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Beletage mit Bio

Neue deutsche Küche - 09.06.2009

Ein Hauch von Florenz: Andreas Meyer, Conny und Marco Neubauer auf der Restaurant-Terrasse.

© Scherer


Dabei sind die Gastgeber gar nicht geeicht aufs modisch mediterrane Feeling mit italienischer Trendkost. Conny und Marco Neubauer wollen vor allem gut sein, gute Gastronomen. Nach über einem Jahr der redlichen und kreativen Mühe können wir ihnen sagen: Das machen Sie wunderbar!

Das beginnt mit dem lockeren, freundlichen Service. Drinnen oder draußen? Draußen ist diese attraktive, harmonisch gestaltete Terrasse auf der ersten Etage, ein beschützter Freisitz. Die Küche bietet zwei viergängige Menüs zu 52 Euro, wobei man die einzelnen Folgen auch frei wählen kann, sowie eine Auswahl saisonaler Gerichte. Das Essen ist so generös wie vielschichtig komponiert, basiert auf regionaler Kost und leugnet nicht mediterrane und asiatische Einflüsse. Das heißt heute «neue deutsche Küche». Ein duftiges Gedicht ist das Spargelschaumsüppchen mit Prosciutto-Spargel im Brotkörbchen (6,90 Euro), ebenso gelungen vorneweg der locker-leichte Tomatenraviolo mit Parmesanschaum und Seezunge (12,90 Euro). Die Hauptgerichte, die wir wählen, sind eher deftig. Bestens gelungen das Kotelett vom Urschwein auf Kartoffelragout mit Chorizosauce (19,90 Euro), ein bisschen zu üppig die Maischolle «Finkenwerder» mit Speck und Shrimps (20,90).

Dem Zeitgeist angemessen

Aber mit diesen Gerichten dürfen wir Sie nicht mehr locken, es gibt bereits die neue Karte, die sehr verheißungsvoll klingt. Zum Beispiel das Menü 1: Carpaccio vom irischen Bullen und Entenstopfleber, Bäckchen vom Iberico-Schwein mit Jakobsmuscheln und Brandate (das ist eine Art Fischmousse), Kotelett vom neuseeländischen Hirsch mit Balsamico-Kirschen und Kartoffelblinis und als Dessert Creme Brulee mit Passionsfruchtsorbet. Die Portionen sind dem schlanken Zeitgeist angemessen, wer mehr will, bekommt einen Zuschlag.

Conny (29) und Marco Neubauer (32) haben viel Mut bewiesen, als sie das altehrwürdige Hotelrestaurant «Schwarzes Kreuz» kauften, renovierten und zur schicken Ausgehadresse aufpeppten. Eröffnung war März 2008. Beide sind versierte Profis, die über acht Jahre im «Schindlerhof» tätig waren, sie als Hotelfachfrau, er als Küchenchef. Marco, der im «Pflaums Posthotel» gelernt hat, versteht es wunderbar, aufregende Menüs zu kreieren, wobei er Kräftiges, gar Deftiges mit Zartem und Edlem harmonisch kombiniert. Großen Wert legt er auf regionale Produkte, am liebsten in Bio-Qualität.

Unterm Strich:

Das «Schwarze Kreuz» widerlegt jedes Vorurteil von der spießigen, internationalen Hotelküche. Das Ambiente in Rot-Schwarz-Weiß ist schick und freundlich, die Terrasse auf der Beletage eine Augenweide. Die Preise sind dem Angebot der Küche angemessen. Die kleine Weinkarte ist hervorragend, die Preisklasse moderat. Ein Restaurant mit Zukunft.

Kerstin Möller

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