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Eine Kletterwand ragte am Grünen Markt hoch

Die Jugend des Deutschen Alpenvereins warb in Fürth mit einer luftigen Aktion um Unterstützer - 16.12.2013 16:00 Uhr

((Platzhalter)Mit der ungewöhnlichen Aktion machten Mitglieder der Sektion Fürth des Deutschen Alpenvereins darauf aufmerksam, dass ihnen seit dem Frühjahr die Basis für ihren Sport fehlt: eine Kletterwand. Für einige Stunden immerhin hatten sie sich eine nach Fürth geholt. Doch selbst Kinder, die es normalerweise lieben, sich an Kunstgriffen und gesichert durch ein Seil in luftige Höhen zu wagen, ließen es bei dem kühlen Wetter lieber bleiben.

Damit war das Problem auf den Punkt gebracht: Dem zweitgrößten Verein der Kleeblattstadt mit seinen 3800 registrierten Mitgliedern fehlt eine Indoor-Kletterwand. Bis zum Frühjahr hatten sie eine in der Jahn-Turnhalle. Sie war durch 500 ehrenamtlich geleistete Stunden der Sektionsmitglieder auf 62 Quadratmetern erstellt und 1995 eröffnet worden. Seit diesem Frühjahr ist die Halle jedoch wegen Sicherheitsmängeln geschlossen. Wann und ob es darin für sie mit der Vereinsarbeit weitergehen wird, weiß im Verein momentan niemand.

Dabei wird in Fürth und Umgebung gerne geklettert. „Wöchentlich rufen mich bis zu drei Eltern an, die ihre Kinder gerne bei den Bergwichteln anmelden würden“, sagt Christian Reinbrecht, Jugendreferent der Sektion. Auch andere Sportvereine, die Bergwacht und Pfadfinderverbände, Schulen und Jugendeinrichtungen müsse man immer wieder enttäuschen.

Das Dramatischste sei jedoch der eigene Mitgliederschwund. Reinbrecht: „Bis zur Schließung der Jahnsportturnhalle hatten wir insgesamt drei Kinder- und Jugendgruppen. Unsere Kleinsten, die Bergwichtel, waren über 30 Kinder.“ Die beiden Jugendgruppen umfassten 40 Mitglieder. „Jetzt sind beide Jugendgruppen auf drei treue Mitglieder zusammengeschrumpft“, sagt er bedauernd. Trotz intensiver Bemühungen der sechs ausgebildeten Jugendleiter gelinge es nicht, ein ansprechendes Alternativprogramm auf die Beine zu stellen.

Dabei hat der Verein nach Alternativen gesucht. Carina Gebhardt hat recherchiert und auf einem Plakat zusammengefasst, wo es in der Umgebung Kletterwände gibt und was deren Nutzung kostet. „Kinder und Jugendliche können die kommerziellen Hallen der umliegenden Städte nur schlecht erreichen und oft auch nicht finanzieren“, lautet ihr Fazit. Dabei fördere Klettern wie kaum ein anderer Sport Kraft, Körperbeherrschung, Ausdauer, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein.

„Tolles Training“

Die 26-jährige Krankenschwester ist vom Klettersport begeistert. „Es ist ein Sport, der nie langweilig wird, unglaublich viele Facetten hat, ein tolles Training für Geist und Körper ist und ein gutes Miteinander unter Freunden und innerhalb der Familie ermöglicht“, so die Fürtherin, die seit viereinhalb Jahren im Verein klettert. Der hat mit dieser ersten öffentlichkeitswirksamen Aktion in eigener Sache nicht nur für Samstagstrubel auf dem Grünen Markt gesorgt, sondern auch auf den Mangel an einem Sportgerät aufmerksam gemacht, das gebraucht wird. Auf kleinen Flyern haben sie ihr Problem in Sprüchen verdeutlicht wie: „Stell dir vor, dein Bolzplatz ist in der nächsten Stadt und kostet 10,50 Euro Eintritt ...“.

Nun erhoffen sich die Mitglieder Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und der Errichtung einer Kletterwand sowie Kooperationspartnern. „Wir brauchen doch nur ein Gebäude mit hoher Wand und sanitären Räumen“, sagte Gebhardt. Außerdem bietet der Verein in einem Schreiben an, dass „viele Teile der Planung und des Baus ehrenamtlich geleistet werden können, Geld- und Sachspenden mitgetragen werden“.

Dass auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung vorbeischaute und ein paar Meter kletterte, sahen die Akteure vom Alpenverein als gutes Zeichen. Sie wollen nun noch gezielter die Nähe zu Politikern und Verwaltung suchen, um Partner für einen Sport zu finden, der mit kalten Füßen und klammen Fingern nur bedingt Spaß macht. 

ANTJE SEILKOPF

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