Neuer Bierführer empfiehlt 600 Bierkeller

27.10.2013, 12:45 Uhr
So lässt’s sich wohl sein: Bastian Böttner genießt sein Bier auf dem Spezial-Keller über den Dächern Bambergs.

So lässt’s sich wohl sein: Bastian Böttner genießt sein Bier auf dem Spezial-Keller über den Dächern Bambergs. © privat

Auf den Keller geht man nur in Franken, oder?

Bastian Böttner: Es ist typisch für unsere Region, dass sich diese Tradition bis heute durchgängig erhalten hat. Doch gerade im Münchner Raum erlebt die Kellerkultur derzeit eine Auferstehung. Es sind tatsächlich echte Keller, keine gewöhnlichen Biergärten. Unter ihnen befinden sich Lagerstätten, in denen häufig sogar noch das Bier reift. Doch der Schwerpunkt der Kellerkultur liegt immer noch in Franken rund um Forchheim und Bamberg.

Kleine Brauereibetriebe rentieren sich

Viele kleinere Brauereien leiden unter einem Modernisierungsstau, in den kommenden zehn Jahren müssen wohl 100 regionale Braustätten schließen. Wie sieht es bei Kellern aus?

Böttner: Absolut positiv. Die Kellerkultur profitiert von zwei Trends: Die Menschen wollen sich mit ihrer Region identifizieren, und einheimische Spezialitäten werden wieder beliebter. Deshalb bietet ein gut geführter Keller gerade kleineren Brauereien eine große Chance, sich ihre Unabhängigkeit zu erhalten. Früher lief der Biergarten nebenher. Ein Familienmitglied schenkte Bier aus, dazu gab es eine kalte Brotzeit. Das hat sich geändert. Inzwischen haben zahlreiche Keller auch im Winter geöffnet. Das zeigt, dass sich das Geschäft rentiert.

Das Bier kommt vom Wirt, das Essen von daheim — gilt diese goldene Kellerregel noch?

Böttner: Das stammt aus der Zeit, als die Brauereien vor Ort nur Bier ausschenkten. Diese schöne Tradition lebt auf vielen Kellern noch. Doch nach unserer Beobachtung entwickeln sie sich immer weiter zu einer klassischen Gastronomie. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Küchen modernisiert wurden und damit die Palette der angebotenen Speisen breiter geworden ist. Zusammen mit den moderaten Preisen führt dies dazu, dass immer weniger Gäste ihre Brotzeit mitbringen — selbst wenn sie dürfen.

Guter Anschluss an Bus und Bahn

Viele der schönsten Keller liegen außerhalb. Gleichzeitig hat das Thema Alkohol und Autofahren eine wesentlich größere Bedeutung als noch vor zehn Jahren. Hat dies Auswirkungen auf die Kellerkultur?

Böttner: Kaum. Es hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen zu den Kellern radeln oder wandern. Was wunderbar zur traditionell entschleunigten Kellerkultur passt. Dort genießt man in Ruhe. Es geht gerade nicht ums schnell schnell schnell. Im Übrigen benötigt man gar kein Auto. Über 90 Prozent der Keller und Biergärten in unserem Buch sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, und wir haben die notwendigen Informationen eingebaut.

Gibt es einen fränkischen Biergarten, den Sie nicht kennen?

Böttner: Wir kennen zumindest sehr viele. Mein Mitautor Markus Raupach und ich haben seit 2005 mindestens 1500 Lokalitäten in Franken besucht. 600 von ihnen haben es in unsere Auswahl geschafft.

Welches ist das Getränk der Wahl? Nur ein Kellerbier oder geht auch ein Weißbier?

Böttner: Das Kellerbier heißt nicht ohne Grund so: Es schmeckt frisch ausgeschenkt am Besten. Aber wir sehen die Getränkewahl nicht zu eng. Radler und Weißbier sind selbstverständlich erlaubt. In Unterfranken schenkt man zusätzlich zum Bier sogar Wein aus. Das Wichtigste ist, dass der regionale Charakter erhalten bleibt.

Alle Informationen zu den schönsten fränkischen Bierkellern finden Sie hier.

 

 

 

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