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Wo Gambrinus den Besucher begrüßt

Das Bayreuther Brauereimuseum steht im Guiness-Buch der Rekorde - 23.04.2012 16:11 Uhr

Für die Erweiterung der Brauerei Maisel in Bayreuth wäre der Altbau fast abgerissen worden. Dazu kam es jedoch nicht. Seit 1981 dient das Gründerzeit-Gebäude als Museum.

© Museum


Vom Bayreuther Bahnhof sind es zehn bis 15 Gehminuten bis zum denkmalgeschützten Industriebau aus Gründerzeiten. Tritt man durch die Holztür in den Eingangsbereich des Museums, fühlt man sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Weißer Fliesenboden und eine kleine Anmeldetheke, die aussieht wie ein Fahrkartenschalter an einem alten Bahnhof. Links gibt es sogar einen Wartesaal im ähnlichen Stil. Ins Auge fällt zuerst aber eine Gambrinus-Statue, die erhöht auf einem Tisch vor der Anmeldung steht. Gambrinus – legendärer König und angeblich Erfinder der Bierbraukunst – begrüßt den Besucher natürlich mit einem schäumenden Bier in der Hand.

Offizielle Eröffnung erst 1981

Als Hans und Oscar Maisel in den 1970er Jahren das Brauereigelände erweitern mussten, stand lange Zeit der Abriss des alten Gebäudes zur Diskussion. „Aber die Brüder sind in der Brauerei aufgewachsen, mussten schon früh im Familienunternehmen mit anpacken, es steckte viel Herzblut drin“, erklärt Harald Riedl, der heute das Museum leitet. Und so kam man auf die Idee, das alles für die Nachwelt zu erhalten.

Blick ins alte Sudhaus mit den traditionellen Kupferkesseln.


Doch erst 1981 wurde „Maisel‘s Brauerei- und Büttnereimuseum“ offiziell eröffnet. „Mit viel Liebe zum Detail wurde dieses Museum aufgebaut, deshalb dauerten die Vorbereitungen so lange“, erklärt Harald Riedl. Schon sieben Jahre später erhielt es einen Eintrag ins Guiness-Buch: Als „umfangreichstes Biermuseum“ mit einer Fläche von 2400 Quadratmetern, verteilt auf 20 Räume. Die Urkunde hängt ebenfalls im kleinen Empfangsraum, schräg gegenüber von Gambrinus.



„Dies ist kein Museum, das auf dem Reißbrett entstanden ist.“ Harald Riedl drückt einen Schalter an der Wand im ersten Raum neben dem Eingangsbereich. Eine Maschine springt an, ruckelt noch ein wenig. Beherzt springt der Museumsleiter hoch und zieht an einem der alten Riemen. Ein bisschen Schwung ist noch nötig, schließlich läuft alles. Er erklärt, dass es hier keinen Lehrauftrag geben soll, dass Ölkännchen und Schlüssel teilweise noch an den Orten liegen, wo sie vor Jahren zurückgelassen wurden. Viele Sachen kann man hier nicht nur sehen, sondern noch genauso vorführen, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts funktioniert haben. „Es geht ums Erleben.“

Zum Beispiel im Maschinenhaus der Brauerei. Hier wurde der Strom noch durch Dampfmaschinen erzeugt. Und weil es ein „Museumsbesuch mit allen Sinnen“ sein soll, werden die passenden Geräusche eingespielt. Sie wurden von Originalmaschinen aufgenommen. Oder im Feuerraum. Hier riecht es tatsächlich nach Rauch – in einigen Räumen hat man Geruchserzeuger installiert. Sie empfinden die Gerüche von damals nach.

Brauprozess für jedermann nachvollziehbar

Auch das Sudhaus ist noch im ursprünglichen Zustand. Viele neue Brauereien arbeiten heute mit Kesseln aus Edelstahl. Hier kann der Besucher noch in alte Kupferkessel hineinschauen. „Viele Besucher waren schon bei Brauereibesichtigungen. Sie sind oft begeistert von unserem Museum“, meint Harald Riedl. Denn oft gibt es gar nicht die Möglichkeit, einen Blick in die Kessel zu erhaschen. „Aber hier ist der Brauprozess viel transparenter, weil die Gefäße ja nicht mehr in Betrieb sind.“

Auch in der ehemaligen Büttnerei sind wirklich alle Geräte noch in einem Raum versammelt. „Der Beruf des Büttners ist ein fast ausgestorbener und eigentlich nicht mehr existent. Deshalb ist das hier schon einzigartig“, meint Riedl.

Allein dieser Rundgang durch die ehemaligen Räume der Brauerei machen das Museum der Gebrüder Maisel zu etwas Besonderem. Doch fast am Ende der Führung gibt es noch mehr zum Staunen. Über 400 Emaille-Schilder hängen an den Wänden in einem Raum über dem ehemaligen Kühlschiff. „Hier zeigt sich die ganze Vielfalt der Biere in Oberfranken“, sagt Harald Riedl und breitet die Arme aus. „Die Schilder wurden über Jahrzehnte gesammelt. Schon die Brüder Hans und Oscar Maisel haben während ihrer Studienzeit damit begonnen.“ Einige der Schilder haben einen Wert von knapp 1000 Euro, die meisten zwischen 50 und 500 Euro.

Schmuckstücke aus der Hand der Büttner, zu sehen im Keller der alten Brauerei.


20.000 Besucher pro Jahr

In Glasschränken und verteilt auf drei weitere Räume stehen mehr als 5500 Biergläser- und -krüge. Obwohl es dafür keinen festen Termin gibt, muss jedes Glas mindestens einmal im Jahr aus den Schränken genommen und gereinigt werden.

Zum Schluss geht es in die alte Abfüllerei. Die ist im Stil der Goldenen 20er gehalten, im Hintergrund läuft die passende Musik. Hier bekommt der Besucher nach der einstündigen Führung ein Getränk nach Wahl und kann die Eindrücke des Museums noch einmal in Ruhe Revue passieren lassen. „Pro Jahr laufen 20.000 Besucher durch unser Museum, alles in persönlichen Führungen“, sagt Harald Riedl nicht ohne Stolz.

Jeweils um 14 Uhr finden täglich Führungen statt. Gruppen ab zwölf Personen können aber auch Einzeltermine buchen. Die sind zu jedem Zeitpunkt möglich.
 

nz

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