Ein Bier für ein paar Wochen: Das steckt im Maibock

17.5.2021, 09:03 Uhr
Reinhard Engel von der Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof nutzt für den Maibock besondere Aromahopfen, die aus fränkischem Bio-Anbau stammen.
 

Reinhard Engel von der Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof nutzt für den Maibock besondere Aromahopfen, die aus fränkischem Bio-Anbau stammen.   © Andre De Geare

Wenn der Frühling kommt, ist Maibock-Zeit. Manche nennen diese saisonale Bierspezialität auch heller Bock, weil ihre Färbung sie deutlich von anderen Bockbieren abhebt.

Der Maibock wird traditionell nach der Fastenzeit ausgeschenkt und von April bis Juni getrunken. Generell gelangen im Frühling verstärkt leichtere Biere wie Weizen, Pils oder Sommerbiere in den Handel, in die Gaststätten und Biergärten. Aber auch Mischgetränke wie das Radler steigen dann wieder in der Gunst der Konsumenten.

Der Maibock kommt auf einen Alkoholanteil von knapp über sechs Prozent, ein normales helles Bier hat etwa um die fünf Prozent. Im Unterschied zu anderen, süßlicheren Bocksorten wie dem Fastenbock – auch Doppelbock genannt – schmeckt der Maibock herber: Er ist weniger malzig und weniger süß.

Saphir schmeckt nach Mandarine

Die Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof braut zwei Sude zu je 15 Hektoliter Maibock. Das ist wenig, wenn man es mit den 1500 Hektoliter Jahresausstoß der kleinen Brauerei vergleicht. Aber vor allem für Liebhaber verschiedener Hopfensorten ist der Maibock etwas ganz Besonderes. Die Hausbrauerei nutzt Aromahopfen aus fränkischem Bio-Anbau. Gerade durch den Einsatz der neuen Hopfensorten lässt sich das Aroma auch unter Einhaltung des Reinheitsgebots verändern.

So bieten die Sorten "Cascade" oder "Saphir" eine besonders blumige und fruchtige Note, die nach Mandarine schmeckt. Hier kommt der Einfluss der Craft-Beer-Szene zum Tragen, dank der die neuen Hopfensorten allgemein in den Fokus der Brauer gerückt sind. Reinhard Engel von der Hausbrauerei hopft außerdem kalt: eine schonendere Methode bei den Aromahopfensorten, weil dann die fruchtigen Noten besser zur Geltung kommen und die Bitterstoffe weniger stark aus dem Hopfen gelöst werden.

Zuerst gebraut haben das Bockbier übrigens die Norddeutschen. Aber: Weil inzwischen ein Drittel des gesamtdeutschen Starkbierausstoßes aus dem Freistaat kommt, gilt es heute als Inbegriff bayerischer Braukunst. Beim Namen "Bockbier" denken viele Menschen an den Ziegenbock. Stattdessen spielt die norddeutsche Herkunft die entscheidende Rolle: Die ehemalige Hansestadt Einbeck in Niedersachsen stand ursprünglich Pate, denn dort wurde das Starkbier im 14. Jahrhundert erfunden. Als es 300 Jahre später seinen Weg nach München fand, wurde es unter dem Namen Ainpockisch-Bier verkauft. Daraus wurde Ainbock und später dann das uns bekannte Bockbier.

Bockbiere wurden speziell im Herbst für die Winterzeit gebraut. Der technologische Fortschritt ermöglichte das Brauen von Starkbieren jedoch auch im Frühjahr, was schließlich dem Maibock den Weg ebnete.

In der Fastenzeit besonders beliebt

Seit jeher wurde das Bockbier in den Klöstern geschätzt. Wegen des hohen Kaloriengehalts nahmen es die Mönche als Ergänzung zu ihrer eher spärlichen Nahrung in den Speiseplan auf. Vor allem in der Fastenzeit half der Bock so manchem Bruder, nicht gegen die Regeln zu verstoßen, denn: Flüssiges bricht Fasten nicht.

Bevor die Mönche das erste Mal ein Bockbier brauen durften, musste die Erlaubnis des Papstes eingeholt werden. Hierfür, so erzählt es die Legende, wurde ein Fass an den Heiligen Vater in Rom geschickt. Beim Transport nach Italien wurde das Bier jedoch sauer und verdorben. Der Papst befand, dass dieses schreckliche Bier dem Seelenheil der Mönche in Bayern nicht schade, weil es unmöglich sei, davon zu viel zu trinken. Er gab es als Fastentrunk frei.

Für Maibock-Fans heißt es nun, schnell zu sein, bevor der letzte Tropfen vergriffen ist. Jedes Bier hat seine Zeit, sagt Reinhard Engel von der Hausbrauerei Altstadthof, und die Zeit des Maibocks endet eben spätestens im Juni. Kenner empfehlen: Vor allem Salate, grüner Spargel mit Sauce Hollandaise und Schinken harmonieren geschmacklich hervorragend mit dem hellen Bock.

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