wachter (re.) half für ein Bezirksliga-Spiel beim TSV 1860 Weißenburg aus. Mit dem damaligem TSV-Kapitän Sebastian Struller (li.) ist Wachter gut befreundet. Beide freuten sich seinerzeit über einen 2:0-Sieg gegen den SC 04 Schwabach.

29.01.2021 © Archivfoto: Uwe Mühling


Beim VfB Stuttgart ist das NLZ nun nochmals eine Nummer größer – und damit auch Wachters Aufgabenbereich und Verantwortung. Er geht darin auf und geht die Sache mit großem Engagement an. Von Oktober 2018 bis Mai 2019 hat er mit der UEFA-Torwarttrainer-A-Lizenz die höchstmögliche Lizenz in seinem Metier absolviert.

Zum Ausgleich macht er Krafttraining und geht gerne laufen. "Da kann ich gut meine Gedanken sortieren", sagt Wachter, der auch Lesen und Podcasts zu seinen Hobbys zählt, mit denen er sich zugleich weiterbildet.

Wenn möglich, schaut er auch gerne bei den Stuttgarter Profis zu, was bei den derzeitigen Geisterspielen nicht erlaubt ist, was sich Wachter aber bald wieder erhofft. Die Entwicklung beim VfB mit der Bundesliga-Rückkehr und dem bisher recht erfolgreichen Abschneiden bewertet er sehr positiv: "Man sieht, dass viele Dinge in die richtige Richtung laufen. Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft. Die Art und Weise, wie sie spielt, macht Spaß und auch der Erfolg ist da."

"Froh und dankbar"

Schade findet André Wachter, dass just in dieser Phase keine Fans dabei sein können. Er unterstreicht aber auch: "Wir sind in der aktuellen Lage froh und dankbar, dass der Profi-Fußball überhaupt spielen darf."

Zum Cheftrainer der Profis hat der NLZ-Torwart-Koordinator im Normalfall kaum Kontakt. Beim VfB sieht das etwas anders aus, denn Wachter und Proficoach Pellegrino Matarazzo kennen sich aus ihrer gemeinsamen Nürnberger Zeit. Von daher haben beide einen guten Draht zueinander. Mit "Rino", wie der Stuttgarter Aufstiegstrainer gerufen wird, ergeben sich für André Wachter immer wieder Treffen und interessante Gespräche.

Auch das trägt dazu bei, dass es dem Stopfenheimer in Stuttgart so gut gefällt. Seinen Vertrag beim VfB hat er vor Kurzem langfristig verlängert. André Wachter hat – das darf man abschließend feststellen – seinen Platz im Profifußball gefunden, auch wenn es mit der vor gut zehn Jahren erhofften, eigenen Torwart-Karriere nicht geklappt hat. Nicht selten führen halt auch die Seitenstraßen ans richtige Ziel.

UWE MÜHLING

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