Samstag, 14.12.2019

|

Erster Warnstreik bei Schwan Stabilo in Weißenburg

Beschäftigte der Schreib- und Zeichengeräteindustrie legten die Arbeit nieder - 05.06.2019 06:02 Uhr

Warnstreik bei Schwan Stabilo in Weißenburg: Die Nacht- und die Frühschicht legten am frühen Dienstagmorgen für eine Kundgebung vor den Werkstoren die Arbeit nieder und forderten fünf Prozent mehr Lohn. Der Streik war der erste in der Weißenburger Firmengeschichte überhaupt. © Foto: Markus Steiner


Die Morgensonne stand erst seit kurzem über der Wülzburg und die Stadt schälte sich langsam aus dem Schlaf. Die rund 120 Mitglieder der IG Metall vor den Werkstoren von Schwan Stabilo in Weißenburg waren aber schon hellwach und forderten lautstark mehr Lohn. Die IG Metall (IGM) hatte sich am Dienstag das Weißenburger Werk der Schwanhäußer Industrie Holding GmbH & Co. KG bewusst ausgesucht, erklärte Gewerkschaftssekretär Ben Hannes den Streikenden: "Das Angebot des Arbeitgebers war bislang nur Verarsche, das muss man sich nicht gefallen lassen."

Als "Verarsche" empfindet die IGM die bisher gebotenen 1,8 Prozent mehr Lohn. Gefordert und gerechtfertigt seien laut IGM aber fünf Prozent mehr Lohn und mindestens 150 Euro mehr im Monat sowie ein Bonus für IGM-Mitglieder, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Bilderstrecke zum Thema

Erstmals in der Geschichte: Beschäftigte von Faber-Castell streiken

Erstmals in der Geschichte haben am Dienstag Beschäftigte der Bleistiftindustrie ihre Arbeit niedergelegt. Betroffen sind in der Region sowohl Faber-Castell, Schwan-Stabilo und Lyra. Mit den Warnstreiks will die IG Metall Druck auf die Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen ausüben. "Das ist ein starkes Signal an Arbeitgeber, die ihnen das verweigern wollen", sagte der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn.


Viele Sonderschichten

Um ihren Forderungen auch in Weißenburg Nachdruck zu verleihen, legten die Beschäftigten vom Wechsel der Nacht- auf die Spätschicht von 5.50 bis 7 Uhr die Arbeit nieder. Diese Form des Warnstreiks ist laut IG Metall für alle "Dein Gutes Recht" und durch Urteile des Bundesarbeitsgerichts, durch die Bayerische Verfassung und das Grundgesetz gedeckt. In Artikel 8 heißt es: "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln."


Erstmals Streik in Bleistiftindustrie: Hunderte protestieren in Franken


Betriebsratsvorsitzender Dieter Pfister, der rund 420 Tarifbeschäftigte bei Schwan Stabilo in Weißenburg vertritt, berichtete von den Verhandlungen mit Schwanhäußer, der vor zwei Wochen lediglich 1,8 Prozent mehr Lohn in Aussicht gestellt habe. Auch seiner Ansicht nach seien fünf Prozent mehr gerechtfertigt, weil der Schreibgerätevertrieb "sehr gut" laufe und viele Sonderschichten im Pastellbetrieb gefahren würden.

Bilderstrecke zum Thema

Faber-Castell, Schwan-Stabilo, Staedtler: Hier gibt es nicht nur Bleistifte

Franken ist das Zentrum der Stifteproduktion: Die drei großen Hersteller Faber-Castell, Schwan-Stabilo und Staedtler haben hier ihren Sitz. Leuchtmarker, Buntstifte und Füller sind auf Schreibtischen und Schulbänken weltweit zu finden. Die Unternehmen produzieren aber längst nicht mehr nur Schreibgeräte. Auch Produkte, die kaum jemand mit ihnen in Verbindung bringt, gehören zu ihrer Produktpalette.


Vor allem die unteren Lohngruppen müssten ebenfalls von der Erhöhung profitieren: "Damit sollen die gering verdienenden Kolleginnen und Kollegen sowie Berufseinsteiger wieder aufgewertet werden", argumentiert die IG Metall. Die Arbeitgeber hätten aber erklärt, dass infolge der zunehmenden Automatisierung durch Roboter langfristig diese Tätigkeiten ohnehin wegfielen.

"Ein Stück vom Kuchen"

Eine Argumentation, die auch Betriebsratsvorsitzender Pfister so nicht gelten lassen wollte: "Vor allem die Lohngruppen 1 und 2 sollen von dem Warnstreik profitieren." Die letzten Jahre seien für Schwan Stabilo "goldene Zeiten" gewesen. Es werde Zeit, "dass wir auch einmal ein Stück vom Kuchen abbekommen". Bislang aber wolle der Arbeitgeber nicht von seinem Angebot abweichen, obwohl die gebotenen 1,8 Prozent mehr Lohn nicht einmal die Inflation ausgleichen würden.

Bilderstrecke zum Thema

Die attraktivsten Arbeitgeber im Großraum Nürnberg

Welcher Arbeitgeber prägt seine Region, wer zeigt gesellschaftliche Verantwortung, wer wird oft weiterempfohlen: Die Datenanalysten von Statista wollten es ganz genau wissen. Jetzt liegen die Ergebnisse für den Großraum Nürnberg vor. In die Spitzengruppe der attraktivsten Arbeitgeber schafften es internationale Größen wie Siemens - und einige lokale Champions.


Dass erstmalig in der 160-jährigen Firmengeschichte von Schwan Stabilo in Weißenburg die Maschinen still stünden, stimme ihn zuversichtlich, dass die Beschäftigten doch noch "ein gutes Angebot" bekommen. Der Stiftehersteller Staedtler, der den Beschäftigten letztlich drei Prozent mehr Lohn bot, sei auch für Schwan Stabilo ein Vorbild.

Werner Adacker, Betriebsratsvorsitzender der Gutmann AG und 2. Bevollmächtigter der IG Metall Schwabach, ermunterte die Stabilo-Mitarbeiter durchzuhalten: "Super, dass ihr alle da seid, das ist ein wichtiges Signal an euren Arbeitgeber. Nur mit euch kann er auch gute Geschäfte machen. Kämpft weiter. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren."

MARKUS STEINER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de