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Erlangen sucht Wohnraum für Studenten

Doppelter Abiturjahrgang verschärft Lage auf dem Wohnungsmarkt - 07.04.2011 19:26 Uhr

Wenn dieser Bau an der Erlanger Henkestraße im Herbst fertig ist, bekommt das Studentenwerk 71 neue Wohnheimplätze. Wer kein Zimmer bekommt, muss weitersuchen. Deswegen sollen mehr Privatleute Wohnraum anbieten.

© Harald Sippel


Mindestens so wichtig wie Studienplätze: die Wohnsituation. Die ist zum Beispiel in Erlangen schon immer problematisch.

Etwa 2500 Studenten beginnen in diesem Sommersemester ihr Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das ist gut das Sieben- bis Achtfache im Vergleich zu einem regulären Sommersemester. Wegen des doppelten Abiturjahrganges in Bayern hat die Universität ein Sonderprogramm aufgelegt: 106 Studiengänge, die sonst nur im Winter starten, werden ausnahmsweise auch im Sommersemester angeboten, das am 2. Mai beginnt. Insgesamt rechnet die Uni heuer mit gut 10000 Erstsemestern. Im vergangenen Jahr waren es nur etwa 6000.

Die zusätzlichen Studenten müssen nicht nur lesen und lernen können, sondern auch irgendwo wohnen. Für knappe Kassen sind besonders die Wohnheime des Studentenwerkes Erlangen-Nürnberg interessant. Die Einrichtung bietet in Erlangen 1754 Wohnheimplätze, 71 weitere entstehen gerade in einem neuen Wohnheim an der Henkestraße (die NZ berichtete). In Nürnberg bietet das Studentenwerk 1593 Plätze.

Angesichts der erwarteten Erstsemesterzahlen wird aber wohl nicht jeder Student auf einen Platz im Wohnheim hoffen können. Die Uni-Leitung ist besorgt. „Wir müssen die zusätzlichen Studierenden nicht nur in der Universität, sondern auch in der Infrastruktur berücksichtigen“, sagt Präsident Karl-Dieter Grüske. „Die Wohnsituation beschäftigt uns dabei in ganz besonderem Maße.“

Zwar sei davon auszugehen, dass einige Erstsemester – zumindest anfänglich – weiter bei ihren Eltern wohnen werden, allerdings schätzt Grüske, dass es zu Engpässen kommen wird: „In den nächsten zwei Jahren brauchen wir in der Region mindestens 1000 zusätzliche Plätze.“

Die Uni hat sich gemeinsam mit der Erlanger Stadtspitze Gedanken darüber gemacht, wie man die drohende Wohnungsnot lindern kann. Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) hat in der Vergangenheit immer wieder Investoren und Bauträger auf die Situation hingewiesen: „Denkt an die große Nachfrage, die kommen wird.“ Mehrere Bauprojekte seien entstanden, eines direkt neben dem Neubau des Studentenwerkes in der Henkestraße.

Um das Potenzial voll auszuschöpfen, das die Stadt Erlangen und der Landkreis Erlangen-Höchstadt bieten, appelliert der Oberbürgermeister an seine Bürger: „Wenn Sie noch freien Wohnraum haben, vermieten Sie bitte an Studenten.“ Balleis denkt vor allem an ältere Paare, deren Kinder „aus dem Haus“ sind und die leicht ein Zimmer oder eine Einliegerwohnung anbieten können.

Ältere Menschen, gerade im wohlhabenden Erlangen, hätten es oft nicht nötig, aus finanziellen Gründen Wohnraum zu vermieten. Die Stadt will deswegen auch für ein anderes Modell werben: Dabei könnten Studenten für einen deutlich reduzierten Mietpreis wohnen, wenn sie im Gegenzug Hilfe im Haushalt anbieten – „zum Beispiel bei der Gartenpflege oder den Einkäufen“, schlägt Balleis vor.

Die Stadt will nun in den kommenden Wochen ein Konzept ausarbeiten, um potenziellen Vermietern Hilfestellung anzubieten – beim Finden geeigneter Studenten und beim Schließen entsprechender Verträge. Weil ein solches Miteinander vielleicht nicht immer reibungsfrei verläuft, bietet Balleis sich als Ombudsmann an, der im Notfall schlichtet. Der OB meint, ein solches Modell biete einen Vorteil für beide Seiten: Ältere Menschen bekommen unkompliziert Hilfe im Alltag, Studenten müssen nicht die berüchtigten hohen Erlanger Mieten zahlen.

Wer an Studenten vermieten will, kann sich bei der Stadt Erlangen melden: Tel. 09131/86–2870

 

Florian Heider E-Mail

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