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Junger Brauer will zeigen: Orca ist eine gute Wahl

Wenn's um die Bierherstellung geht, ist Felix vom Endt Autodidakt - 04.01.2018 09:00 Uhr

Von "road sip" bis "wanderlust" reicht die Bier-Palette von Orca Brau. Hinter der kleinen Brauerei steckt ein Ein-Mann-Betrieb in Gestalt von Felix vom Endt. Doch es läuft: Bald will er im Steinacher Weg auch Bier vor dem Lager ausschenken. © Michael Matejka


"Wo steht denn hier das Augustiner?" Auf die Frage erntet Felix vom Endt einen verdutzten Blick des Getränkehändlers, gepaart mit dem Hinweis, dass weiter hinten ein paar Flaschen stehen. Vom Endt ist verwirrt. Er ist im Süden von München aufgewachsen, "da steht Augustiner palettenweise". Nicht in Coburg, wo vom Endt 2007 beginnt, Soziale Arbeit zu studieren. Der Getränkehändler hat für ihn am Ende doch noch eine Kiste des Münchner Biers, legt aber zur Probe drei fränkische Biere obendrauf.

Die schmecken. Und nicht nur die. "Im Studium hatte ich norddeutsche Kommilitonen, die nur Pils getrunken, Kölner, die nur Kölsch getrunken haben." Felix vom Endt trinkt alles mit - und wird Bierexperte. Auch das aber nur zufällig, weil ein befreundeter Webdesigner ihm vorschlägt, einen Bier-Blog zu schreiben. Vom Endt stimmt zu. Irgendwann lesen täglich Hunderte, was er schreibt.

Sauberkeit geht vor. Also werden die 500-Liter-Tanks, in denen Felix vom Endt sein Bier braut, immer ordentlich ausgespült. © Michael Matejka


Freilich: Dass er heute, zehn Jahre später, seine eigene Brauerei betreibt, hat vom Endt damals noch nicht geahnt. Mehr als 20 000 Liter hat der 31-Jährige 2017 in einer kleinen Halle in der Schmalau im Knoblauchsland gebraut, Abertausende Flaschen abgefüllt. Sein Bier ist "anders" - eines trägt sogar diesen Namen. Es ist eines von drei Bieren, von denen Felix vom Endt versucht, immer eines dazuhaben, wenn er donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr zum Werksverkauf lädt.

Was das "anders" anders macht? Es ist ein Double Pale Ale, also ein doppelt stark eingebrautes Pale Ale, kaltgehopft - mit einem Hopfenaroma in Form von Frucht, Gras und Harz. Vor allem ist es aber: leicht zu trinken. Das gilt auch für "wanderlust", neben vom Endts Rotbier ("rot" - mit Waldbeeraroma) ein Dauerbrenner des jungen Brauers. Es ist ein American Pale Ale, gebraut mit amerikanischer Hefe - und drei amerikanischen Hopfensorten. Das alles riecht verdächtig nach Craft Beer, das sich inzwischen auch in Nürnberg zu etablieren beginnt.

Lieber Kreativbier

Vom Endt sagt lieber Kreativbier, weil er den Ausdruck Craft Beer nicht mag - zumal der, anders als in den USA beispielsweise, nicht geschützt ist und nur benutzt werden darf, wenn man nicht mehr als eine gewisse Menge braut. "In Deutschland darf jeder sein Bier Craft Beer nennen." Auch Hobbybrauer - wie Felix vom Endt früher. Der erste Brauversuch in seiner Wohngemeinschaft? "Das war nix", zu bitter, unausgewogen. "Aber dann liest man mal ein Buch darüber, wie’s richtig geht - und schon funktioniert’s. Und macht auch mehr Spaß."

Den Feinschliff in Sachen Bier aber holt er sich in Kanada. Dorthin zieht er für ein Jahr mit seiner Freundin - und arbeitet in Vancouver in einem Bier- und Weingeschäft und in einer Brauerei. Und wieder kommt er auf den Geschmack, fern des Reinheitsgebots. "Die kreative Freiheit fand ich toll." Als Deutscher wird er für das Bier in der Heimat gelobt, "aber ich wurde gefragt, warum alle dasselbe Bier brauen". Die Frage stellt sich vom Endt schnell auch.

Auch hier reift Hochprozentiges: In einem Spätburgunderfass eines Winzers aus Unterfranken lagert vom Endt Rotbier und "schaut, was passiert". © Michael Matejka


Er vergleicht die Bierlandschaft in Deutschland gerne mit Burgerläden. "Du hast Industriebier, also wie McDonald’s. Und dann hast du vor allem in Franken viele kleine coole Burgerläden - die aber alle nur Cheeseburger machen." Nämlich meist helles Lager. Vom Endt aber will gern Bier mit anderen Aromen, wie er es später in Berlin wiederfindet, wo er für einen Kreativbrauer arbeitet. Ebenfalls ein Quereinsteiger, der Felix vom Endt den Einstieg mit dem Verkauf der älteren Brauanlage ermöglicht.

Dass der nun in der Heimat seiner Frau in Nürnberg braut, ist kein Zufall: Seit er mit ihr hier öfter einmal zu Besuch war, habe er hier hinziehen wollen, verrät der Neu-Großgründlacher vom Endt. Und den Nürnbergern schmeckt es. Ohnehin sei es so, "dass sich Franken durch die Biervielfalt hier eher an neues Bier trauen", weiß der 31-Jährige, der gerade ein Tomatenbier öffnet, das er zusammen mit Kollegen gebraut hat. Ebenfalls mit einem anderen Brauer will er nun auch ein Helles brauen, eines, "das ich dann immer im Angebot habe".

Die nächste große Anschaffung bei Orca Brau, das seinen Namen von der Zeit in Kanada und den dort lebenden Walen hat: eine Etikettiermaschine. Das macht Felix vom Endt bislang per Hand - zusammen mit Frau und Schwiegereltern. Auch die sind offensichtlich: eine gute Wahl.

Mehr Informationen über die "orca brau" gibt es hier.

Timo Schickler Lokalredaktion Nürnberg E-Mail

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